Alter Manroland-Parkplatz hat keinen Abfluss

Alles Matsch: Offenbacher Kleingärten überflutet

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Kleingärtner Georg Friedrich vor seinem überschwemmten Beet. „Kartoffeln, Kohlrabi, Salat, alles ist hin“.

Offenbach - Verzweiflung im Kleingartenverein Odenwaldring in Offenbach: Gärten stehen unter Wasser, Gemüse und Blumen sind verrottet. Schuld ist der gegenüberliegende Manroland-Parkplatz, der bei Regen vollläuft. Denn der hat keinen Abfluss. Von Kristina Bräutigam

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Beim Anblick seines Beets kommen Kleingärtner Georg Friedrich die Tränen: Kartoffelpflanzen, Salat, Kohlrabi, Sellerie, Tomaten sind hin, nur noch ein paar traurige Reste ragen aus der braunen Brühe. „40 Jahre habe ich den Garten hier. Aber sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Offenbacher. Den Nachbarn geht es nicht besser: Insgesamt sechs Gärten des Kleingartenvereins Odenwaldring in Offenbach sind überschwemmt, die einst akkurat gepflegten Parzellen gleichen einer Sumpflandschaft. „Eine Schande ist das. Die ganze Arbeit, einfach zunichte gemacht“, sagt Georg Friedrich. 

Schuld an der Misere ist der ehemalige Manroland-Parkplatz, der sich parallel zum Kleingartengelände am Rotdornweg erstreckt. Bei starkem Regen, wie zuletzt vor drei Wochen, sammelt sich das Wasser im Zufahrtsbereich und läuft über den Rotdornweg in die vorderen Kleingärten. Kein Wunder, sagen die Mitglieder: „Hier fehlt eindeutig ein Abflusskanal. Der nächste befindet sich am Ende der Straße, fast 100 Meter weit weg“, sagt Obmann Theodor Lamba. Früher sei das Gelände eine Wiese gewesen, die den Regen aufgenommen habe. „Jetzt staut sich hier alles und schwappt zu uns rein.“ Auch der Anblick der wuchernden Bäume und Sträuche, die mittlerweile in den Rotdornweg ragen, ärgert die Kleingärtner. „Da muss die Stadt Offenbach doch mal tätig werden“, sagt Petra Pfeiffer. 

Fotos: Offenbacher Kleingärten wegen Parkplatz überflutet

Auf EXTRA TIPP-Anfrage erklärt die Stadt Offenbach, das Unternehmen Manroland beziehungsweise dessen Nachfolgeorganisation, der englischen Maschinenbauunternehmer Tony Langley, sei für den Parkplatz zuständig sei. Das Liegenschaftsamt habe sich mittlerweile mit dem Unternehmen in Verbindung gesetzt: „Dessen Aussage zufolge verfügt der Parkplatz über keine Entwässerungsleitungen. Dieser ist vielmehr so ausgelegt, dass Niederschlag auf der Fläche versickert“, so Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Dass es zur Überflutung der Kleingartenanlage gekommen ist, liege vermutlich am außergewöhnlichen Starkregen vor rund zwei Wochen.

Stadt sieht keinen Handlungsbedarf

Auch wenn man im Rathaus den Schaden für die Kleingärtner bedauere: Da es sich laut Aussage des Wetterdienstes um ein naturbedingtes Ausnahmeereignis handelte, unter dem auch viele andere Offenbacher zu leiden hatten, „gibt es aus Sicht der Stadt derzeit keine Veranlassung tätig zu werden“, so der Sprecher. 

Georg Friedrich und seine Gartennachbarn fühlen sich im Regen stehen gelassen. Für sie ist der Sommer gelaufen, bevor er angefangen hat. Nicht nur, weil Rasen und Beete ruiniert sind. Mit dem Wasser kamen auch die Mücken. Auf dem Schaden werden die Kleingärtner wohl sitzen bleiben. Sie sind nur gegen Hagel, Sturm und Feuer versichert, nicht gegen Wasser. Angesichts von Klimawandel und immer heftigeren Unwettern befürchten die Mitglieder, auch die nächsten Jahre Land unter zu haben. „Wenn keiner was tut, war’s das für uns“, sagt Georg Friedrich.

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