„Menschenunwürdige Zustände"

Ohne Dusche: Behinderte in Obdachlosenheim abgeschoben

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Ellen Mölbert steht vor der Rodgauer Obdachlosenunterkunft. Im Haus gibt es weder eine Dusche noch eine Küche.

Rodgau - Nachdem Ellen Mölbert ihre Wohnung verliert, wird die Schwerbehinderte vom Kreis Offenbach in eine Obdachlosenunterkunft in Rodgau untergebracht. Unter menschenunwürdigen Zuständen, sagt die 52-Jährige. Nicht mal eine Dusche gibt es im Haus. Von Kristina Bräutigam

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Ellen Mölbert will nur noch weg: Anfang März musste sie aus ihrer alten Wohnung raus, seitdem lebt die Schwerbehinderte in der Obdachlosenunterkunft im Mühlweg 12 in Rodgau-Weiskirchen. Einem heruntergekommenen Haus, in dem laut Ellen Mölbert überwiegend Alkoholiker untergebracht sind. „Dauernd ist es laut und stinkt nach Bier. Mich hier reinzustecken ist grausam“, sagt die Frührentnerin, die aufgrund einer Wirbelsäulenerkrankung und Arthrose im Bein nur schlecht laufen kann und eine 80-prozentige Schwerbehinderung hat.

Zwar habe sie nach der Kündigung eine behindertengerechte Wohnung in Obertshausen in Aussicht gehabt. Doch der Kreis Offenbach lehnte ab: Ellen Mölbert, die von Grundsicherung und einer Erwerbsminderungsrente lebt, habe keinen Anspruch auf eine behindertengerechte Wohnung. „Darum gelten für sie die gleichen Mietobergrenzen wie für alle anderen Hilfeempfänger“, so eine Sprecherin. Weil die 52-Jährige, wie sie sagt, keine andere Wohnung finden kann, wird sie am 16. März in die Obdachlosenunterkunft nach Weiskirchen gebracht – und ist entsetzt. „Ein Loch ist das, mehr nicht“, sagt die 52-Jährige. Die Spülung ihrer Toilette ist von Anfang an defekt, in der gesamten Unterkunft gibt es weder eine Küche, noch eine Dusche. „Wenn ich mich waschen will, muss ich Wasser aus dem Gasboiler über der Spüle nehmen. Das ist menschenunwürdig“, sagt sie.

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Auch Assistent Torsten Henning, der ihr im Auftrag des Sozialen Dienstes im Alltag hilft, ist fassungslos: „Ich kenne viele Einrichtungen für Obdachlose, etwa das Franziskus-Haus in Hanau. Aber sowas wie hier, habe ich noch nie gesehen.“ Die Stadt Rodgau weist die Kritik an den Zuständen zurück. Die Unterbringung eines Obdachlosen sei eine akute Maßnahme der Gefahrenabwehr, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. „Nach aktueller Rechtslage hat die Ordnungsbehörde lediglich für eine obdachmäßige Unterbringung zu sorgen.“ Eine Dusche gebe es nicht, dafür „einen Waschplatz mit Waschbecken, der die notwendigsten Lebensbedürfnisse abdeckt.“ Für Fragen der Betreuung und Beratung im Fall Ellen Mölbert sei der Kreis Offenbach zuständig.

Stadt Rodgau wehrt sich

Doch auch der weist die Verantwortung von sich: Auf die Frage des EXTRA TIPPs, warum der Kreis eine Schwerbehinderte in einer Obdachlosenunterkunft ohne Dusche unterbringt, heißt es: „Diese Frage kann nur mit der Stadt Rodgau geklärt werden, da die Kommunen in die Obdachlosenunterkünfte zuweisen.“ Die Stadt Rodgau betont, man habe Ellen Mölbert eine Wohnalternative angeboten, die sie abgelehnt habe. „Die Wohnung war im ersten Stock, ohne Aufzug. Da hätte ich das Haus nicht verlassen können“, wehrt sich die Frührentnerin. 

Unterkunft wird abgerissen

Die Hoffnung auf eine behindertengerechte Wohnung gibt sie nicht auf. Doch die Chancen stehen schlecht: „Sobald ich sage, dass ich schwerbehindert bin und Grundsicherung bekomme, brauche ich gar nicht weiterreden.“ Sollte sie in den nächsten Wochen keine geeignete Wohnung finden, bleibt nur noch das Warten auf den 4. August. Dann sollen die zehn Bewohner der Obdachlosenunterkunft in eine Notunterkunft in der Nieuwpoorter Straße in Dudenhofen umziehen. Das Haus in Weiskirchen wird anschließend abgerissen. „Schlimmer als hier kann es ja icht mehr werden“, sagt Ellen Mölbert.

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