Porträt des Serienmörders aus Schwalbach

Killer Manfred S.: Kannibale mit Klarinette

So sah Manfred S. in den 90ern aus. Foto: dpa

Schwalbach – Es könnten bis zu zehn Morde sein, die Manfred S. begangen hat. Die Polizei schließt nicht aus, dass er Organe seiner Opfer gegessen hat. Eine zentrale Frage bleibt aber offen. Von Axel Grysczyk

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Schlank, weißes Haar, gepflegter Bart, älterer Herr, einst wohnhaft in der Hofheimer Straße in Schwalbach, einer klassischen Durchschnittsstraße in Schwalbach, begabter Klarinetten-Spieler unter anderem in einer Jazz-Band: Manfred S. lebte das Leben eines Durchschnittsdeutschen. Landeskriminalamts-Ermittler Frank Herrmann: „Wir wären bei unseren Ermittlungen niemals auf ihn gekommen.“ Erst als nach seinem Tod 2014 in der von ihm angemieteten Garage in der Schwalbacher Nordstraße Leichenteile der vermissten Straßenprostituierten Britta Diallo in zwei blauen Fässern gefunden werden, kommt ein Fall ins Rollen. Der Fall eines der größten Serienkiller im Nachkriegsdeutschland.

32.000 Bilder mit Gewaltpornografien

Das Landeskriminalamt (LKA) teilt auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden mit, dass es keinen „vernünftigen Zweifel“ gibt, dass der bei seinem Tod 67-jährige Ex-Entrümpelungs-Unternehmer Diallo umgebracht hat. Und das, was Frank Herrmann in die acht Presse-Mikros vor sich ruhig und gelassen vor trägt, hat es in sich: Man habe auf dem Rechner von S. 32.000 Bilder aus dem Bereich der Gewaltpornografie gefunden. Der Diallo-Mord sei der Höhepunkt seiner kranken Sex-Fantasien gewesen. Es handele sich um die Auslebung von „sexuellem Sadismus“. Unfassbar: In diesem Fall ist nicht auszuschließen, dass dem Opfer Organe entnommen wurden, als es noch lebte. Und: In diesem Fall könnte noch ein zweiter Täter involviert gewesen sein. Herrmann: „Das typische Verletzungsbild und das Fehlen von Körperteilen der Opfer ist ein wiederkehrendes Merkmal.“

Bis heute fehlen Körperteile der Opfer

In mühevoller Kleinarbeit mit zig Analysen, länderübergreifend und mit einer extra Arbeitsgruppe haben die LKA-Ermittler alle Tötungsdelikte im Raum Frankfurt seit dem Zweiten Weltkrieg überprüft.

Sie gehen davon aus, dass die Fälle der getöteten Giesela Singh (aufgefunden im Juni 1991) und Dominique Monrose (aufgefunden im Dezember 1993) ebenfalls auf das Konto von S. gehen. Auch wenn LKA-Chefin Sabine Thurau sagt: „Es wird immer ein Tatverdacht bleiben. Die Unschuldsvermutung geht über den Tod hinaus.“ Fest steht: Täterverhalten und Verletzungsbild ähneln dem Vorgehen von S. Und es fehlen bis heute Körperteile der Opfer. Bei Monrose ist bis heute der Kopf nicht wieder aufgetaucht.

Verdächtiger mit mindestens sechs Morden in Verbindung

Möglicherweise gibt es weitere Fälle. Das LKA vermutet, dass S. für zwei Morde 1971 und 1973 verantwortlich ist. Auch auf Gurdrun Ebel und Hatice Erülkeroglu passt das Muster des sexuellen Sadismus von S. Dazu kommt, dass beide im Johanna-Kirchner-Stift gearbeitet haben und S. zur damaligen Zeit in der Nähe selbst tätig war. Möglicherweise hatte er in der Senioreneinrichtung sogar zu tun.

"Fall Tristan" passt in das Muster von S.

Und die Ermittler bringen noch mehr Fälle mit dem vermeintlichen Serienkiller in Verbindung: Der Fall, der an Weihnachten 1996 in einer Kleingartenanlage in Oberrad aufgefundenen Pia Heym, könnte auch auf das Konto von S. gehen. Bis heute haben die Ermittler nur den Kopf der Leiche, der restliche Körper fehlt. 2004 taucht zudem ein Opfer in der Staustufe zwischen Frankfurt und Offenbach auf. Diese Leiche ist bis heute noch nicht mal identifiziert.

Die Fälle der im Juli 1998 vermissten July Schröder und der 1999 verschwundenen Gabriele Haas könnten ebenfalls in Verbindung mit S. stehen.

Der Hammer: Der 1998 in Höchst getötete Tristan passt vom Täterverhalten und dem Verletzungsbild auch in das Muster von S. Ermittler Herrmann: „Es ist ein Verdacht, dem wir nachgehen. Es passt einiges zusammen, auch wenn Tristan bedeutend jünger als die anderen Opfer und ein Junge war. Warum es zwischen 1971 und Ende der 90er keine bis jetzt nachgewiesenen Taten von S. gibt, dafür hat Herrmann eine Hypothese: „Möglichweise hat sich da einiges im Leben von S. verschoben: Er ist Familienvater geworden, ein neuer Job.“

Erste neue Zeugenhinweise zu möglichem Serienmord

Die Polizei will alles wissen. Über Teilnehmer einer Entziehungskur im Odenwald 1996/97 an der S. teilgenommen hat, über seine Zeit bei der Bundeswehr und über möglich weitere angemietete Räume, in denen eventuell Beweise versteckt sind. Herrmann: „Man muss davon ausgehen, dass es bei S. in Teilen auch um Kannibalismus gegangen ist.“

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