Tierärzte aus Rhein-Main registrieren viele Fälle

Warnung vor der Kaninchenpest: Tiere sterben qualvoll

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Vereiterte, zugeschwollene Augen quälen das Kaninchen: Bei der Myxomatose gibt es keine Chancen auf Heilung. 

Region Rhein-Main - Eine Krankheitswelle überrollt die Region und versetzt Kaninchenbesitzer in Angst und Schrecken. Schuld sind neue Varianten der Krankheiten RHD und Myxomatose. Beide sind unter „Kaninchenpest“ bekannt. Von Katrin Greschner

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Kaninchen Olli sitzt in seinem Käfig. Er ist müde. Seine Augenlider sind vereitert. Er kann nichts mehr sehen. Sein Mund ist geschwollen. Seit Tagen hat er nichts mehr gegessen und getrunken, er magert ab. Qualvoll müssen seine Besitzer zusehen, wie er stirbt. Tun können sie nichts. Olli leidet an der Infektionskrankheit Myxomatose. 

Auch Kaninchen Flocke geht es schlecht. Eigentlich wirkte er gesund, doch plötzlich blutet er aus der Nase und bekommt starkes Fieber. Am nächsten Tag ist Flocke tot. Gestorben am RHD2-Virus, einer neuen Variante des „Rabbit Haemorrhagic Disease-Virus“. Beide Infektionskrankheiten sind im Volksmund unter „Kaninchenpest“ bekannt und breiten sich rasant aus.

Tierarzt Dr. Reinhard Jost aus Rödermark berichtet vor allem von Myxomatosefällen in seiner Praxis. Er schildert, wie dramatisch die Lage ist: „Zur Zeit sterben die Kaninchen wie die Fliegen.“ Ständig kämen Patienten mit ihren geliebten Nagern in die Praxis. „Aber außer sie einzuschläfern kann man da eigentlich nichts mehr tun.“ Denn die Myxomatose tötet die Tiere nicht direkt. „Aber sie hören auf zu fressen und gehen dann irgendwann qualvoll ein“, erklärt Jost. „Da ist es besser, die Tiere von ihrem Leid zu erlösen. Eine Heilung gibt es im Grunde nicht.“ Dazu kommt, dass der aktuell grassierende Stamm der Myxomatose resistent gegen Impfungen ist. „Wir merken, dass die Impfungen häufig nicht anschlagen.“

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Und die Myxomatose ist nicht die einzige Krankheit, die die Kaninchen gleich scharenweise tötet. „Im Juni, Juli und August hatten wir schon eine Welle der RHD“, sagt Jost. „Auch diese Krankheit ist tödlich, allerdings innerhalb weniger Tage.“ Das bestätigt auch Dr. Michael Zschöck vom Hessischen Landeslabor, Abteilung Veterinärmedizin: „Es ist schlimm, ein Tier kann heute gesund sein und morgen tot, ohne irgendwelche Symptome gezeigt zu haben“. 

Tiere sind kaum zu schützen

Kurz nachdem die RHD-Weller abgeklungen war, sei jetzt die Myxomatose aufgetreten. „Seit 14 Tagen geht das schon so“, sagt Dr. Reinhard Jost. Die Krankheit wird von Wildkaninchen übertragen. In deren Populationen – etwa an Waldrändern, auf Feldern oder in Stadtparks – kann das Virus überleben. Setzt sich eine Mücke oder eine Fliege auf die Hinterlassenschaften der Kaninchen oder auf die Tiere selbst und fliegt danach in einen Kaninchenkäfig, könne das schon zu einer Ansteckung führen. „Man kann seine Tiere kaum vor dieser Krankheit schützen“, sagt Jost.

Auch gegen das RHD2-Virus, das auch Chinaseuche genannt wird, wirken die vorhandenen Impfstoffe nicht mehr. Einen in Frankreich und Spanien zugelassenen Impfstoff gibt es in Deutschland noch nicht. „Es gibt jedoch die Möglichkeit beim Tierarzt eine Ausnahmeregelung zu beantragen“, weiß Zschöck. In diesem Fall kann das Mittel importiert werden. Aktuell entwickeln Forscher neue Impfstoffe und kämpfen um deren Zulassung.

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