Von Jimi Hendrix bis The Who: Veranstalter Günther Doll erinnert sich

50 Jahre Stadthalle: So wild rockten die Stars in Offenbach

Konzertveranstalter Günter Doll vor der Offenbacher Stadthalle. Am 15. Oktober steigt hier das große Jubiläumskonzert. Foto: kb

Offenbach – Am 21. Mai 1966 eröffnete die Stadthalle Offenbach. Dank der Kultsendung „Beat, Beat, Beat“ wurde die eigentliche Mehrzweckhalle zur Top-Veranstaltungsadresse in Rhein-Main. Zum Jubiläum gibt’s eine Neuauflage. Von Kristina Bräutigam

Am 21. Mai 1966 gibt es für junge Beat-Fans wenig Grund zur Freude: Die Eröffnungsfeier der Offenbacher Stadthalle bestreiten der Gauspielmannszug und ein Kinderchor, Tanzpaare hiesiger Vereine schieben übers Parkett. Die Erlösung folgt ein paar Monate später: Die Sendung „Beat, Beat, Beat“, deren Premiere noch im Sendesaal des American Forces Network in Frankfurt-Höchst aufgezeichnet worden war, wechselt in die Stadthalle – und mit ihr kommen die Stars der Beat- und Rockmusik nach Offenbach. Ob The Who, Kinks, die Spencer Davis Group oder Lou Reed: Die Stadthalle wird zur Kultstätte. „Damals gab es keine andere Location im Rhein-Main-Gebiet für solche Veranstaltungen. Das war unser Glück“, erinnert sich Günter Doll. 

Bei der ersten „Beat, Beat, Beat“-Aufzeichnung ist er 17 und macht eine Ausbildung als Beamter bei der Stadt. Die Karten, die es nicht zu kaufen gibt, ergattert er bei der Vorzimmerdame des Sportamtsleiters. „Das kam gut an bei den Damen“, sagt Doll. Der Großteil der legendären „Beat, Beat,Beat“-Sendungen wird in Offenbach aufgezeichnet, der Bieberer ist fast immer dabei, sieht die Searchers, Rattles und Jimi Hendrix, 1967 noch ein Newcomer. „Da wurde ordentlich gezappelt“, erzählt Doll, der später Leiter der Kultur- und Sportverwaltung wird.

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Dass er zum Konzertveranstalter wurde, habe sich so ergeben, sagt Doll. „Man trifft die richtigen Leute, das hilft“. Die ersten Shows organisiert er Ende der 80er im Büsing Palais, dann wechselt er in die Stadthalle. Neben 60er-Jahre-Ikonen wie Slade oder The Yardbirds holt Doll auch Hot Chocolate, die Spider Murphy Gang, die Münchener Freiheit, Drafi Deutscher oder George McCrae. Die meisten Stars seien nette Kerle, mit denen sich auch mal ein paar Bierchen zischen ließen. Nur einmal gab es Ärger: Die Bay City Rollers hatten im Hotel Lindental einen Schaden von 700 DM angerichtet. Ein Traum wäre es, Paul McCartney nach Offenbach zu holen. „Aber da reicht das Budget nicht“, sagt Günter Doll lachend.

Der Pensionär will sich auch in Zukunft gemeinsam mit Stadthallen-Geschäftsführerin Birgit von Hellborn darum kümmern, gute Musik nach Offenbach zu holen. Das nächste Großprojekt steht schon fest: Weil in diesem Jahr nicht nur die Stadthalle, sondern auch die Sendung „Beat, Beat, Beat“ 50 wird, steigt am 15. Oktober um 15 Uhr die große Jubiläumsparty mit Mungo Jerry, The Manfreds, den Lords und anderen Bands. „Hätte mir mal einer gesagt, dass ich als stinknormaler Beamter in so ‘ne Branche abdrifte, ich hätte dagegen gewettet“, sagt der 67-Jährige. Um die Zukunft der Offenbacher Stadthalle als Konzertstandort macht er sich keine Sorgen. Es gebe viele gute, neue Musik zu entdecken. „Die nächsten 50 Jahre werden sicher nicht leiser “, sagt Günter Doll.

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