Interview zum neuen Album "Life´s Blood"

Reggae-King Patrice hört Musik am liebsten unter Wasser

+
Reggae-König Patrice hat im Frankfurter Stadionbad sein neues Album „Life’s Blood“ vorgestellt.

Er ist der König der Reggae-Musiker und hat gerade sein neues Album „Life’s Blood“ im Frankfurter Stadionbad vorgestellt – und das unter Wasser. Über sein Herzblut und seine Kinder spricht der Sänger Patrice im EXTRA TIPP. Von Janine Drusche

Sie haben gerade im Frankfurter Stadionbad ihre neuen Lieder vorgestellt. Wie war die Stimmung?

Die Stimmung war mega gut! Es gab zwar nicht nur, wie geplant, Wasser von unten, sondern auch von oben. Aber die Fans, die da waren – die echten Liebhaber – haben sich untergestellt oder im Wasser auf Schwimmnudeln zugehört. Es waren zwar nicht so viele Leute da wie erwartet, aber so war es viel exklusiver und intimer. Der Sound und die Laune waren richtig geil. Der besondere Effekt kam an.

Was war der besondere Effekt?

Ich habe nicht nur draußen gespielt: Die Leute konnten meine Lieder unter Wasser hören. Dafür hatte ich spezielle Unter-Wasser-Lautsprecher dabei.

Wie kommen Sie auf die Idee, Musik unter Wasser zu hören?

Wasser ist etwas Lebensnotwendiges: Es bedeutet Erlebnis und Erfahrung, steht der Sonne gegenüber und wenn man untertaucht, passiert etwas mit dem Körper. Der Herzschlag verlangsamt sich um 25 Prozent, man fühlt sich wie in einem Traum oder im Schwebezustand. So kann man viel entspannter Musik aufnehmen, sie verstehen, sich in sie hineinfühlen.

Kabellos statt Klinke: Die Kopfhörer-Trends der IFA

Der Titel des neuen Albums ist „Life’s Blood“. In welche Themen muss sich der Zuhörer dabei reinfühlen, was soll er verstehen?

Es geht um das Blut des Lebens, das für den Menschen wie das Wasser für die Welt ist. Es hält uns am Leben: Unser Herzblut. Die Songs beschreiben das Leben in unserer Zeit. Da steckt mein „Life’s Blood“ drin, meine Leidenschaft. Ich finde, um andere Menschen zu erreichen, muss man etwas von sich preisgeben. Etwas wofür man brennt, das bereichert dann ein bisschen die Welt.

Sie geben Ihr Herzblut preis, um die Welt zu verbessern?

Ja, es geht darum, dass erstmal im Leben alles gut ist. Und am Ende ist wieder alles gut, auch wenn zwischendurch nicht alles okay ist. Da ist das All und diese Kugel, auf der viel Wasser ist und darauf leben wir. Das allein ist schon so krass: Da müssen viele Faktoren zusammenlaufen und man muss viel geschafft haben, damit man dieses Leben führen kann. Das ist eigentlich entgegen jeder Wahrscheinlichkeit. Und trotzdem sind wir hier. Dieses Privileg sollte man zu schätzen wissen und immer wieder das Wunder des neuen Tages wahrnehmen. Der Terror zum Beispiel ist wirklich schlimm, aber es gibt auch die andere Seite. Die darf man nicht vergessen.

Sie sind also ein Optimist?

Ich würde eher sagen ein Realist. Besonders optimistisch bin ich nicht. Aber das, was auf der Welt passiert, steht in keinem Verhältnis mehr. Da muss man sich selbst ein bisschen ins Gleichgewicht bringen, sich irgendwo einpendeln.

Ihre Musik pendelt sich nicht auf einen Stil ein: Der ändert sich, Elemente wechseln stetig. Warum?

Ich mache mit Absicht jedes Album etwas anders, probiere mich aus. Dabei ist immer relevant, was mir gerade so gefällt, was irgendwie cool ist. Ich will mir ja selbst treu bleiben und das tue ich nicht, indem ich meinen alten Stil krampfhaft beibehalte, sondern indem ich mir anschaue, wo ich gerade stehe. Alles andere wäre nicht ehrlich. Und auch ein bisschen dumm.

Im Video zur neuen Single „Burning Bridges“ kommen sogar skurrile Elemente vor. Was hat es mit den Masken-Tänzern auf sich?

Ich probiere eben alles Mögliche aus. Die Masken-Tänzer haben ihren Ursprung in der Karibik. Sie symbolisieren einen Prinzen, der sich früher erfolgreich gegen den Unterdrücker zur Wehr gesetzt hat. Ihm zu Ehren ziehen die Tänzer durch die Straßen. Ich finde es gut, wenn man sich auch mal gegen die Obrigkeit auflehnt. Und ehrlich gesagt, sehen sie auch einfach cool aus. Da wird ein bisschen der Bogen zu Afrika (Anm. d. Red.: Patrices Vater stammte aus Sierra Leone) gespannt. Das gepaart mit modernem Tanz und dem Surrealen dabei hat etwas Fantastisches. Das finde ich cool.

Auch skurril: Laut Wikipedia bevorzugen Sie Ihren zweiten Vornamen Babatunde. Dabei stimmt das gar nicht?

Ja, ich weiß auch nicht, warum das da steht. Aber was da nicht steht, ist, dass ich noch einen dritten Vornamen habe: Gaston, wie mein Vater. Den fand ich früher nicht cool. Aber jetzt – bei der Hipster-Bewegung – kann ich ihn ja sagen. Da ist der bestimmt in.

Sie sind gerade auf Tour, kommen bald ins Gibson nach Frankfurt. Wie ist das für Ihre Kinder, wenn Sie so viel unterwegs sind?

Ja, ich komme auch ins Gibson. Auf Frankfurt freue ich mich immer, da habe ich viele tolle Freunde. Meine Kinder sind dann zuhause in New York. Das ist okay für sie. Jede Familie lebt so, wie sie es gewohnt ist. Und wir leben eben so, mit vielen Reisen.

Sie waren früher ein kleiner Rebell. Haben Ihr Sohn und Ihre Tochter auch ihren eigenen Kopf?

Ja, sie kommen nach mir: Mein Sohn hört Gangster-Rap und ist der Schlimme in der Schule – wie ich. Die Kleine wollte letztens das „Frozen“-Lied singen. Alle anderen mussten still sein.

Das könnte Sie auch interessieren: Große Ehre für „Gesamtkunstwerk“ Helge Schneider

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Mehr zum Thema

Kommentare