Effi B. Rolfs im Interview

Schmiere-Chefin: „Satire beginnt, wenn ich meine Augen morgens öffne“

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Effi B. Rolfs, Geschäftsführerin der Schmiere,

Frankfurt - Seit 65 Jahren wird im Theater „Die Schmiere“ unabhängig gearbeitet. Das Ensemble des sogenannten schlechtesten Theaters der Welt zieht mit Satire das Publikum von überall her an – auch oder gerade während der politischen Diskussionen. Der EXTRA TIPP interviewte Geschäftsführerin Effi B. Rolfs. Von Janine Drusche

Morgen ist Welt-Lachtag. Was bedeutet Lachen für Sie?

Bis die Leute bei uns lachen, haben wir viel Arbeit: Es passt also, dass der Lachtag auf den Tag der Arbeit fällt. Was beim Lachen im Körper und Hirn passiert, ist lebenswichtig. In einer Welt ohne Lachen, würden wir wahrscheinlich eingehen wie die Primeln.

Worüber wird in der Schmiere am meisten gelacht?

Es ist jeden Abend anders und kommt darauf an, wie das Publikum drauf ist. Jeder Zuschauer hat seine eigenen Lacher. Das ist nicht planbar, weil wir es mit Individuen zu tun haben. Da funktioniert selbst ein garantierter Lacher nicht immer garantiert.

Aus aktuellem Anlass: Gibt es eine Gürtellinie bei Satire?

Auf jeden Fall gibt es eine Gürtellinie. Jeder Kabarettist hat seine persönliche: Wenn man ein schlechtes Gefühl hat, kann es vielleicht nicht mal erklären, muss man im Team darüber sprechen. Vielleicht macht die Szene jemand anderes oder man lässt sie aus.

Was macht die Schmiere aus?

Wenn die Feinheiten stimmen, die Leute passen und der Funke überspringt, wird es hier ein besonderer Abend. Dann interagieren Schauspieler und Publikum non-verbal. Die Nähe und der eigenverantwortliche Teamgeist des Ensembles machen uns besonders: Wir sind kein stinknormales Stadttheater. Sobald man die Stufen runter kommt, ist man in der Schmiere. Da muss man nur mit sich selbst klarkommen.

Der beste Witz der Welt - lachen Sie mit

Was ist an der Legende alter Stuhl gegen freie Eintrittskarte dran?

Die stammt aus den ersten drei bis sechs Jahren: Das Theater war im Keller des Steinernen Hauses und der Gastwirt stellte die Stühle zur Verfügung. Dann gab es Stress und er nahm die Stühle weg. Da kam mein Vater auf die Idee: Stuhl gegen Freikarte. Das Schild dazu haben wir nach der Sanierung vor etwa acht Jahren abgenommen: Die Qualität der Stühle ist schlechter geworden. Aber ein oder zwei große Ledersofas könnten wir mal wieder gebrauchen.

Ist der Aspekt Kritik oder Humor bei Satire wichtiger?

Das ist beides wichtig: Der überspitzt dargestellte Alltag, lässt Leute über sich selbst lachen, aber auch mal schlucken. Sie merken, dass sie selbst gerade im übertragenen Sinne auf die Bühne gestellt wurden.

Ein Erfolg für uns ist, wenn der Alltag aus der Distanz betrachtet wird, Inhalte vermittelt und in die Realität übersetzt werden.

Wo fängt dann Satire für Sie an und wo hört sie auf?

Satire beginnt, wenn ich morgens die Augen aufmache. Sie hört auf, wenn ich die Augen schließe. Das ist wie mit Politik, die begleitet mich auch stetig. Beides prägt den Alltag. Ich glaube, man kann vieles nur ertragen, wenn es gelingt darüber zu lachen – vor allem mit und über sich selbst.

Bei all dem Lachen: Haben Sie auch mal schlechte Laune?

Wenn einer von uns schräg drauf ist, etwas Privates passiert ist, sind wir Vollprofis; Rampensäue. Jeder muss selbst entscheiden, bis wohin er sich mit Arbeit ablenkt oder eine Vorstellung ausfallen lässt. Da wir aber eine Art Familie sind, können wir innerhalb des Team vieles abfangen. Bevor wir eine Show absagen, gilt sprichwörtlich: Man muss den Kopf sozusagen unter dem Arm tragen.

Worauf kommt es bei den Inhalten der Programme an?

Den Alltag, das Leben, das Gehörte als kleine überspitzte Szene auf die Bühne zu stellen: Dem Zuschauer und uns einen Spiegel vorzuhalten, der erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. Satire eben.

Video Lachyoga in Frankfurt

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