Keime töten ist ihre Pflicht

Aktion Saubere Hände: Nur 20 hessische Kliniken ausgezeichnet

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Wenn Ärzte sich nicht regelmäßig die Hände desinfizieren, kann das für die Patienten tödlich enden.

Region Rhein-Main – Von 167 Kliniken in Hessen machten 88 bei der „Aktion Saubere Hände“ mit: Ziel ist das richtige Desinfizieren der Hände. Nur 20 Hospitale bekamen ein Zertifikat, dabei würden durch gute Desinfektion jährlich 2500 bis 5000 Todesfälle in Deutschland verhindert. Von Janine Drusche

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Gerade einmal die Hälfte der 167 Kliniken in Hessen haben an der Kampagne Aktion Saubere Hände teilgenommen. Dabei ist richtiges Desinfizieren der Hände, worum es bei der Aktion geht, besonders wichtig in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Jährlich sterben, laut Julia Abb von der Techniker Krankenkasse Hessen, deutschlandweit tausende Menschen an den Folgen falscher oder nicht vorgenommener Desinfektion der Hände. „Auch die Kosten für die Allgemeinheit steigen dadurch enorm an“, sagt Abb. Wenn sich Ärzte oder Pflegepersonal schlecht oder gar nicht die Hände desinfizierten, setzten sich für den Menschen unsichtbare Viren und Bakterien, die sogenannten Multi-Resistenten Erreger frei, und würden von einem zum anderen Patienten übergeben oder von der Umgebung eines Kranken an eine andere Stelle transportiert. Werden Hände nicht richtig gereinigt, können schwere Krankheiten wie Blutvergiftungen, Infektionen oder Lungenentzündungen folgen.

„Die Kampagne Saubere Hände soll in Gesundheitseinrichtungen bei der Verbesserung der Grundsätze des Händedesinfizierens helfen“, sagt Abb. Seit 2008 gibt es die Kampagne, doch in Hessen hat dieses Mal nur rund die Hälfte der Krankenhäuser teilgenommen. Zwar sind alle Frankfurter Kliniken dabei, doch im Landkreis Offenbach nur fünf von zehn, im Taunus-Gebiet vier von fünf. Ausgezeichnet wurden für ihren vorbildlichen Umgang mit Hände-Desinfektion in der Region nur sieben Häuser: Eines bekam je im Offenbacher- und Taunuskreis Bronze. In Frankfurt wurden zwei Institute mit Bronze, drei mit Gold zertifiziert. Die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Frankfurt (BGU) macht seit Jahren bei der Aktion mit, hat sich aber nicht für die Auszeichnung angemeldet: „Eine effektive Händehygiene gehört sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei Patienten und Besuchern zu den Standardmaßnahmen“, sagt Dr. Rolf Teßmann, Chefarzt der Anästhesie.

Desinfektion habe in der BGU höchste Priorität zur Vorbeugung von Infektionen. „Wir würden alle Voraussetzungen erfüllen, ein Zertifikat zu erhalten, da wir aktiv an der Aktion Saubere Hände teilnehmen, ohne dies allerdings durch ein Zertifikat sichtbar machen zu müssen“, sagt Teßmann. Entscheidend sei die Umsetzung. „Die Teilzertifizierung würde unser Haus nur unzureichend beschreiben“, meint der Arzt. Auch Dr. Adalbert Missalla, Fach- und Unfallarzt in der Offenbacher Ortho-Klinik, meint, man brauche kein Zertifikat für strenge und regelmäßige Desinfektion der Hände. Deshalb hat die Klinik auch nicht an der Aktion teilgenommen: „Wir machen jeden Monat Fortbildungen. Hygiene ist dabei der wichtigste Faktor. Die Aktion Saubere Hände ist unser täglich Brot. Da brauchen wir keine Kampagne“, sagt er.

Ute Bertram, Sprecherin der Emma Klinik in Seligenstadt, stimmt zu: „Wir brauchen für unsere Belegklinik mit 13 Betten kein Zertifikat. Ein Sterilisationsraum wurde eröffnet, alles wird regelmäßig kontrolliert.“ Die öffentliche Teilnahme sei nicht relevant. Ihr Fazit: „Das Thema Hände desinfizieren ist für Ärzte, Pflegepersonal und Patienten sehr wichtig: Kein Zertifikat zu haben, heißt nicht, dass nicht besonders auf Hygiene geachtet wird.“

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