Halter meist ignorant

Eklig: Hundekot auf den Feldern ärgert die Obstbauern

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Auf diesen Erdbeerfeldern findet Hilfspolizist Ewald Koster in Kriftel regelmäßig Kothaufen von Hunden. 

Kriftel - In Kriftel treiben ignorante Hundebesitzer die Bauern auf die Palme. Die nicht angeleinten Vierbeiner koten in Felder, auf denen Lebensmittel angebaut werden. Doch die meisten Hundehalter interessiert das wenig. Von Kristina Bräutigam

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Der ganze Stolz der Gemeinde Kriftel kommt vom Hochfeld: Äpfel, Birnen, Aprikosen, Mirabellen oder Erdbeeren wachsen in der riesigen Feldgemarkung, die der Gemeinde den Titel „Obstgarten des Vordertaunus“ eingebracht hat. Doch ein Problem stinkt den Landwirten gewaltig: Freilaufende Hunde, die ihre Kothaufen in den Plantagen hinterlassen. „An manchen Feldern liegen so viele Tretminen, da weigern sich meine Erntehelfer zu arbeiten“, sagt Edelbert Hoss vom Lindenhof in Kriftel. Nicht nur zwischen den Erdbeerpflanzen sind die Hundehaufen ein Ärgernis. Auch Früchte, die auf Bäumen und Sträuchern wachsen, werden verunreinigt, wenn die plattgetretenen Fäkalien von den Schuhen über die Leiter und schließlich an den Händen der Erntehelfer landen. 

Das sei nicht nur unappetitlich, sondern auch geschäftsschädigend, sagt Hoss. „Wir beliefern große Märkte. Eine verunreinigte Frucht nimmt mir kein Markt ab“. Zuletzt hatten Hunde Löcher in seine teure Schutzfolie gerissen. „Und wenn man die Halter anspricht, kassiert man noch einen dummen Spruch.“

Unterstützung vom Hilfspolizisten

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Leint im Feld die Hunde an!

Unterstützung bekommen die Obstbauern von Ewald Koster. Der Hilfspolizist ist seit 31 Jahren für den Feldschutz der Gemeinde Kriftel zuständig, jeden Abend fährt er Kontrolltouren durchs Hochfeld. Neben Obstdieben sind es vor allem freilaufende Hunde, die Koster ein Dorn im Auge sind. „Hunde haben in den Feldern nichts zu suchen. Hier werden Lebensmittel erzeugt. Wer will denn angepinkelte Erdbeeren essen?“

Die Gemeinde Kriftel ist nicht allein mit dem Problem: Die Stadt Königsstein im Taunus hat die Feld- und Wiesenflächen bis September geschlossen, um die Ernte zu schützen; auch die Stadt Münster appelliert an ihre Hundehalter, den Kot ihrer Vierbeiner nicht in Grünanlagen, Feldern oder Wiesen zu hinterlassen.

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Wie in Münster gibt es auch im Krifteler Hochfeld Hundestationen, an denen Kotbeutel gezogen und die Haufen entsorgt werden können. Außerdem hat die Gemeinde Banner aufgestellt, die auf die Anleinpflicht der Hunde hinweisen. Ohne Erfolg. „Heute herrscht eine Ich-Mentalität. Welchen Schaden das eigene Verhalten anrichtet, ist vielen egal“, klagt Ewald Koster.

Hundehalter begehen Ordnungswidrigkeit

Was viele Hundehalter nicht wissen: Wer seinen Vierbeiner in einem Jagdbezirk unbeaufsichtigt weglaufen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Trotzdem versucht es der Hilfspolizist meist im Guten: „Die meisten Krifteler kennen mich. Da reicht eine Ermahnung“. Wildert ein Hund, kennt Koster allerdings keine Gnade und zeigt den Halter an. „Der Kot ist das eine, der Naturschutz das andere Problem. Hasen und Bodenbrüter wie Rebhühner oder Fasane kommen ja gar nicht mehr zur Ruhe“, erklärt Koster. 

Eine Leinenpflicht für das Hochfeld könnte beide Probleme lösen. Doch die sei politisch nicht gewollt, sagt Obstbauer Edelbert Hoss, der auch im Gemeindevorstand ist. „Fast jeder hat heute einen Hund. Mit der Lobby will sich’s keiner verscherzen.“ Landwirten und Hilfspolizisten bleibt nur der Apell an die Tierhalter. „Die Scheiße des eigenen Hundes wegzumachen ist die primitivste Form des Anstandes“, sagt Ewald Koster, der selbst zwei Hunde besitzt. Wer das nicht einsieht, habe im Krifteler Hochfeld nichts zu suchen.

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