Kommunen bekämpfen Kinderarbeit und Ausbeutung

Gerechter Handel: So fair ist der Taunus

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Die fünfjährige Rani muss in Indonesien Karotten verkaufen. Gegen Kinderarbeit und Ausbeutung kämpfen die Fairtrade-Towns im Taunus.

Region Rhein-Main - Im Ausland müssen viele Kinder hart arbeiten, während die Eltern stundenlang für Hungerlöhne schuften. Der Taunus kämpft deshalb – viel mehr als andere Landkreise der Region – gegen Ausbeutung. Neun Städte sind „Fairtrade Towns“ – sie handeln gerechte Produkte. Von Janine Drusche

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Fair gehandelter Kaffee, Bananen, die nicht von Kindern geerntet wurden, und Spielzeug, an dem kein Blut wegen grausamer Arbeitsbedingungen klebt: In den Landkreisen im Taunus wird fairer Handel groß geschrieben. Neun Kommunen nehmen an der Kampagne Fairtrade Town von TransFair, Verein zur Förderung des Fairen Handels der Einen Welt in Köln, teil. Im Vergleich zum Landkreis Offenbach, wo nur drei (Langen, Neu-Isenburg, Hainburg), im Main-Kinzig-Kreis sogar nur zwei Kommunen (Gelnhausen, Erlensee) als Fairtrade Towns gelten, ist der Taunus mit Oberursel, Bad Homburg, Eschborn und Schwalbach, Hofheim, Idstein, Hattersheim und Glashütten auf dem Vormarsch für gerechten Handel.

Man kauft und verkauft hier Produkte und Lebensmittel, die kein schlechtes Gewissen bereiten, weil dafür niemand ausgebeutet wurde. Alle teilnehmenden Städte, die Fairtrade Towns, erfüllen fünf Kriterien: Sie haben einen Ratsbeschluss verabschiedet, planen mit einer Steuerungsgruppe faire Aktivitäten, bieten in Einzelhandel und Gastronomie mindestens zwei fair gehandelte Produkte an, verbreiten Fairness.

Oberursel älteste Fairtrade-Stadt im Taunus

„Der faire Handel soll kommunal weitergebracht werden. Die Städte berücksichtigen soziale Aspekte und achten auf einen sparsamen und wirkungsvollen Umgang mit Ressourcen“, sagt Edith Gmeiner von TransFair. Ein Bewusstseinswandel hin zum fairen Einkauf im Alltag sei das Ziel. „Auch der Bezug zu regionalen Produkten, Ideenaustausch und die Vernetzung zwischen den Kommunen über globale Gedanken spielt eine große Rolle“, sagt Gmeiner. Viele zögen an einem Strang: „Nicht nur die Stadt, auch Vereine, Gewerbetreibende, Schulen, Restaurants und Kirchengemeinden machen mit.“

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Die Stadt Oberursel ist die älteste Fairtrade-Stadt im Taunus. Seit 2012 ist sie zertifiziert für ihre fairen Aktionen. „Bei uns beteiligen sich beispielsweise Schule, Kirche, der Weltladen und eine lokale Agenda an der Steuerungsgruppe für das Fairtrade Town“, sagt Jens Gessner von der Stadt Oberursel. Jährlich veranstalte die Stadt ein herbstliches Gewerbefest: „Da haben wir eine Fairtrade-Bühne mit Showprogramm, um die Leute weiter aufzuklären.“ Mit der Volkshochschule seien außerdem Forschungen zu konventionellen Produkten angestellt worden: „Mit teilweise unschönen Ergebnissen“, sagt Gessner: „Fairer Handel ist dann einfach besser.“

Nicht weit weg, in Eschborn gibt es den Eine-Welt-Laden für gerechten Handel. „Der hat eine lange Tradition bei uns. Mit der Fairtrade-Town-Kampagne haben wir sie ausgeweitet“, sagt Erster Stadtrat Thomas Ebert. Zehn Kindertagesstätten verzehrten ausschließlich fair gehandelte Bananen und vor Ort gebe es viele Veranstaltungen zu Fairtrade: „Vergangenes Jahr hatten wir eine ‘Faire Woche’ mit etwa 20 Veranstaltungen, beispielsweise einer Schokoladenverkostung.“ In den Rathäusern werde nur fair gekaufter Kaffee ausgeschenkt. Der Taunus ist somit die Fairtrade-Zone der Rhein-Main-Region.

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