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Diese Dummheiten nerven Gerd Knebel von Badesalz am meisten

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Komiker Gerd Knebel schreibt regelmäßig Liedtexte und war vor seiner Zeit bei Badesalz Sänger der Kultband Flatsch!.

Gerd Knebel ist gemeinsam mit seinem Partner Henni Nachtsheim das Duo Badesalz. Am 23. September kommt sein Solo-Musikalbum „The Knebells“ heraus. Mit dem EXTRA TIPP sprach er über seine Musik, gute und schlechte Comedy und Dummheiten der Menschen, die ihn besonders ärgern.

Herr Knebel, Sie wurden kürzlich in einem Artikel als die eine Hälfte von Mundstuhl bezeichnet. Hat das sehr weh getan?

Ach Quatsch. Das passiert uns seit Jahren. Etwa in Hamburg auf der Straße: „Ah, die von Mundstuhl“. Selbst im näheren Bekanntenkreis wird da was verwechselt. Aber Henni erzählte mir, dass Mundstuhl das auch passiert. 

Neben der Badesalz-Comedy und Soloprogrammen machen Sie regelmäßig Musik. Sind Sie lieber Komiker oder Liedermacher? 

Mir macht beides Spaß. Ich komme mit Flatsch! schließlich von einer Musikband. Wir waren so eine Art Comedy-Band. Daraus hat sich dann die Comedy später mit Henni und Badesalz entwickelt. Musik bleibt aber großer Bestandteil, weil ich mit Musikern immer wieder Sessions mache und viele Songtexte schreibe. Ich habe ja keinen Interpreten, dem ich die Stücke bringen könnte. Deswegen muss ich ab und zu eine Platte veröffentlichen.

Am 23. September erscheint mit „The Knebells“ ihr neuestes Album. Wie würden Sie es beschreiben?

Das ist Mix aus Blues, Soul und Pop. Eben Musik, die ich besonders mag. Es sind ein paar härtere Sachen dabei, aber jetzt nicht so hart wie Metal. Aber wir versuchen bestimmte Gitarrensounds rein zu bringen. Letztendlich ist es Rockmusik. Textlich wird es immer so sein, dass ich ironische Sachen mache oder Beschreibungen verdrehe. Man wird von mir nie Kalenderweisheiten hören.

Auf dem Album-Cover von „The Knebells“ ist ein idyllisches Familienfoto zu sehen. Was hat es mit diesem Bild auf sich?

Darauf sieht man die wichtigsten Personen in meinem Leben und vor allem aus meiner Kindheit. Meine Oma und mein Onkel. Mit dessen Frau Rosemarie ist er irgendwann nach England gezogen. Meine Oma und mein Onkel waren Vorbilder, was gute Laune und Musik anbelangt. Weil es auch andere Seiten in meiner Kindheit gab, war es immer schön, wenn der Onkel aus England kam und Platten mitgebracht hat. Daher kommt auch meine große Leidenschaft für England.

Mit der Erfahrung Ihrer jetzigen Karriere: Was würden Sie dem kleinen Gerd auf dem Foto mit auf den Weg geben?

Letztendlich, dass man seine Leidenschaft ausleben und sich nicht verbiegen lassen sollte von Sicherheitsdenken. Und sich nicht beirren lassen sollte von seinem Weg, selbst wenn es von allen Seiten auf einen einströmt.

Im Stück „Du bist blöd“ auf dem Album singen Sie über Frauen, die viel Wert auf ihr Äußeres legen, aber lieber mal ein Buch lesen sollten. Welche Dummheiten der Menschen ärgern Sie?

Extreme Vorurteile. Manche sind stur und nehmen nichts an. Da kann man mit einem Betonhammer reinhauen, aber es passiert nichts. Das finde ich sehr schlimm. Ich habe auch manchmal Vorurteile über irgendwas. Dann sehe ich vielleicht einen Bericht oder lese was dazu und denke mir: Mensch, von dieser Seite habe ich das noch gar nicht gesehen. Man sollte immer bereit sein, etwas dazu zu lernen. Das Problem in unserem Land ist, dass zu viele Leute von allem eine Ahnung haben. In der Musik, im Fußball sowieso und in der Politik. Ich denke mir oft: Leute, haltet mal die Fresse. Lasst die Experten reden!

Sie schätzen britische und US-Comedy sehr. Warum? 

Ich mag es, dass sie Grenzen durchstoßen. Amerikaner und Engländer bringen Nummern, wo die Leute hier oft entsetzt rufen würden: „Das kann man nicht bringen!“ Ich habe ja ein Soloprogramm und das hat eine härtere Gangart als Badesalz. Da merke ich das auch. In England ist einfach die Toleranz in Sachen Comedy größer. Was ich oft nicht verstehe ist, dass die Leute in Deutschland Romane mit den schlimmsten Sachen lesen. Aber wenn ein Comedian auf der Bühne was erzählt, dann wird das immer so ernst genommen.

Welche Zutat muss gute Comedy haben?

Comedy sollte immer von der eigenen Sicht kommen und nicht irgendwem gerecht werden. Das stößt mir manchmal bei Kabarettisten extrem auf. Ich habe da manchmal das Gefühl, die spielen für alte Studienräte mit Ziegenbärten, die nur zustimmend nicken. Fast zwei Jahrzehnte konnte man ja sein Geld als Kabarettist verdienen, indem man nur „FDP“ sagte und dann lachte schon das ganze Publikum. Das fand ich immer gruselig. Und heute ist es ein bisschen mit der AFD so. Die FDP und die AFD müssten von den Kabarettisten Lizenzen bekommen, weil sie über Jahrzehnte damit Geld verdienen. Ich finde es viel interessanter, was in einem selbst vorgeht, in der eignen Sichtweise und im Umfeld. Die Themen sind oft alle so abgetrennt von den Kabarettisten selbst. Man sollte nicht unbedingt einer Seite gerecht werden. Sodass ich etwa weiß: Jetzt habe ich alle Linken auf meiner Seite oder alle biederen Leute. Finde ich beides schlimm.

Sie gelten mit ihrem Partner Henni als „Kult-Hessen“. Was mögen Sie selbst an den Hessen besonders gerne?

Das Schnelle, Freche und Unverschämte. Da wird viel gebabbelt und schnell was rausgeschossen, wo die Sprache schneller als das Gehirn ist. Ich kenne einen Kneipenwirt in Frankfurt, der manchmal das übelste Zeug babbelt. Etwa: „Die Schwarzen nehmen den Deutschen die Frauen weg“. Wenn man dann gleich sagt: „Was babbelst du denn fürn Schrott?“ Dann reagiert er entsetzt: „Ei nee, so mein ich das doch gar nicht“. Ich weiß auch, wenn jemand in seiner Kneipe einen Schwarzen oder Ausländer beleidigen würde, dann würde er dem erstmal eine batschen und dann hochkant rausschmeißen. Es ist halt bei den Hessen interessant, welche schnelle Meinungsbildung ohne nachzudenken entsteht. 

Wie reagieren die Leute, wenn Sie als der „Gerd von Badesalz“ erkannt werden? Was waren da bislang die seltsamsten Reaktionen der Leute?

Das hält sich eigentlich in Grenzen. Das Blödeste ist vielleicht, dass Leute einem manchmal etwas aufschwätzen wollen, was ein super Sketch sein soll. Was sich dann aber als extrem langweilig herausstellt. Lustig finde ich auch immer den Satz: „Bei uns ist einer bei der Arbeit, der spricht eure Sketche besser als ihr.“ 

Und wann hat Ihnen jemand das letzte Mal „Hey Busfahrer: Zieh die Jack aus“ nachgerufen? (Anm. der Redaktion: Szene aus einem Badesalz-Bühnenprogramm von 1988 und dem Sketch „Die Volkszählung“.) 

Das habe ich komischerweise erst vor einem Jahr gehört. Das kommt immer mal wieder vor. Das hört wohl nie auf.

Mitmachen und gewinnen

Das neue Album von Gerd Knebel.

Der EXTRA TIPP verlost drei Mal das Album „The Knebells“ von Gerd Knebel. Dafür bis Dienstag, 20. September, 14 Uhr, unter www.facebook.de/rheinmainextratipp den „Gefällt-mir-Button“ drücken und unsere Seite liken oder das hier unten angehängte Gewinnspielformular ausfüllen und abschicken. 

Das Gewinnspiel ist beendet.


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