Grünflächenämter ächzen, Anwohner sind genervt

Gemeinden am Limit: Sommer lässt Grünflächen explodieren

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Überall sprießt das Grün mehr als sonst. Die Mitarbeiter der Grünflächenämter kommen mit ihrer Arbeit kaum hinterher.

Region Rhein-Main - Der ständige Wechsel von Regen und Sonne hat Rhein-Main in ein Mega-Treibhaus verwandelt. Überall schießen die Pflanzen in den Himmel, Spielplätze und Parks wuchern zu, die Straßenränder hat längst das Unkraut erobert. Die Grünflächenämter schnaufen hinterher, die Bürger sind genervt. Von Christian Reinartz

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Mal ist der Sommer zu heiß, mal zu kalt, mal zu nass. Doch dieses Jahr stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. „Wir hatten keine wirklich stabilen Wetterlagen. Heiß war es immer nur kurz, dann gab es wieder Gewitter und Regen“, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. „Das war eine richtige Achterbahnfahrt. Man könnte in diesem Sommer fast von subtropischen Verhältnissen sprechen.“ Die Folge: bis zum Anschlag mit Wasser gesättigte Böden. Optimale Verhältnisse für üppiges Pflanzenwachstum.

Und das bekommen zur Zeit alle zu spüren. Während sich Hobbygärtner und Bauern freuen, wächst in den Städten langsam alles zu. Straßenränder werden scheinbar nicht mehr geschnitten, auf Spielplätzen steht das Gras kniehoch und Sträucher überwuchern wichtige Verkehrsschilder. Ausbaden müssen das vor allem die Grünflächenämter in Rhein-Main. „In diesem Jahr wächst alles schneller und stärker als sonst“, sagt Bernd Roser, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung in Frankfurt. „Das ist ein richtiger Teufelskreis. Je mehr es regnet, desto stärker wachsen die Pflanzen, aber desto weniger können wir mähen.“ Eine ähnliche Situation habe er „bestimmt in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt.“ 

Auch im Taunus und in Offenbach sieht man Grün

Auch im Taunus und in Offenbach hinken die Gründflächenämter mit der Arbeit hinterher. „Das üppigere Wachstum in diesem Jahr führt zu Mehrarbeit“, sagt Bad Homburgs Stadtsprecher Andreas Möring. Alle seien extrem eingespannt, es gebe deshalb nahezu keine Möglichkeit zusätzliche Unternehmen zu finden, um das auszugleichen. Auch Offenbach ächzt unter der grünen Last. 

Oliver Gaksch, Sprecher der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO, bestätigt: „Es ist richtig, dass bedingt durch die feuchte und warme Witterung alles ganz besonders stark und gut wächst, vor allen Dingen Wildkräuter in den Pflanzflächen.“ Normalerweise sei durch die warme trockene Witterung im Juli und August das Wachstum eingeschränkt, so dass Rasenflächen kaum noch gemäht werden müssten. „Dieses Jahr wächst das Gras aber seit April ununterbrochen weiter“, sagt Gaksch. Und: „Es gibt keine Anzeichen für Wachstumsstockungen.“ 

Zahlreiche Anwohnerbeschwerden

Den Anwohnern haben dafür aber offenbar kein Verständnis. Sie lassen die Telefone in den Grünflächenämtern heiß klingeln. „Wir haben definitiv mehr Beschwerden zu verzeichnen“, sagt Bernd Roser. Und auch in den anderen Ämtern in Rhein-Main kennt man das Problem. Von wütenden Eltern ist da die Rede, die sich drüber mokieren, dass der Rasen auf dem Spielplatz zehn Zentimeter zu hoch steht, ist da die Rede. „Aber wir müssen erstmal die Verkehrssicherheit wieder herstellen“, stellt Bernd Roser klar. Dazu gehörten etwa Bereiche mit Unfallpotential durch Pflanzen oder zugewachsene Verkehrsschilder. Zudem mahnt er aufgeregte Bürger zur Ruhe: „Die Vorstellung von gut gepflegter Grünfläche sind unterschiedlich. Wir lassen auch bewusst mal Flächen als Wiese stehen, damit sich das Gras selbst aussät. Auch, wenn das nicht jedem gefällt.“

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