Fördermittel fehlen

Geldnot: Frankfurter Theater kämpfen ums Überleben

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Vorhang zu: Viele Theater können sich kaum über Wasser halten.

Frankfurt - Sie wollen ansprechendes Programm zu moderaten Eintrittspreisen bieten. Die Besucherzahlen sind gut. Doch hinterm Vorhang kämpfen die Frankfurter Theater um jeden Cent Förderung – und um Anerkennung. Von Franziska Jäger

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„Die Ehrlichkeit hinter dieser Würdigung fehlt mir“, sagt Yusuf Kilic. Der Chef der Interkulturellen Bühne hat den Frankfurter Bürgerpreis abgelehnt. Lob dieser Art erhalte sein Theater zwar immer wieder. „Aber dass mal jemand bei einer Veranstaltung ein Grußwort spricht oder wir finanzielle Unterstützung erfahren, das passiert nicht“, sagt er. Ausgerechnet die 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die den Bürgerpreis gemeinsam mit der Stadt vergibt, habe noch im Juni einen Förderantrag für ein aktuelles Projekt abgelehnt.

Die Interkulturelle Bühne zählt nicht zu den Frankfurter Theatern, die jährliche Zuschüsse von der Stadt erhalten. Doch die sind für die meisten unverzichtbar. Denn auch wenn die Besucherzahlen stimmen – allein durch den Verkauf von Eintrittskarten können sich vor allem die kleineren Bühnen kaum über Wasser halten.

Ticketverkäufe decken die Kosten nicht

„Die Theater sind alle unterfinanziert“, sagt Jan Mayr, ehrenamtlicher Vorstand des Internationalen Theaters. Der Verein musste bereits mit einer Petition beim Kulturamt gegen die Streichung seiner Fördergelder kämpfen, zahlt nach der Modernisierung der Zoo-Passage eine höhere Miete. „Theater ist Selbstausbeutung. Die Künstler sind bereit, für sehr wenig Geld auf der Bühne zu stehen, um das Publikum gut zu unterhalten. Dass es im Gebälk knirscht, bemerkt niemand“, sagt Mayr. „Wenn der Kulturetat gestrichen wird, geht natürlich niemand auf die Barrikaden. Damit gewinnt man keine Wahl.“

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Sie wollen nicht auf Amtsfluren um Geld betteln, sagen auch die Macher des Stalburg Theaters in einem offenen Brief vom Juni. Doch höhere Kosten für Gagen, Löhne, Miete und der Anspruch ans Programm fordern ihren Tribut: „Wenn wir nicht mehr Geld kriegen, müssen wir schließen.“ 150.000 Euro fehlen, das Dreifache dessen, was das Theater derzeit jährlich von der Stadt erhält. Wenn jetzt noch das aktuell im Günthersburgpark laufende Freiluftfestival Stoffel dem Wetter zum Opfer fällt, wird es knapp.

Auch das English Theatre ist gefährdet

„Die sind so gut, die machen das schon“, dieses städtische Motto hat für das Stalburg-Team keine Gültigkeit. Erfolg, meinen sie, sollte auch gewürdigt werden. Längst hat die Finanznot auch die großen Theater erreicht – wenngleich in anderen Maßstäben. Das English Theatre steht seit März auf der Roten Liste bedrohter Kultur- und Bildungseinrichtungen des Deutschen Kulturrats. „Das verwundert die Leute doch sehr, wenn sie das hören“, sagt Pressesprecherin Caroline Winter. Die Stadt Eschborn hat vergangenes Jahr den Geldhahn zugedreht. 100.000 Euro, 20 Prozent der öffentlichen Förderung, fehlen jetzt im jährlichen Budget. „Diese Summe können wir selbst nicht ausgleichen.“ Die Vorstellungen sind sehr gut besucht, doch mit den Ticketverkäufen lassen sich nur 60 Prozent der Kosten wieder reinholen.

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Die Kartenpreise noch weiter zu erhöhen ist auch für das Papageno Musiktheater keine Option. Trotz Besucherrekorde ließen sich im vergangenen Jahr die Sanierungsarbeiten an der Spielstätte am Palmengarten nur über Spendenaufrufe und eine Benefizgala finanzieren. Der seit Sommer 2015 eingesetzte Theaterbeirat, der dem Kulturamt Empfehlungen für die Förderung der freien Szene in Frankfurt vorlegt, hat die finanzielle Krise noch verschlimmert: 10.000 der ehemals 55.000 Euro wurden gestrichen. „Das war ein herber Schlag für uns“, sagt Sprecher Lars Bürger, „diese Lücke müssen wir durch Spenden und neue Förderanträge kompensieren.“

Im English Theatre ist man zuversichtlich, dass die Stadt die Institution nicht einstampfen lassen wird.

Über Theatermachern wie Yusuf Kilic schwebt dagegen täglich das Damoklesschwert. Noch kann sich die Bühne mithilfe von Spendern und Freunden gerade so über Wasser halten. „Doch wenn wir keine Kraft mehr haben, sagen wir Frankfurt Adieu.“

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