„Pop-Kultur bei Buchmesse hat zu sehr zugenommen“

„Gegen Buch Masse“ bietet Alternativen zu Messeveranstaltungen

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Eine Lesung im Club Voltaire

Frankfurt/Offenbach – Parallel zur Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch startet, organisiert der Initiativkreis „Gegen Buch Masse“ seit 20 Jahren linke Lesungen. Ziel ist es auch in diesem Jahr, unbekannten Autoren eine Bühne zu geben, kritische Themen aufzugreifen und zu diskutieren. Von Janine Drusche

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„Ob Daniela Katzenberger ihr siebtes Buch veröffentlicht, interessiert uns nicht. Damit verschenkt die Buchmesse ihr Potential“, sagt Kim Müsser. Die Frankfurterin organisiert mit sechs anderen Ehrenamtlichen parallel zur Buchmesse die Veranstaltung „Gegen Buch Masse“, bei der weniger bekannte Autoren von kleinen linken Verlagen die Möglichkeit bekommen, sich zu präsentieren. „Wir geben denjenigen die Chance, die es sich nicht leisten können, bei den Verlagen der Buchmesse zu erscheinen.“ Der Inhalt müsse aber passen. „Wir fragen immer die gleichen Verlage, ob es etwas Neues zum Vorstellen gibt“, sagt Müsser. Außerdem kommen Autoren auf das „Gegen Buch Masse“-Team zu. „Wir nehmen ganz unterschiedliche Genres, das Spektrum ist breit gefächert“, sagt die Veranstalterin. 

Einzige Bedingung: Die Werke müssten sich für eine Lesung eignen, dürfen also keine Sachbücher sein, und müssen kritischen Gedanken ein Forum geben. Dabei seien vor allem spannende, historische oder aktuelle Themen und Geschichten interessant, die die Öffentlichkeit schon wieder aus dem Blickfeld verloren hat.

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„Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit dem NSU, wollen mit den Veranstaltungen wichtigen Themen Kontinuität geben, sie nicht so schnell wieder aus den Augen lassen und uns damit auseinandersetzen“, sagt Müsser. Seit zehn Jahren ist die 45-Jährige Mitglied des Initiativkreises, der seine Lesungen und Performances zusammen mit dem Infoladen des selbstverwalteten Zentrums Exzess in Bockenheim und der kulturell-politischen Gruppe „P.A.C.K.“ organisiert. „Die Idee ist, dass sich politische Gruppen über gelesene Bücher austauschen können. Wir wollen nicht nur privat diskutieren, sondern diese Bücher in die Öffentlichkeit tragen“, sagt die Medienberaterin. 

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Deshalb laufen die Lesungen, die kostenlos in kleinen Buchläden und autonomen Zentren stattfinden, zur gleichen Zeit wie die Buchmesse. „Der eine oder andere findet dadurch auch mal in einen kleinen Laden oder ein autonomes Zentrum, wo er sonst nie hingegangen wäre. So wird er auch auf unsere Themen aufmerksam“, sagt Müsser. Das Team nutze die Messe und die Verlage vor Ort, um wahrgenommen zu werden: „Wir lieben Bücher, finden die Buchmesse gut, aber kritisieren auch Teile davon“, sagt Müsser, deren Hauptaufmerksamkeit auf dem Austausch von Wissen liegt: „Auf der Buchmesse geht es um Ruhm, da hat die Populärkultur zu sehr zugenommen. Deshalb bieten wir eine Alternative.“

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