Gespräche mit weltweiten Kontakten

Funkamateure aus Bad Homburg senden bis ins Weltall

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Von seinem Schreibtisch aus erreicht der Oberurseler Funker Klaus Woyczehowski die ganze Welt.

Bad Homburg - Andere sammeln Briefmarken oder Comics. Sie sammeln Gespräche. Funkamateure suchen über hunderte Kilometer nach neuen Kontakten. Und sollte die Kommunikation weltweit zusammenbrechen – sie funken weiter. Von Franziska Jäger

Ein Rauschen, ein Piepen. Klaus Woyczehowski dreht am Frequenzregler. Bis eine männliche Stimme aus dem Lautsprecher dringt. „Italienisch“, sagt der Vorsitzende des Bad Homburger Amateurfunkclubs. Er entziffert mühelos, was für andere wie ein falsch eingestellter Radiosender klingt. Ob er mit Marsmännchen rede, fragte seine Frau, als sie zum ersten Mal einem Funkgespräch lauschte.

Bis zum Mars sind die Funkamateure mit ihren Rufen noch nicht durchgedrungen. Wohl aber zur Crew der Internationalen Raumstation in 400 Kilometern Höhe. Beim Hessentag 2011 in Bad Homburg plauderten sie mit einem Astronauten. Ein seltenes, dafür umso begehrteres Vergnügen für Hobbyfunker. Wer seine Passion nicht im Basteln und Tüfteln gefunden hat, sammelt Verbindungen. Gespräche mit Funkern in Madagaskar, in der Antarktis oder auf den Galapagos-Inseln. Möglichst weit weg. Woyczehowski erreicht mit seinem 750-Watt-Sender die ganze Welt. Bis auf die Sperrzone Nordkorea. Die Antenne dafür steht auf seinem Dach, Drähte überspannen seinen Garten. Alles selbstgebaut.

Postkarten bestätigen das Funkgespräch

Wenn´s schnell gehen muss, tauschen die Funker nur ihre Daten aus. Englisch ist die bevorzugte Sprache, jeder kann die Standards auswendig. Manchmal bleibt auch Zeit zum Quatschen. „Durch das gemeinsame Hobby hat man immer ein Thema“, sagt Woyczehowski. Um ein geglücktes Gespräch zu bestätigen, schicken sich die Funker persönlich gestaltete Postkarten zu. Etwa 6000 dieser Karten füllen die Schubladen von Woyczehowskis Schreibtisch. Verbindungen hat er über 18.000 hergestellt.

Manchmal dauert es Tage, bis er ein bestimmtes Ziel erreicht – nämlich dann, wenn es auch 50 andere Stationen auf der gleichen Frequenz anfunken. Der Empfänger pickt sich dann aus dem Gewirr von Stimmen das heraus, was er noch verstehen kann. Erschwerte Bedingungen machen das Hobby für die Funker noch spannender. Kaum einer der 100 Bad Homburger Vereinsmitglieder fährt ohne portable Funkausrüstung in den Urlaub. Dann unterhält sich die ganze Mannschaft über Funk. Über das Wetter in Spanien. Auch Woyczehowski trägt seinen Funkkoffer in die Ferienwohnung auf Borkum und freut sich, wenn er mit der kurzen Antenne zwischen den Obstbäumen Brasilien erreicht.

Rufzeichen gibt´s nur nach einer Prüfung

Mithören darf beim Funken jeder. Wer senden möchte, benötigt jedoch eine Lizenz. Die gibt´s nach einer Prüfung bei der Bundesnetzagentur. Hier erhalten Funkamateure auch ihr weltweit einzigartiges Rufzeichen, eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Diese dient der Identifizierung im internationalen Funkverkehr und gibt, ähnlich einem Autokennzeichen, Auskunft über den Standort.

„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Whatsapp oder Internet“, sagt Woyczehowski, „das nutzen wir natürlich auch.“ Funken ist vielmehr ein Hobby, das technisch Interessierten die Möglichkeit gibt, sich auszuprobieren. Manche verzichten auf die Gespräche, basteln lieber an ihren Geräten. Mit ihrer Technik können Funker sogar Apokalypsen trotzen. Wenn Kommunikationsnetze wie das Internet zusammenbrechen oder der Strom ausfällt, dann senden sie weiter ihre Wellen über den Erdball.

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