Frankfurter Startup macht’s möglich

Schmuck bis Möbel: Sie zaubern Unglaubliches aus Zement

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Frankfurt – Das Geschäft von Madlen Thorwarth und Daniel Singh ist knallhart. Zumindest, wenn der Beton erstarrt ist. Aus der grauen Masse gießen sie Schmuck, Figuren und Möbel. Ihr Geheimnis: Ein High-Tech-Zement, aus dem man sogar bruchsichere Visitenkarten formen kann. Von Christian Reinartz

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Daniel Singh beugt sich über den Betonmischer, wägt die geheimen Zutaten genau ab. Verschiedene Pulver und Kiesarten schaufelt er mit einer Handschippe grammgenau in die große Trommel. Dann schüttet er eine minimale Menge Wasser dazu, startet den Mischer. Die Arme wühlen sich dröhnend durch die Masse. Das Wasser ist in Sekunden aufgesogen. Alles erscheint zu trocken. „Doch das täuscht“, sagt Singh. Fünf Minuten später wälzen die Arme einen zähflüssigen, glänzend-grauen Brei um. Der Stoff, aus dem Betonträume sind, ist fertig. Dann wird die Steinmasse nach und nach in Gießformen gefüllt, dazwischen Glasfasergeflecht, für zusätzliche Stabilität. Am Ende wird die Platte 16 Ecken haben und als Beistelltisch mit futuristischem Metallgestell in irgendeinem durchdesignten Wohnzimmer stehen.

„Beton ist nicht kaputt zu bekommen“

Beton ist international gerade ganz groß im Kommen. Zahlreiche Manufakturen versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich an dem Werkstoff. Thorwarth und Singh jedoch heben das Niveau mit ihrem Startup-Unternehmen „concrete jungle“ und ihrem High-Tech-Beton nochmal höher. „Die Oberflächen werden so besonders fein und glatt“, sagt Thorwarth. Lange haben sie an der Rezeptur getüftelt, einzelne Komponenten ausgetauscht, bis es irgendwann gepasst hat. „Dieser Beton ist im Grunde nicht kaputt zu bekommen.“ Zum Beweis nimmt Singh eine hauchdünne Visitenkarte aus Beton und lässt sie aus zwei Metern Höhe auf den Boden fallen. Es klatscht laut, aber die Karte hat nicht mal einen Kratzer. „Die Leute können das immer erstmal nicht glauben, aber nach dieser Demonstration schon.“ Mittlerweile fertigen sie in ihrer Werkstatt in der Nähe der Borsigallee nicht nur Tische, sondern auch Schmuck, Stiftehalter und Möbel.

Fotos: So arbeiten die Frankfurter Betonflüsterer

Und das Angebot wird immer größer. Thorwarth hat viele neue Ideen, wie sie aus alten Möbeln mit Hilfe von Beton echte Designerstücke machen kann. „Ich habe zum Beispiel gerade ein paar alte Barwagen gefunden“, verrät sie. „Denen verpasse ich jetzt eine Betonplatte.“ Auch Unternehmen fragen bei den beiden schon an und lassen sich Regale oder Arbeitsplatten gießen. „Auch Privatküchen haben wir schon ausgestattet“, sagt sie. Der Beton in der Gießform ist mittlerweile eine glänzende dunkelgraue Fläche. Thorwarth klatscht mit der flachen Hand auf die Oberfläche. Kein Durchkommen möglich, die Masse bleibt unverändert in ihrer Form. Als sie den Finger dagegen drückt, gleitet er hinein wie in eine dicke, klebrige Flüssigkeit. Thorwarth: „Beton ist eben eine faszinierendes Material mit ganz besondere Eigenschaften.“

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