Rentner Wolfgang Baitz fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen

Frankfurter Radfahrer stellt Falschparker an den Pranger

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Wolfgang Baitz muss schon wieder einem Transporter auf dem Radweg ausweichen. Im Hintergrund kommt bereits die Straßenbahn, der er ausweichen muss.

Frankfurt - Viele Fußgänger in der Region geben Fahrradfahrern die Schuld für das schlechte Miteinander im Straßenverkehr. Jetzt packt ein Radfahrer aus und stellt die für ihn wahren Verkehrssünder vor: Mit Fotos im Internet. Von Janine Drusche

Ende Mai rief Bernd Irrgang, Vorsitzender des Bundes der Fußgänger in Frankfurt, im EXTRA TIPP Fußgänger dazu auf, Radfahrern auf Fußwegen nicht aus dem Weg zu gehen, sondern die Wege zu verteidigen.

Wolfgang Baitz aus Frankfurt kennt das Problem, dass sich Verkehrsteilnehmer auf den Wegen ins Gehege kommen. Für ihn steht fest: Schuld sind vor allem ignorante Transporterfahrer, die häufig auf den Radwegen parken. Der Rentner ärgert sich über die Sprinter, deren Fahrer oft für Unfälle verantwortlich seien – weil sie blinkend auf dem Radweg stehen, den Weg versperren: „Die haben kein Unrechtsbewusstsein, denken wegen des Blinkers haben sie automatisch die Berechtigung da zu parken.“

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Deshalb hat Baitz in den vergangenen Jahren mehr als hundert Falschparker fotografiert, die auf diese Weise den Verkehr behindern, und sie auf seinerInternet-Seite veröffentlicht. Der Rentner möchte so die Öffentlichkeit aufmerksam machen und langfristig einen Verein gründen, um einen Anwalt auf die Verkehrssünder anzusetzen. Man könne als Privatperson ja nicht einmal nachvollziehen, ob eine Anzeige wirklich bearbeitet wird. „Außerdem bin ich mir hundertprozentig sicher, dass es eine geheime, illegale Dienstanweisung an die Polizei gibt, auf Radwegen parkende Lieferfahrzeuge und Taxen nicht aufzuschreiben, wohl aber Privatfahrzeuge. Denn wenn ich vorbeifahrende Polizisten darauf anspreche, heißt es immer, sie seien gerade in einem Einsatz“, sagt der Rentner.

Virginie Wegner, Sprecherin der Frankfurter Polizei, kennt das Problem der Falschparker, sagt aber: „Jeder Anrufer wird ernst genommen und wir oder die Kollegen vom Ordnungsamt versuchen das Problem zu lösen.“ Wenn die Kollegen aber auf dem Weg zu einem Fall von Körperverletzung seien, habe das Priorität vor einem Falschparker. „Rücksichtnahme und Verständnis füreinander – von beiden Seiten – das ist die halbe Miete“, sagt Wegner. Rücksicht wünscht sich auch Radfahrer Baitz: „Früher hatten wir in Frankfurt doppelt so breite Bürgersteige, damit die Radfahrer die Hälfte benutzen konnten. Heute wird ein Teil der Gehwege mit Tischen und Stühlen vollgestellt, so dass Radfahrer auf die Straßen gezwungen werden“.

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Besonders schwierig findet der Rentner, dass Fahrradfahrer von ihren eigenen Radwegen gedrängt werden. „Wenn Paketdienste mitten auf den Radwegen stehen, muss man irgendwohin ausweichen.“ Entweder auf die Bürgersteige, was die Fußgänger ärgere. Oder auf die Straße, wo man Angst haben müsse, angefahren zu werden. „Wenn die Straßen sehr schmal sind, müssen die Sprinter hinter mir als Fahrradfahrer hertuckern, da kann es passieren, dass man einen Schubs abkriegt“, sagt der 76-Jährige. Besonders um Kinder und Frauen sorgt sich Baitz: „Ich bin ja selbst nicht von der Gefahr betroffen, weil ich ein aufmerksamer Radfahrer bin. Aber unerfahrenere Fahrer müssen zusehen, wie sie ihre Sicherheit behalten, denn Radwege simulieren Sicherheit, die gar nicht vorhanden ist.“

Höhere Strafen bringen seiner Meinung nach auch nichts, wenn keiner aufgeschrieben wird: „Deshalb spreche ich die Fahrer der Paketdienste an, frage sie, ob sie Kinder haben, die sie der Gefahr aussetzen würden. Die meisten lachen nur – auch wenn ich mit einer Anzeige drohe“, sagt der Radfahrer. Der jüngeren Generation fehle eben das soziale Bewusstsein, denn ein Miteinander auf den Wegen sei absolut möglich: „Das kenne ich aus China, da funktioniert es“, sagt Baitz.

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