„Tanzhaus West“-Jacke des Frankfurters zu gewinnen

Designer Radames Eger schneidert für Obdachlose

Frankfurt - Der Frankfurter Modedesigner Radames Eger ist vor neun Jahren aus einem brasilianischen Armenviertel nach Deutschland geflüchtet. Seitdem sorgt er mit ausgefallenen Entwürfen für Aufsehen. Seine Herkunft vergisst er nicht. Im Interview verrät er, warum er Obdachlose einkleidet und wie er die Modewelt umkrempeln will. Von Christian Reinartz

Sie verknüpfen mit ihrer Mode häufig soziales Engagement. Lohnt sich das als junger Designer überhaupt?

Anderen zu helfen lohnt sich immer. Aber ich kann das natürlich auch leicht sagen, denn mir geht es bei meiner Mode nicht ums Geld. Für mich ist Mode Kunst. Und ein echter Künstler sollte meiner Meinung nach nicht danach streben, mit seiner Kunst möglichst viel Gewinn zu machen.

Aber Sie müssen ja irgendwie Stoffe, Garn und natürlich auch Ihre Wohnung bezahlen...

Wissen Sie, ich bin in einer Favela (Elendsviertel) in Brasilien aufgewachsen. Da wird man jeden Tag mit dem Tod konfrontiert. Und man lernt mit sehr wenig klarzukommen und auch zufrieden zu sein. Ich brauche auch keine teuren Möbel. Alles was ich habe, habe ich irgendwie zusammengetragen oder geschenkt bekommen. Zur Not baue ich mir aus leeren Plastikflaschen einen Tisch. In den Slums lernt man erfinderisch zu sein.

Deswegen nähen Sie Mäntel mit integrierter Schlafsackfunktion für Obdachlose aus Regenschirmen?

Sind wir mal ehrlich. Jeder hat einen alten Regenschirm zu Hause, der irgendwann weggeworfen wird. Aber das Material ist dazu viel zu schade. Ich nutze es und versuche damit etwas Gutes zu tun. Und für das Futter nehme ich einfach irgendwelche Stoffreste, die ich gespendet bekomme. Auf diese Weise habe ich schon 22 Obdachlose in Frankfurt eingekleidet. Die haben es jetzt ein bisschen wärmer, wenn es draußen regnet und kalt wird. Das ist meine persönliche Kritik an die Wegwerfgesellschaft.

Werden Sie da nicht seltsam angeschaut, wenn sie diesen Menschen einen Haute-Couture-Mantel schenken?

Überhaupt nicht. Diese Menschen sind unglaublich dankbar und spüren, dass ich ihre Situation nicht von oben herab betrachte, sondern am eigenen Leib erfahren habe, was es heißt, unter widrigen Umständen zu leben. Diese Regenschirmmäntel sind einfach praktisch, und ich werde sie weiterhin für die Obdachlosen schneidern. Dafür könnte ich auch noch viele Regenschirmspenden brauchen.

Erfinderisch sind Sie ja auch beim Designen neuer Schnitte. Ihr neustes Projekt ist ein Kapuzenpullover, den man auch als Hose anziehen kann. Wer braucht sowas?

Es ist einfach sehr praktisch. Und es ist noch niemand auf die Idee gekommen, sowas zu nähen. Zum Beispiel habe ich auch noch eine Jacke designt, die gleichzeitig eine Tasche ist. Sie trägt den Namen „TanzhausWest“. Und der Hosen-Hoodie heißt „Circus“. Ich haben alle meine Stücke in der aktuellen Kollektion nach Frankfurter Clubs benannt. Außerdem verbinde ich mit meinen Stücken auch immer eine politische Haltung. Und meiner Meinung nach, ist es gerade zur Zeit wichtig klarzumachen, dass echte Demokratie nur dort herrschen kann, wo Vielfalt gelebt wird. Und diese Vielfalt muss auch im Alltag sichtbar sein.

Was meinen Sie mit gelebter Vielfalt?

Jeden Tag mit ganz vielen unterschiedlichen Lebensentwürfen, Kleidungsstilen und Gesinnungen konfrontiert zu werden, ohne bestimmte Dinge zu verteufeln. Die Hoodie-Hose zum Beispiel ist für Männer und Frauen gleichermaßen. Der Schnitt ist unisex und meistens XXL, damit es locker und leicht fällt. Das ist mir sehr wichtig. Ich will mit meiner Mode zeigen, dass die Grenzen zwischen Männer- und Frauenmode fließend sein können. Und dass diese Grenzen auch in der Gesellschaft gar keinen Sinn mehr haben.

Männer sollten Röcke tragen?

In dieser Gesellschaft ist noch zu wenig Platz für diese Vielfalt. Kunst müsste in Rhein-Main viel präsenter auf den Straßen zu finden sein. Stattdessen wird an der Kunst gespart, während neue Wirtschaftspaläste gebaut werden. Das ist eine typisch männliche Entwicklung. Es wäre also gar nicht schlecht, wenn mehr Männer mal ein Kleid oder einen Rock tragen würden und Frauen die Regierung übernähmen. Dann würde vieles besser laufen.

Mitmachen und Gewinnen

Seine aktuelle Kollektion „Outsider 2017/2018“ gibt es nicht im Laden zu kaufen. Die Stücke werden nur auf Vernissagen angeboten. Das nächste Mal wird Radames Eger seine Mode bei dem Festival „Stadt, Land, Bass“ am 13. August in Babenhausen präsentieren. Kontakt zu Radames Eger unter: radames-eger-couture@ok.de. Im EXTRA TIPP verlost er nun eine seiner „Tanzhaus West“-Jacken, die gleichzeitig auch eine Tasche sind. Dafür einfach bis Mittwoch, 03. August, 14 Uhr, bei Facebook unter www.facebook.de/rheinmainextratipp den „Gefällt-mir-Button“ drücken und unsere Seite liken oder das hier unten angefügte Gewinnspielformular ausfüllen und abschicken. Viel Glück!

Das Gewinnspiel ist beendet.

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