Posse um Frankfurter Obdachlosen geht weiter

„Eisenbahn-Reiner“ hat seine Züge zurück - mit Aufbauverbot

+
„Eisenbahn-Reiner“ trägt seine Beutel weg. 

Frankfurt - Der als „Eisenbahn-Reiner“ bekannte Frankfurter Obdachlose hat seine Spielsachen wieder bekommen. Allerdings ist der Amtsstreit, der Politiker und Bevölkerung gleichermaßen beschäftigt, noch lange nicht beigelegt. 

Lesen Sie auch:

Deshalb lebt ein Obdachloser auf dem Friedhof Babenhausen

Streetworker auf vier Pfoten hilft Obdachlosen

Der 45-Jährige hat die batteriebetriebenen Züge, Schienen und Figuren zwar wieder zurück, darf sie aber erst wieder auf seinem Stammplatz in der Fußgängerzone aufstellen, wenn er eine Sondernutzungserlaubnis hat. Das berichtete das Ordnungsdezernat am Donnerstag auf Anfrage. Ob der obdachlose Reiner Schaad diese Genehmigung beantragen wird, war zunächst noch unklar. Der zuständige Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte erkennen lassen, einen solchen Antrag wohlwollend zu prüfen. „Der Mann ist jahrelang geduldet worden, warum man jetzt ganz scharf durchgreifen muss, erschließt sich mir nicht.“

Das Ordnungsamt hatte die Eisenbahn vor wenigen Tagen mit der Begründung beschlagnahmt, dass dem Mann die dafür vorgeschriebene Sondernutzungserlaubnis fehle und er mit seinen gesamten Habseligkeiten zu viel Platz im öffentlichen Raum beanspruche. Darauf sei er zuvor mehrfach hingewiesen worden, und es habe Beschwerden gegeben. Die Aktion sorgte für einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken, bei vielen Bürgern und für Streit in der Koalition.

Sozialverband: So viel Arme in Deutschland wie noch nie

Oberbürgermeister Peter Feldmann unterstützte Oesterlings Plan: „Das Vorgehen gegen den Obdachlosen passt nicht zu unserer Stadt.“ Oesterling habe ihm zugesagt, „zeitnah zu prüfen, ob wir nicht eine Sondernutzungserlaubnis ausstellen können“.

Die Stadtpolizei hatte Schaad die in blaue Müllsäcke verpackten Spielsachen am Mittwochabend zurückgebracht und ihm zugleich einen Ausweichplatz gezeigt. Diesen hatte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) dem 45-Jährigen angeboten. Er liegt an der Kleinmarkthalle, nicht weit vom Stammplatz Schaads entfernt, und gehört zu einer städtischen Gesellschaft. „Eisenbahn-Reiner“ bräuchte somit keine Genehmigung für eine überproportionale Nutzung des öffentlichen Raums, erklärte Franks Referentin Andrea Brandl.

Spielzeug steht jetzt erstmal im Keller

Der Obdachlose machte von dem Platz aber zunächst keinen Gebrauch und kehrte an seinen Stammplatz zurück. „Ich will hier bleiben“, sagte er und nannte seine Freunde als Grund. Nur wenige Meter entfernt sei zudem sein angestammter Schlafplatz vor einem Schuhladen, den er nicht verlieren wolle. Seine Eisenbahn und die anderen Spielfiguren deponierte der Wohnsitzlose unterdessen in einem Keller in der Nähe. dpa/lhe

Lesen Sie auch: Obdachloser in Frankfurt in einer Mülltonne verhaftet

Projekt: In diesem Bus können Obdachlose duschen

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare