Tausende wachsen vor Dietzenbacher Grundschule

Fiese Champignon-Falle: Vorsicht, diese Pilze sind giftig!

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Schon nach wenigen Sekunden verfärben sich die Schnittkanten gelb.

Dietzenbach – Sie sehen aus wie Supermarkt-Champignons, sind aber giftig. Auf einer Wiese in einer Dietzenbacher Wohnanlage, nahe einer Grundschule, sprießen zur Zeit tausende davon. Jetzt schlägt Pilz-Profi Dieter Gewalt Alarm: „Viele der Pilze wurden schon von Unbekannten geerntet. “. Von Christian Reinartz

Dieter Gewalt warnt vor diesen giftigen Karbol-Champignons. Tausende wachsen davon vor einer Grundschule.

Die weißen, dicken, Champignon-Köpfe sehen zum Anbeißen aus. Tausende davon wachsen auf der Wiese einer Wohnanlage an der Dietzenbacher Rodgaustraße. Direkt daneben: Die Sterntaler-Grundschule. Zwischen Pilzen sind immer wieder Stümpfe mit Schnittstellen. „Hier wurden vermutlich Pilze geerntet“, sagt der Sachverständige Dieter Gewalt. Das Problem: „Diese Pilze sind giftig. Sie verursachen schlimme Durchfälle, Magenschmerzen und Erbrechen. Davor müssen die Leute gewarnt werden. Vor allem die Eltern der Kinder, die hier zur Schule gehen.“ Das Tückische: Es handelt sich zwar um Champignons, aber um eine Art, die nicht essbar ist, den Karbol-Champignon (Agaricus Xanthoderma), der gerne in bebauten Gebieten wächst.

„Hierzulande gibt es über 80 verschiedene Arten“, sagt Gewalt und schneidet einen der Karbol-Pilze am Grund des Stiels, direkt über dem Boden, quer hindurch ab. „Da muss man schon ganz genau wissen, wie man die ungenießbaren erkennt.“

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In diesem Fall zeigt sich das erste Indiz schon nach wenigen Sekunden an der Schnittkannte. Sie verfärbt sich gelb. Gewalt reibt mit dem Daumen über den Pilzkopf. Auch dort verfärbt sich das leckere Weiß in giftiges Schwefelgelb. „Außerdem riecht der Pilz an der Kannte medizinisch, bitter, nach Krankenhaus“, sagt der 76-Jährige. Eine todsichere Methode könne man, sagt Gewalt, zu Hause, anwenden: „Den Pilz in eine weiße Schüssel legen und mit kochendem Wasser übergießen. Das Wasser verfärbt sich gelb und es stinkt furchtbar.“

Trotzdem kommt es immer wieder zu Fällen, in denen sich Menschen damit eine Pilzpfanne zubereiten, im Glauben, sie hätten essbare Champignons gefunden. Human-Toxikologe Rüdiger Hillmann vom Mainzer Giftnotruf kennt solche Fälle. „Immer wieder merken die Menschen zwar, dass es komisch schmeckt, aber schaufeln erst mal trotzdem in sich rein“, sagt Hillmann. „Danach rufen sie dann oft mit großer Angst bei uns an.“ Denn auch eine Vergiftung mit dem lebensgefährlichen Knollenblätterpilz beginnt mit Magen-Darm-Beschwerden. „Das lesen die Leute dann im Netz und bekommen Panik.“

Auch Dieter Gewalt wird als offizieller Pilzsachverständiger regelmäßig von Krankenhäusern zu Rate gezogen, um die Pilze zu bestimmen, die vor einer Vergiftung gegessen wurden. „Und da kommt es auch immer wieder vor, dass jemand den Karbol-Champignon verspeist hat.

Lebensgefährlich ist der Pilz zwar nicht, sagt Hillmann: „ Aber mehrere Tage mit Durchfall und Erbrechen sind ja schon schlimm genug.“

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