Zur Erinnerung an Holocaust-Opfer

Erste Stolpersteine in Bad Homburg verlegt

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Gunter Demnig verlegt in Bad Homburg Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus.

Bad Homburg - Sie sind besondere Denkmäler und regen zum Nachdenken an. Sogenannte Stolpersteine geben dem Grauen des Nationalsozialismus ein Gesicht. Zwölf davon sind nun in Bad Homburger Straßen zu sehen. Von Oliver Haas

Die Erinnerung an die Schrecken des Nationalsozialismus wird in Bad Homburg unter anderem mit dem Denkmal an der Volkshochschule sowie der Gedenkplatte am Bahnhof am Leben erhalten. Den Opfern des Grauens einen konkreten Namen zu geben, das ist eines der Ziele der sogenannten Stolpersteine. Seit dieser Woche sind in den Straßen Wallstraße, Obergasse und Kaiser-Friedrich-Promenade zwölf dieser besonderen Messingsteine von Künstler Gunter Demnig eingelassen worden. Die meisten der Opfer waren Juden, die in Konzentrationslagern zwischen 1942 und 1945 gestorben sind.

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Ins Leben gerufen wurde die Aktion von der „Initiative Stolpersteine“. Im Vorfeld gab´s in der Kurstadt eine große Diskussion, ob diese Art des Erinnerns angemessen sei. Einer der Vorwürfe lautete, dass man dadurch im wahrsten Sinne des Wortes auf den Namen der Opfer herumtrampeln würde. Doch die Idee setzte sich durch. 

Gedenken an die Opfer des Holocaust

Einer der Mitbegründer, Imrich Donath, verteidigt die Initiative: „Diese Menschen haben kein Grab und die Stolpersteine werden somit wie eine Art Grab für sie.“ Außerdem würde sich jeder, der sich über den Stein beuge, um die Inschrift zu lesen, auch gleichzeitig vor den Toten verneigen. Zudem verhindere der Stolperstein, dass der Name des Ermordeten in Vergessenheit gerate. Dies sei vor allem im jüdischen Glauben ein sehr wichtiger Gedanke.

Polizisten sicherten die Straßen

So kamen dann auch über hundert Bad Homburger Bürger, darunter viele Schüler, zur Verlegung der Steine. Traurig: Wohl auch aus Angst vor rechtsradikalen Störern waren an den Straßen Stadtpolizisten postiert. Unter den Besuchern war auch Autor Paul Ernst-Cohen, dessen Großonkel Ernst vor seiner Deportation in Bad Homburg wohnte. Seit dem Jahr 2012 recherchiert er in Briefen und Gerichtsakten darüber. 

Sein Onkel musste als sogenannter „Rassenschänder“ sein Papiergeschäft aufgeben. Zwar wurde ihm per Vertrag ein Verkaufspreis zugesichert. Aber das Geld habe er nie erhalten. Besonders bewegend sei es für den Nachfahren gewesen, als er las, wie sein Onkel bei seiner Deportation ins Buchenwald-KZ nicht mal mehr seine Brille mitnehmen durfte. „Die Gedenksteine sind eine gute Erinnerung daran, dass der Schrecken nicht erst im KZ begann. Die Menschen wurden bereits an ihren Wohnorten schikaniert und die Lebensgrundlage wurde nach und nach entzogen“, so Cohen. Der Gedenkstein für seinen Onkel soll im nächsten Jahr an der Brendelstraße verbaut werden. Weitere Infos unter: stolpersteine-badhomburg.de.

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