Ein Experte erklärt, warum die Region immer wieder erschüttert wird

Erdbeben: Auch in Rhein-Main wackelt es regelmäßig

+
Symbolbild

Region Rhein-Main - Die Bilder der Zerstörung nach dem Beben in Italien gingen vor wenigen Wochen um die Welt. Im Rhein-Main-Gebiet wähnt man sich sicher – hier sind starke Erschütterungen unwahrscheinlich. „Wir sind aber auch nicht ganz frei von Beben“, sagt ein Experte. Von Franziska Jäger

Lesen Sie dazu auch: 

Heftiges Erdbeben erschüttert Südhessen

Ein lauter Knall. Ein plötzlicher Ruck, der durch das ganze Haus fährt. Geschirr und Fenster klirren, die Möbel wackeln. Anwohner kontrollieren, ob nicht die Heizung im Keller explodiert ist. Sie laufen auf die Straße, rätseln über die Ursache. Dann die erste Info über Facebook: Erdbeben in Südhessen.

Die verdutzten Reaktionen der Anwohner, die im Jahr 2014 die Erdbebenserie bei Darmstadt, Ober-Ramstadt und Reinheim erlebten, hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zusammengetragen. „Mit einem Beben rechnet hier einfach niemand. Dabei rumpelt es auch nahe Frankfurt und im Taunus immer mal wieder“, sagt Matthias Kracht vom Hessischen Erdbebendienst.

„Beben in Darmstadt war außergewöhnlich"

Meistens sind die Erschütterungen jedoch nicht spürbar. „Das Beben im Mai 2014 bei Darmstadt war mit einer Magnitude von 4,2 auf der Richterskala außergewöhnlich, richtete auch Schäden an Gebäuden an“, sagt Kracht. Risse in Wänden und Decken, gelöste Dachziegel und beschädigte Kamine zählten in der Darmstädter Region dazu. So heftig hatte es in Südhessen seit rund 20 Jahren nicht mehr gewackelt. Zum Vergleich: Das schwere Beben in Zentralitalien vor vier Wochen, bei dem ganze Häuser zerstört und mindestens 290 Menschen getötet wurden, erreichte auf der Richterskala eine 6,0. Erschütterungen in Europa werden durch Kollisionen der afrikanischen und der europäischen Kontinentalplatten verursacht, durch die auch die Alpen entstanden sind. 

Bilder: Schweres Erdbeben in Italien

In Ländern, die an den Plattengrenzen liegen, ist das Risiko für ein starkes Beben besonders hoch. Betroffen ist vor allem das östliche Mittelmeer: Neben Italien liegen auch Griechenland, die Türkei und die Balkanstaaten in der Gefahrenzone. „Das Ereignis in Italien wurde auch von unseren hessischen Messstationen ganz deutlich aufgezeichnet“, sagt Kracht. Dreht sich die afrikanische Platte, drehen sich Italien und die Adria mit ihr. Der hessische Oberrheingraben erfährt dadurch einen Druck – über Jahrzehnte baut sich eine Spannung auf, die sich in wenigen Sekunden ruckartig in Form eines Bebens wieder löst. „Spürbar ist so ein Beben ab einer Magnitude von 2,0“, sagt Kracht. 2010 nahmen die Bewohner von Hofheim und Kriftel für etwa fünf Sekunden ein Grollen und Wackeln wahr, 2011 war ein Beben im Rhein-Lahn-Kreis mit einer Stärke von 4,4 auch noch in Offenbach und Frankfurt spürbar.

Bei Schäden greift oft die Versicherung nicht

In Hessen treten pro Jahr statistisch gesehen mehrere mäßig starke Erdbeben auf, die von der Bevölkerung bemerkt werden. Ein- bis zweimal pro Jahr werden im Durchschnitt Beben mit einer Magnitude von 3,0 bis 3,9 verzeichnet. Das HLNUG rechnet allerdings nur einmal in zehn Jahren mit einem mittelstarken Beben, das Gebäudeschäden und Betriebsstörungen verursachen kann.

Die 16 größten Ängste der Deutschen

Bewohner in den hessischen Erdbebenzonen sollten Vorkehrungen treffen, um Schäden an Gebäuden und im Haushalt zu vermeiden – auch, weil viele sonst auf den Kosten sitzen bleiben, da Beben-Schäden nicht automatisch versichert sind. Für Neubauten gibt es Vorschriften rund ums erdbebensichere Bauen. „Wir liegen nicht im Risikogebiet“, sagt Kracht, „sind aber auch nicht ganz frei davon.“

Das könnte Sie auch interessieren: „Charlie Hebdo“ schockt mit Erdbeben-Karikatur

Roboter liefert Bilder aus Fukushima-Atomruine

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare