In Berlin wird schon Bier balanciert

Machen die Hessen bald Ebbelwoi-Yoga?

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Beim Bier-Yoga in Berlin wird die Flasche vor dem Genuss auf dem Kopf balanciert.

Region Rhein-Main - Es ist der neueste Schrei in Berlin: Bier-Yoga – eine Übungsstunde, in der getrunken wird. Wenn Yoga mit Alkohol in der Hauptstadt ankommt, ist Ebbelwein-Yoga im Rhein-Main-Gebiet nicht mehr weit. Der EXTRA TIPP hat bei den Yogis der Region nachgefragt. Von Janine Drusche

In Berlin geht der Trend zum Bier-Yoga. Zwei Flaschen während der Übungsstunde zu trinken, soll den Körper entspannen und den Geist zur Ruhe bringen: Von einem Festival in den USA hat die Berlinerin Jhula die Idee von Bier-Yoga mit in die Hauptstadt gebracht und mit Freundin Emily Casey in die Tat umgesetzt. Seit sechs Monaten geben die beiden Kurse. „Zuerst nur mit Freunden, dann kam richtig viel Interesse“, sagt Casey. Dabei ginge es nicht ums Betrinken: „Die Flaschen werden mit in die Übungen einbezogen. Wir wollen Spaß haben, das Bier genießen – und das mit einem guten Workout“, sagt Casey. Es sei ein normaler Yogakurs, mit einem neuen Element.

Wenn der Trend in die Rhein-Main-Region schwappt, bietet sich Yoga mit Apfelwein an: Zwei Schoppen und der Kopf ist frei? Das sieht Tanja Lalic vom Yogahaus Frankfurt nicht so: „Yoga und Alkohol passen nicht zusammen. Das ist wieder so eine Marketing-Nische. Es gibt schon Nackt-Yoga oder Yoga mit Hunden. Es scheint ein Volkssport zu werden, da neue Ideen zu finden“, sagt die Yogalehrerin und fragt sich, was als Nächstes kommt: „Vodka-Yoga?“

Lalic hat nichts dagegen, wenn jemand ein Feierabend-Bier genießt, aber beim Yoga habe es nichts verloren. „Körper und Geist sollen zur Ruhe kommen, aber Alkohol putscht auf. Der Yogi, ein Lehrender, lebt eigentlich ohne Fleisch, Fisch und Alkohol“, sagt Lalic. Die Balance-Fähigkeit sei mit Bier oder Apfelwein eingeschränkt. „Ich frage mich, wer die Verantwortung für die Verletzungsgefahr übernimmt“, sagt sie.

Adrian Anjaneya Stemmer betreibt in Offenbach das Yogastudio „Elemental Yoga“. Auch er ist nicht begeistert von Apfelwein im Studio: „Das Besondere an Yoga ist, dass man dafür nur sich selbst braucht“, sagt der Yogi. Der Sport solle Körper, Geist und Seele zusammen bringen, nicht entfernen. Ebbelwein-Yoga kann er sich nicht vorstellen: „Das Ziel ist doch die Weiterentwicklung des Geistes, wobei die körperlichen Übungen helfen“, sagt er. Alkohol lenke ab.

Alkohol könnte Sport-Muffel motivieren

Jessica Fink, Sprecherin des Berufsverbands der Yogalehrenden Deutschlands (BDY) in Göttingen, sieht das gelassen: „Bier-Yoga gehört zu dem Trend, bei dem Übungen mit etwas verbunden und gezielt zu etwas Neuem entwickelt werden, um Leute zu motivieren, die eigentlich kein Interesse daran haben.“ Wichtig seien Qualität und Ausbildung: „Wir vom BDY machen keine Ernährungsvorschriften. So lange die Lehrer die Übungen verantworten können, sind die Inhalte ihm überlassen – mit und ohne Bier oder Apfelwein“, sagt Fink.

Trotzdem wollen viele Yogis im Main-Tauns-Kreis mit Alkohol beim Yoga nichts zu tun haben oder damit in Verbindung gebracht werden: „Das hat mit Yoga einfach nichts zu tun“, so der Tenor. Die Bier-Yogis bleiben ihrem Kurs treu: „Nicht jeder muss unser Konzept gut finden, wir zwingen ja keinen mitzumachen, bieten nur eine Option“, saqt Casey. In Rhein-Main springt man bisher nicht darauf an. Ebbelwein-Yoga steht in naher Zukunft wohl auf keinem Programm. Sollte es doch dazu kommen, heißt es vielleicht bald: Ich hab' nen Bembel auf dem Kopf, ich bin ein Yogi.

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