Gefahr für die Gesundheit

Eingesperrt im eigenen Haus: Rentnerin kämpft gegen Baum

Frankfurt - In ihrem eigenen Haus fühlt sich Rosa Martinovic eingesperrt: Seit 40 Jahren kämpft sie gegen den Baum nebenan, der auf ihr Grundstück ragt, ihr durch Pollen die Luft zum Atmen nimmt: Der hölzerne Riese macht ihr viel Mühe, aber laut Stadt muss sie da durch. Von Janine Drusche

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Sie hat kaum Stimme, muss sich die Nase putzen und permanent Augentropfen benutzen. Zusätzlich hat Rosa Martinovic starke Halsschmerzen. Sie lebt seit 45 Jahren im Oederweg in Frankfurt und kämpft seitdem mit einem Problem: Auf dem angrenzenden Gelände der Berta-Jourdan-Schule steht ein meterhoher Baum, eine Platane und „Pollenschleuder“, die zu rund 70 Prozent über Martinovics Garten ragt, wie sie sagt. Die Folge: Die Rentnerin fühlt sich eingesperrt in ihrem eigenen Haus. „Ich bin dauerhaft krank, kann nicht einmal lüften, weil sich sonst im ganzen Haus die Blütenpollen verteilen. Ich bekomme keine Luft und habe immer juckende Augen“, sagt sie. Außerdem komme fast keine Sonne auf ihr Grundstück, die Zimmer seien immer duster.

Gegen die Pollen hat die Hausbesitzerin eine starke Allergien entwickelt. Der Augenarzt hat eine chronische Augenentzündung diagnostiziert. „Ich muss täglich mehrmals Medikamente nehmen, ständig trotz kaputter Schulter putzen: Im Frühling, Sommer, Herbst und Winter – über das ganze Jahr“, sagt Martinovic. Ihren Garten könne die Frankfurterin nicht nutzen – dabei arbeite sie mindestens 15 Stunden die Woche daran, die Hinterlassenschaften des Baumes zu entfernen. „Mit Mundschutz und Nasentropfen mähe ich den Rasen und kehre haufenweise Samen, Blütenpollen und Blätter zusammen. Die 250-Liter-Mülltonnen sind bestimmt achtmal jährlich voll mit den Erzeugnissen des Baumes“, sagt die Rentnerin.

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Rosa Martinovic fühlt sich in ihrem Zuhause eingeschränkt: Der Baum bedeckt rund 70 Prozent ihres Gartens mit Schatten und wirft eine Menge Pollen ab. 

Die Nerven der Rentnerin liegen blank: „Der Baum macht meine Gesundheit kaputt. Ich mag Grün und es wäre schade, wenn er gefällt würde, aber er müsste massiv zurückgeschnitten werden, damit ich hier nicht mehr so leiden muss“, fordert Martinovic vehement. Das Grünflächenamt reagiert, laut der gebürtigen Kroatin, alle fünf bis sechs Jahre mal auf ein Schreiben von ihr: „Dann heißt es immer, man komme nächstes Jahr, um den Baum zurückzuschneiden. Wenn wirklich mal jemand da ist, kommt höchstens ein Meter weg. Das nützt mir nichts.“

Stadt will nichts tun können

Thorsten Leißner vom Grünflächenamt in Frankfurt hat Verständnis für Martinovic, könne aber nicht mehr für sie tun: „Der Beschnitt ist im rechtlichen Rahmen. Der Baum wird regelmäßig etwas gekürzt.“ Mehr sei nicht förderlich – weder für die Anwohner, noch für die Platane: Der Baum treibe alle zwei Jahre neu aus. Stutze man ihn häufiger, wachse er eher schneller nach und werde dabei quasi noch immer wieder verwundet. „Der Baum produziert Sauerstoff und spendet Schatten. Das sind positive Dinge für die Bürger“, sagt Leißner. Man dürfe den Nutzen der Bäume nicht unterschätzen: „Die von den Nachteilen betroffenen Bürger müssen das leider hinnehmen.“

Die einzige Möglichkeit, Martinovic zu helfen, sei die Platane zu fällen. Dazu sieht Leißner aber keine Chance: „Wir kümmern uns im vertretbaren Maß um die Kürzung, mehr können wir nicht tun.“ Martinovic will das nicht so einfach hinnehmen: „Die Belastung nimmt kein Ende. Jeden Tag mit der kaputten Schulter – unverschuldet – putzen zu müssen, und trotzdem immer Allergie zu haben, ist eine regelrechte Zumutung. Das macht mich wirklich krank.“

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