Mitgliederzahlen in den Vereinen steigen

Durchatmen an der FKK-Front: Blankziehen ist wieder in

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Nacktbaden macht vielen wieder mehr Spaß. 

Region Rhein-Main - Seit den 70er-Jahren ging es mit der Freikörperkultur steil bergab. Mitgliederzahlen der FKK-Vereine fielen ins Bodenlose. Doch jetzt ist die Trendwende da. Im Rhein-Main-Gebiet verzeichnen die Vereine wieder mehr Mitglieder. Von Christian Reinartz

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In den 70er-Jahren war es für viele das Paradies. Sonnen, auf der Wiese liegen, Grillen und den ganzen Tag immer wieder in den Pool springen – nackt, wie im Paradies eben. Im Rhein-Main-Gebiet feierten die örtlichen FKK-Vereine immer höhere Mitgliederzahlen. Irgendwann gab es dann sogar lange Wartelisten, weil in den Anlagen nicht mehr genug Platz war. „Damals gab es beim Orplid Frankfurt, in Darmstadt und beim Naturistenbund Rhein-Main alleine gut 1100 bis 1200 Mitglieder – jeweils“, erinnert sich Klaus Herzog vom Deutschen Verband für Freikörperkultur (DFK). Er ist Vorsitzender des Landesverbands Mitte, zuständig für Rhein-Main, und hat die Entwicklung genau verfolgt. „Danach ging es dann bergab“, sagt Herzog. Immer weniger Mitglieder wollten Freikörperkultur leben. Es gab zahlreiche Austritte. Manch kleiner Verein, wie etwa der Helios-Taunus in Oberursel-Obersteten fällt gar unter die Grenze von 30 Mitgliedern. „Irgendwie muss man das Ganze ja auch finanzieren“, sagt Bernd Urban, Vorsitzender des Vereins.

Doch seit etwa zwei Jahren haben die FKK-Fans die Talsohle offenbar durchschritten. Seitdem gehen die Mitgliederzahlen in Rhein-Main wieder nach oben, zum Teil rasant. Edgar Nesseler, stellvertretender Bundesverbandschef des DFK, bestätigt diese Entwicklung: „Endlich geht es in den Vereinen wieder nach oben. FKK ist keineswegs am Aussterben.“

Aber woher kommt die plötzliche Lust am Nacktsein? Nesseler ist überzeugt: „Die war nie wirklich weg.“ Allerdings seien zahlreiche Vereine im Lauf der Jahre einfach mit ihren Mitgliedern gealtert und hätten sich zu sehr eingeigelt. Der Nachwuchs sei deshalb ausgeblieben.

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„Vor zwei Jahren haben wir dann Aktionen für unsere Vereine angestoßen und vorgegeben“, sagt Nesseler. Seitdem veranstalten die FKK-Vereine „Tage der offenen Tür“, arbeiten mit benachbarten Vereinen zusammen und veranstalten Feste. „Seitdem geht es auch wieder aufwärts“, sagt Nesseler.

Sein Landesverbandskollege Klaus Herzog sagt: „Vor allem sind das junge Familien, die jetzt entdecken, wie schön und unbesorgt man auf unseren Vereinsgeländen seine Zeit verbringen kann.“ Denn um in eines der FKK-Gelände zu kommen, benötigt man einen Schlüssel. Die Areale sind nämlich komplett blickdicht umzäunt. „Da können die Kinder auch nicht weglaufen“, sagt Herzog. Zudem sei der Mitgliedsbeitrag sehr günstig.

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Marc und Anne, sowie ihre Kinder Luca und Jeremy, sind eine solche junge Familie. Seit Kurzem sind sie Mitglied eines FKK-Vereins in Rhein-Main, wollen aber nicht verraten wo. „Wir sind früher schon immer in die Sauna gegangen. Viel anders ist das hier auch nicht“, sagt der Familienvater. Es sei einfach ein gutes Gefühl ohne Kleidung am Körper die Natur zu genießen und zu schwimmen. Seinen Kindern wolle er das gleich von Anfang an vermitteln. Seine Frau ist da pragmatischer. „Wir hatten weder Zeit, Geld noch Lust, einen Kleingarten zu pachten, den wir dann mit Gemüse bepflanzen müssen, statt Freizeit zu genießen. Jetzt sind wir hier und haben dazu noch wirklich sehr viele nette andere FKKler kennengelernt.“ Herzog kennt diese Argumente gut. „Bei jungen Familien spricht sich sowas natürlich rum wie ein Lauffeuer.“ Die Mitgliederzahlen von damals seien aber noch lange nicht erreicht. „Einen so großen Boom wie in den 70ern erwarten wir auch nicht“, sagt Herzog.

Doch er ist optimistisch: „Insgesamt ist die Bereitschaft, sich im Verein zu engagieren, in der Gesellschaft gesunken. Von daher wird es sicher schwierig. Aber wir sind Idealisten und gegen davon aus, dass wir jetzt auch in Zukunft immer weiter Zuwachs von jungen Leuten haben werden.“

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