Beim Diktatwettbewerb „Die Goethe schreibt“ wird Rechtschreibung getestet

Diktat an der Uni: „Niemand schreibt mehr fehlerfrei“

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Nichts außer Papier und Stift auf dem Pult: Das klassische Schüler-Diktat. Am Mittwoch treten die Erwachsenen an der Goethe-Uni gegeneinander an.

Region Rhein-Main – „An Groß- und Kleinschreibung scheitern sie fast alle“, sagt Oliver Beddies von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Beim Diktatwettbewerb an der Frankfurter Goethe-Uni wird getestet, ob Professoren und Studenten noch richtig schreiben können. Von Janine Drusche 

„Stifte raus, alles andere vom Tisch. Wir schreiben ein Diktat!“, so oder so ähnlich haben es wohl viele in der Schulzeit erlebt: Das Horror-Szenario eines jeden Schülers, wenn unangekündigt die Rechtschreibung getestet wurde. Doch durch die Entwicklung von Rechtschreibprogrammen, Autokorrektur auf dem Handy und online im Duden, muss heute niemand mehr seinen eigenen Kopf anstrengen, um korrekt zu schreiben.

Damit Studenten, Uni-Mitarbeitern und Professoren ihr Rechtschreib-Wissen testen können, veranstaltet die Stiftung Polytechnische Gesellschaft am Mittwoch, 22. Juni, den Diktatwettbewerb „Die Goethe schreibt“ zum zweiten Mal in Frankfurt. Der Schreib-Wettkampf wird von einer Gruppe Deutschlandstipendiaten zusammen mit der Polytechnischen Gesellschaft organisiert. „Wir testen in dem Diktat Wortschatz und Rechtschreibung mit einer kleinen humorvollen Geschichte. Es geht nicht darum, den Zeigefinger zu heben. Aber es herrscht Nachholbedarf in und nach den Oberstufen der Schulen: Abiturienten können nicht so gut schreiben, wie sie es können sollten“, sagt Oliver Beddies, Bildungsleiter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

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Der Wettbewerb zeige, dass es Wörter gibt, die zwar zum Wortschatz gehören, aber nicht täglich gebraucht werden und deshalb kaum noch jemand schreiben kann. Das Diktat sei eine besondere Herausforderung: „An Groß- und Kleinschreibung, getrennt oder zusammen, scheitern sie alle“, so Beddies. Antje Peters von der Goethe-Uni, Stipendiatin der Polytechnischen Gesellschaft, hat den Vorreiter des Uniprojekts, den Schüler-Diktat-Wettbewerb 2014, in Frankfurt gewonnen und ist nun Mentorin bei „Die Goethe schreibt“: „Über die richtige Rechtschreibung nachzudenken, kommt in Zeiten von Smartphones einfach zu kurz. Das scheint nicht mehr wichtig zu sein. Aber es ist das A und O für Studenten, richtig zu schreiben.“ 

Sprache sei viel wert, sagt die Mentorin: „Darauf wollen wir mit dem Wettbewerb aufmerksam machen.“ Außerdem werde natürlich getestet, ob die Studenten die deutsche Rechtschreibung noch beherrschen. „Und wir wollen wissen, ob Professoren und Mitarbeiter der Uni besser schreiben können als Studenten“, sagt Peters.

Über 200 Leute machen freiwillig mit

Der Diktatwettbewerb läuft auf freiwilliger Basis ab: 2015 gab es rund 140 Teilnehmer. In diesem Jahr hätten sich bislang schon mehr als 200 Studenten und Uni-Mitarbeiter angemeldet, sagt die Mentorin. Auch der beste Fachbereich wird bei „Die Goethe schreibt“ ermittelt. Es gilt das Team der Erziehungswissenschaftler, die Sieger des vergangenen Jahres, zu schlagen. Der amtierende beste Professor in Sachen Rechtschreibung, Tim Engartner, kommt aus den Gesellschaftswissenschaften.

Null Fehler habe übrigens noch kein Teilnehmer geschafft, sagt Beddies: „18 bis 20 Fehler wurden 2015 im Durchschnitt gemacht. Die besten drei Studenten machten jeweils vier Fehler und damit weniger als der beste Professor, der mit acht Fehlern doppelt so viele Patzer im Text hatte wie die Studenten.“

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