Wie die Industrie 4.0 den Arbeitsmarkt verändert 

Digitale Arbeitswelt: Bedrohen Roboter künftig unsere Jobs?

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Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt verändern. Das wird sich auch auf Berufe und viele Arbeitsfelder auswirken. Einige werden in Zukunft komplett von Maschinen übernommen.

Region Rhein-Main – Der Arbeitsmarkt steht vor einem fundamentalen Wandel. Industrieroboter können immer mehr leisten und auch die künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant. Aber wo bleibt bei all den technischen Fortschritten der Mensch? Von Dirk Beutel

Digitalisierung ist jetzt. Selbstfahrende Autos, Paketdrohnen, Roboter, die saugen und den Rasen mähen sind in der Industrie 4.0 längst keine Träumereien mehr und machen den Mensch immer öfter überflüssig. Experten sehen in dieser Entwicklung eine Gefahr für zehntausende Jobs. Aber ist das wirklich so?

Deutschland ist der größte Robotermarkt in Europa. Besonders hoch ist die Roboterdichte in der Autoindustrie. Nach Angaben des Weltbranchenverbands International Federation of Robotics (IFR) stieg der Roboterbestand in der deutschen Autoindustrie von 2010 bis 2015 im Schnitt um drei Prozent jährlich. Aber: Die Zahl der Mitarbeiter legte um 2,5 Prozent zu. Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer Robotik + Automation im Maschinenbauverband VDMA: „Durch die Ausweitung der Produktion in Menge und Qualität entstanden neue Arbeitsplätze. Das hat den Wegfall von Jobs durch die Automatisierung mehr als kompensiert“.

Großer Job-Rückgang im Transport und der Logistik

Das Beispiel zeigt: Digitalisierung und Automatisierung werden den Arbeitsmarkt verändern. Optimistische Experten sind sich einig, dass mit einem Plus von elf Prozent der stärkste Anstieg der Nachfrage nach Beschäftigten in Zukunft in den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation erwartet wird. Der stärkste Rückgang bei Transport und Logistik mit minus 19 Prozent. Unter dem Strich sei die Digitalisierung aber kein Jobkiller.

Das sieht Anna Reimann, Bundesvorsitzende der Hochschulgruppen im Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte, genauso: „Der Arbeitsmarkt wird sich zunehmend auf IT- und Technikberufe konzentrieren. Wir müssen diese Marktchancen nutzen und mit der digitalen Zeit gehen, um die Technik für unser Wachstum und die Beschäftigung zu nutzen. Uns werden hierdurch positive ganzwirtschaftliche Effekte erwarten.“

Immer Menschen müssen Maschinen bedienen können

Vor allem kreative Jobs werden sich durch die Digitalisierung verändern.

Harald R. Fortmann, Botschafter für das Ressort Bildung und Personalentwicklung im Bundesverband für Digitale Wirtschaft sagt: „Die Digitalisierung ist ein Segen. Informationen, Wissen und Kultur nun für jeden zugänglich. Jeder kann sich mit jedem vernetzten.“ Natürlich würden Arbeitsplätze wegfallen, aber durch diesen Umbruch in der Gesellschaft müsse man die Menschen, die ihren Job verloren haben weiterbilden. Doch so weit ist es noch nicht.„Im Moment sind keine direkten Auswirkungen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt spürbar“, sagt Christian Weßling, Referent für Wirtschaftspolitik und Metropolenentwicklung der Industrie und Handelskammer (IHK) in Frankfurt. Digitalisierung bedeute für die Unternehmen in der Rhein-Main-Region keine negative Entwicklung. Im Gegenteil: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland sähen Chancen durch neue Geschäftsmodelle. 41 Prozent verzeichnen Umsatzzuwächse. Weßling: „Die Digitalisierung schreitet voran, die Komplexität nimmt zu, und die Unternehmen setzen sich intensiver mit den Herausforderungen auseinander. Immer mehr Menschen müssen Maschinen bedienen können. Dabei werden neue Jobs entstehen aber auch alte wegfallen. Das Verhältnis dürfte etwa ausgeglichen sein.“

Welche Berufe sind betroffen?

Laut Fortmann seien insbesondere Assistenzberufe gefährdet, auch Müllentsorger und Kassierer, Rezeptionisten, Taxifahrer würden in naher Zukunft durch Digitalisierung und Automatisierung geschluckt, sagt der Experte für digitale Wirtschaft. Auch Mitarbeiter im Controlling, in der Kundenberatung oder Versicherungs- oder Verwaltungsangestellte dürften es schwer haben. Im Gegenzug werde die Produktivität der Betriebe jedoch zunehmen.

Das bestätigt eine 2013 veröffentlichte wissenschaftliche Studie des amerikanischen Ökonomen Carl Benedikt Frey und des Ingenieurs Michael Osborne, die die Wahrscheinlichkeit untersucht haben, dass verschiedene bestehende Berufe in einer mehr oder weniger nahen Zukunft von Robotern und Maschinen ersetzt werden. Überträgt man deren Ergebnis auf Deutschland, seien 59 Prozent oder über 18 Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Hingegen seien Berufe, die eine Spezialisierung oder Expertenwissen erfordern, mit elf Prozent vergleichsweise wenig betroffen.

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