Wetter- und Physikexperte über das Phänomen aus den Wolken

Diese Blitz-Saison ist rekordverdächtig

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Blitze liefern atemberaubende Bilder, können aber auch verheerende Schäden anrichten.

Region Rhein-Main – Blitzt es häufiger als sonst? Leben wir gefährlicher, weil immer mehr Blitze auf die Erde sausen? Oder könnte diese Energie uns sogar nützlich werden? EXTRA TIPP-Wetterexperte Martin Gudd und Physiker Sascha Vogel klären auf. Von Oliver Haas

Es gewitterte heftig in den vergangenen zwei Wochen. Vom 26. Mai bis zum 8. Juni donnerte und blitze es täglich in der Region. Ist das noch normal? EXTRA TIPP-Wetterexperte Martin Gudd versteht zwar, dass viele Menschen aufgrund von 14-Tage-Dauerblitzen das Gefühl haben, dass es zunimmt. Aber: „In Wirklichkeit blitzt es nach den Daten aus den vergangenen Jahrzehnten gleichbleibend. Pro Quadratkilometer schlagen hier im Rhein-Main-Gebiet drei bis sechs Blitze pro Jahr ein.“ Dies sei bundesweit aber schon recht hoch. „Und wenn Blitze so komprimiert auftreten wie in den vergangenen zwei Wochen, dann entsteht natürlich der Eindruck, dass es gefährlicher wird.

Blitzgefahr nimmt immer mehr ab

Aber was viele verwundern mag: Die Gefahr, von einem Blitz getroffen zu werden, wird von Jahr zu Jahr geringer.“ Denn früher habe es viel weniger Blitzsicherungen und feste Bauten gegeben. „Im 18. und 19. Jahrhundert gab es durchschnittlich 100 Tote. Das waren meistens Arbeiter, die unter der Woche auf dem Feld vom Blitz erschlagen wurden.“ Und weil heute immer weniger draußen gearbeitet wird, sei die Gefahr kleiner. „Wenn etwas passiert, dann meistens am Wochenende bei Sportlern oder wie jetzt geschehen bei Veranstaltungen wie Rock am Ring.“ Übrigens wurde trotz des Dauergewitters der vergangenen zwei Wochen der führende Rekordhalter nicht geschlagen. „Das war damals 1910, als vom 1. bis zum 16. Juni ununterbrochen irgendwo ein Gewitter in unserer Heimat war“, sagt Gudd. Jetzt sei es aber erstmal vorbei.

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Meistens blitzt es nur zwischen den Wolken

Wenn die Gefahr, vom Blitz getroffen zu werden, gesunken ist, könnte man dann die Energie von Blitzen vielleicht sogar nutzen? Physiker Sascha Vogel vom „Frankfurt Institut for Advanced Studies“ sieht als erste Schwierigkeit, dass Gewitter nicht flächig, sondern nur punktuell stattfinden. „Ein anderes Problem ist, dass maximal ein Drittel der Blitze überhaupt auf der Erde ankommt, meistens blitzt es zwischen den Wolken. Um Blitze zu erwischen, müsste man sie anlocken, etwa mit einem sehr hohem Turm.“

Stromstärken und Spannungen sind aber mit mehreren Millionen Volt und Stromstärken von einigen zehntausend Ampere sehr hoch. „Aber das findet in so kurzer Zeit statt, dass die Energie zu klein ist im Vergleich zu anderen Möglichkeiten der Energieerzeugung.“ Selbst wenn man sie nutzen wollte, müsste man einen Kondensator (Stromspeicher) bauen, der so hohe Spannungen aushält, so Vogel. Es gebe zwar derartige Ideen, aber zum aktuellen Zeitpunkt sowie in absehbarer Zukunft habe es wenig Sinn, Blitze als Energiequelle zu nutzen.

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