Zu wenig Personal

Defekte Rolltreppen: Ehemalige VGF-Mitarbeiter packen aus

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Wenn die Rolltreppe still steht, heißt es Laufen.

Frankfurt - Die Wutwelle wegen ständig kaputter Rolltreppen ebbt nicht ab. Jetzt packen zwei ehemalige Mitarbeiter der VGF und Stadtwerke aus. Sie sprechen von einer desaströsen Personalsituation. Die Verkehrsgesellschaft weist die Vorwürfe als unwahr zurück. Von Christian Reinartz

Dass in Frankfurt und dem übrigen Rhein-Main-Gebiet zu häufig Rolltreppen stillstehen, wird nach den EXTRA TIPP-Berichten der vergangenen Wochen kaum einer bestreiten wollen. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) aber schon. Deren Sprecherin Juliane Herzog verweist immer wieder auf die von der VGF gemessene 97,5-Prozent-Verfügbarkeit. Zahlreiche Leserbriefe, in denen Frankfurter ihre täglichen Erfahrungen schildern, lassen daran Zweifel aufkommen. Auch bei verschiedenen Testfahrten stieß der EXTRA TIPP immer wieder auf stillstehende Rolltreppen der VGF.

Zwei ehemalige Mitarbeiter von VGF und Stadtwerke haben sich nun an den EXTRA TIPP gewandt und schildern, wie dramatisch die Zustände hinter den Kulissen sind. Beide wollen nicht namentlich genannt werden, weil sie vertragliche Stillschweigeklauseln unterzeichnet hätten. Dennoch wollen sie jetzt ihr Schweigen brechen. Michael T. etwa sagt, er habe jahrelang direkt an der Quelle gearbeitet und hautnah mitbekommen, wie es um die Rolltreppen bestellt ist. Er sagte: „Die von der VGF vorgeschobenen 97,5 Prozent können nicht stimmen. Es rufen dort täglich verärgerte Rolltreppennutzer an, oder schreiben Briefe in denen sie ihren Frust rauslassen.“ 

Rolltreppen werden nicht ausreichend gewartet

Auch die angeblichen Ausfälle durch Vandalismus seien nur gering. „Einer Rolltreppe schweren Schaden zuzuführen ist gar nicht so einfach“, erklärt der Ex-VGFler. „Das Problem ist ein ganz anderes. Die Rolltreppen sind erheblichen Umwelteinflüssen ausgesetzt, besonders im Winter.“ Eine nötige Wartung sei allerdings aufgrund Personalmangels nicht so möglich, wie eigentlich nötig. „Die VGF hat gerade in diesem Technik Bereich einen sehr dünnen Personalstand“, sagt T. „Dazu kommt ein sehr hoher Krankenstand. Mitarbeiter fallen wochen- teilweise sogar monatelang aus. Die übrigen pfeifen auf dem letzten Loch.“ 

Doch anstatt für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen, bleibt alles beim alten. Folgt man dem ehemaligen Stadtwerke-Mitarbeiter Sebastian M. ist das Problem sogar hausgemacht. Er sagt: „Früher hat sich eine ganze Abteilung nur um die Rolltreppen gekümmert. Doch die ist von der VGF einfach wegrationalisiert worden.“ Damals habe es einen Rolltreppen-Einschaltdienst gegeben, der sofort losgefahren ist, wenn irgendwo wieder eine Treppe streikte. „Heute passiert erstmal lange Zeit nix, weil die Leute fehlen.“

VGF streitet Vorwürfe ab

Die VGF weist hingegen alle Vorwürfe zurück. Ständige Beschwerden „können wir nicht bestätigen.“, versichert Sprecherin Juliane Herzog. Rolltreppen könnten zudem sehr wohl einfach kaputt gehen. Ein einzelner Nagel reiche aus. Auch was den Anschaltdienst angeht, stellt Herzog klar: „Den gibt es auch heute. Zur Zeit sind sechs Mitarbeiter nur für das Einschalten der Rolltreppen im Schichtdienst im Einsatz.“ Auch herrsche kein Personalmangel. Herzog: „Die Krankenquote ist vergleichbar mit der anderer handwerklicher Berufe.“ Michael T. wundert die Reaktion der Frankfurter Verkehrsgesellschaft nicht. Er ist überzeugt: „Die wollen einfach Geld sparen und behaupten, dass die Rolltreppen gut funktionieren.“

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