Der Anblick von Blut kann beruhigend wirken

Brutale Tierquälerei nimmt zu: So ticken die Täter

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Bauer Michael Lüft aus Seligenstadt hat das Massaker in seinem Hühnerstall mit der Kamera festgehalten. Unbekannte haben den Hennen die Köpfe abgerissen.

Region Rhein-Main - Sie enthaupten Hühner mit bloßen Händen, stechen auf Pferde ein und verbrennen Hunde: Die Fälle brutaler Tierquälerei nehmen laut Tierschutzorganisation Peta zu. Kriminalpsychologin Lydia Benecke sagt: Den Tätern geht es um Macht und Kontrolle. Von Franziska Jäger

Zunächst vermutete Michael Lüft noch Fuchs oder Marder hinter dem Massaker auf seinem Hühnerhof in Seligenstadt. Bis er das aufgebrochene Schloss entdeckte und erkannte: Die 40 Hennen wurden mit bloßen Händen enthauptet. Die grausame Tierquälerei sorgte vergangene Woche deutschlandweit für Schlagzeilen, die Tierschutzorganisation Peta hat mittlerweile eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Der EXTRA TIPP wollte von der bekannten Kriminalpsychologin und Autorin Lydia Benecke wissen, was Tierquäler antreibt.

Dass Menschen bei Fällen dieses Ausmaßes nicht als Einzeltäter, sondern wie in Seligenstadt in Gruppen vorgehen, ist laut Benecke eher ungewöhnlich. „Möglich wäre dann auch, dass eine Mutprobe von Jugendlichen dahinter steckt“, sagt sie. Sie hat sich mit Tätern auseinandergesetzt, die Pferde quälen – in Hessen ebenfalls keine Seltenheit. Vor wenigen Tagen fügte ein Tierquäler in Nidda zwei Pferden Schnittverletzungen zu. In Mühltal-Traisa wurde vor kurzem eine trächtige Stute mit einem Messer im Genitalbereich verletzt. In Bad Orb musste vergangenes Jahr ein Pferd eingeschläfert werden, nachdem es mit einer Axt angegriffen worden war.

Sexuelle Fantasien und Aggression als Auslöser

Sogenannte Pferderipper hätten unterschiedliche Motive für ihre Taten, sagt Benecke. Teilweise leben sie sadistische sexuelle Fantasien aus: Im April wurde eine Stute in Lorsch mit einem Dildo verletzt. In anderen Fällen wollen die Täter starke Aggressionen und Hass ausleben. Beide Motive können sich auch überschneiden. „Es geht darum, Macht und Kontrolle zu erlangen“, sagt die Psychologin. Die körperliche und psychologische Hemmschwelle der Gewalt gegenüber Tieren sei grundsätzlich niedriger als die gegenüber Menschen. Gründe für die Wut der Täter seien emotionale Vernachlässigung, körperliche und/oder sexuelle Misshandlung in der Kindheit. „Auf manche früh traumatisierten Menschen kann der Anblick von Blut und Innereien auch beruhigend wirken, gerade in einem akuten Zustand der Anspannung. Auf Außenstehende wirkt das natürlich paradox“, sagt Benecke.

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Eine andere Kategorie der Tierquäler sind Menschen, die passiv handeln, Giftköder für Hunde oder Katzen auslegen. „Hier kann sich die Aggression auch gegen den Besitzer richten“, sagt Benecke, „außerdem ist das Risiko gering, der gefühlte Gewinn dafür sehr hoch.“ Häufig haben Menschen, die Pferde verletzen oder töten, mit kleineren Tieren angefangen. Erwachsene Straftäter, die sowohl männlich als auch weiblich sind, schlagen zudem immer wieder zu. Dass Tierquäler aber dazu übergingen, auch Menschen zu verletzen, sei nur in extremen Einzelfällen gegeben, sagt Benecke. Peta schätzt, dass etwa 80 Prozent aller extremen Gewalttäter vorher bereits Tiere gequält haben und beruft sich dabei auf den Aggressionsforscher Christoph Paulus.

Peta: Immer brutalere Fälle

„Wir haben den Eindruck, dass Tierquälerei zunimmt“, sagt Judith Pein von Peta. Fast täglich würden Fälle gemeldet, gerade die besonders brutalen kämen seit kurzem häufiger vor. „In letzter Zeit hatten wir immer wieder Meldungen von Tieren wie Hundewelpen, die lebendig verbrannt wurden. Hunde, Katzen und Meerschweinchen werden in Glascontainern entsorgt oder mit Klebstoff beschmiert.“ Bei Pferderippern und Giftködern gebe es immer wieder regelrechte Wellen an Vorfällen.

Michael Lüft zerbricht sich den Kopf darüber, was die Täter angetrieben haben könnte. Für ihn steht fest: Die Hennen müssen große Qualen gelitten haben.

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