Keiner will etwas gewusst haben

Riesen Zoff um neue Broschüre übers Bahnhofsviertel

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Um diese Doppelseite geht der Streit.

Frankfurt – Der neue Bahnhofsviertel-Führer wird wieder eingestampft – weil eine Frankfurter Tageszeitung meint, es zieme sich nicht, mit dem Rotlicht zu werben. Und plötzlich rudern alle zurück, keiner will was gewusst haben. Doch ein Insider behauptet etwas anderes. Von Christian Reinartz

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Aus Kreisen der Stadt hat der EXTRA TIPP erfahren, dass alle Ämter vorher der Broschüre ihr Okay gegeben hatten. Der Bahnhofsviertelführer ist im Grunde ein Reiseführer, wie jeder andere auch. Nur, dass eben im Bahnhofsviertelviele Rotlicht-Betriebe angesiedelt sind. Deshalb finden sich diese auch in der von der Tourismus und Congress GmbH herausgegebenen Broschüre wieder. Informativ beschrieben und kategorisiert – wohlweislich neben zahlreichen anderen Clubs und Bars. Eigentlich hatten sich alle auf den Reiseführer gefreut, doch nach einem Artikel in einer Frankfurter Tageszeitung schlugen die Wellen hoch. So hoch, dass Thomas Feda, Chef der Tourismus und Congress GmbH, Schiffbruch erlitt und den Führer wieder aus dem Verkehr zog.

Aus Fedas Umfeld erfuhr der EXTRA TIPP: „Man muss wissen, dass die Erstellung des Führers ganze zweieinhalb Jahre gedauert hat.“ Das habe vor allem daran gelegen, dass alle relevanten Ämter in die Planung einbezogen wurden. Weiter heißt es: „Die einzelnen Ämter haben Änderungswünsche gehabt, und wir haben diese dann auch umgesetzt. Erst fanden’s alle toll. Aber kaum, dass die erste Kritik kam, wollte niemand mehr was damit zu tun haben.“

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Und was sagt Thomas Feda selbst zu den Vorwürfen? „Es stimmt nicht, dass die Ämter irgend etwas abgezeichnet haben“, sagt der Chef der Tourismus und Congress GmbH. „Die Verantwortung für die Veröffentlichung trage ich.“ Allerdings räumt er auch ein: „Es gab Abstimmungsgespräche mit den betroffenen Ämtern.“ Dazu hätten auch das Ordnungsamt und das Frauenreferat gehört. „Die finale Version der Broschüre habe aber niemand gekannt.“ Warum die Broschüre dann trotzdem veröffentlicht wurde, erklärt er so: „Es war letztendlich auch der Zeitdruck und Naivität.“

Feda selbst sieht sich nicht als Bauernopfer, gibt sich einsichtig. „Wir haben die öffentliche Kritik ernst genommen und eingesehen, dass einzelne Passagen in dem Führer distanzierter und sensibler formuliert werden müssen.“ Feda gibt sich optimistisch: „Ich habe ja nie gesagt, dass die ganze Broschüre schlecht ist.“ Nun sollen die entsprechenden Passagen zusammen mit Autor Ulrich Mattner korrigiert und neu gedruckt werden. So wie es aussieht aber erst, wenn wirklich alle ihr Signum darunter gesetzt haben.

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Fotos: Heiße Nacht im Frankfurter Bahnhofsviertel

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