Beim „Schoppen“ über die Gebote philosophieren?

Bibel-Bierdeckel soll Gott in die Kneipe bringen

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Die Bibel auf einem Bierdeckel.

Region Rhein-Main – Die Bibel auf einem Bierdeckel: So heißt die neue Kampagne der Evangelischen Kirche. Die hat die sakrale Schrift in drei Sätzen heruntergebrochen auf Bierdeckel gedruckt, damit auch beim gemütlichen „Schoppen“ über Gott gesprochen wird. Von Janine Drusche

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Zum Feierabend schallen „The Doors“ aus den Boxen in der gemütlichen Kneipe. Zigarettenqualm liegt in der Luft. Zwei Fußballfans diskutieren, ob Eintracht oder Kickers der bessere Fußballverein ist. Eine normale Szene aus der Spelunke von nebenan. Doch wenn der Kellner dasBier oder den Schoppe bringt, könnte ab jetzt alles anders werden: Die Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat die Bibel komprimiert und auf einen Bierdeckel drucken lassen, um die Bevölkerung während des Alkoholtrinkens auf Gott und christliche Werte aufmerksam zu machen.

„Bei einem Schoppen über Gott und die Welt zu philosophieren, macht einfach Spaß und tut gut! Die Bibel darf bei dieser Weltdeutung ruhig dazugehören“, sagt Pfarrer Steffen Held, Kirchenvorstandsvorsitzender in Langen. Noch gibt es die Bierdeckel nicht in Restaurants oder Bars. Mit der Post des Kirchenpräsidenten Volker Jung, bekommen aber allein in Dreieich 33.000 Haushalte den Bierdeckel nach Hause. Darauf wird der Versuch unternommen, die 30.442 Verse des Heiligen Buches in den drei Sätzen „Liebe Gott. Liebe Dich selbst. Liebe die Anderen“ zusammenzufassen.

"Schön, im Keller zu stehen"

Außerdem wehen zu der Kampagne Banner von Kirchen und Gemeindehäusern der Rhein-Main-Region. An der Kampagne beteiligen sich 500 Gemeinden in Hessen und Nassau. So ist das Motiv bereits von Weitem vor der evangelischen Kirche Egelsbach auf einem Banner zu sehen. Weitere Fahnen wehen in Dreieichenhain, Götzenhain und Langen. Zu sehen ist darauf ein Mann in der Kneipe, der die Frage stellt: „Worüber reden wir eigentlich?“. 

„Liebe Dich selbst!"

Die EKHN will auf dem Bierdeckel stellvertretend für Jesus die Antwort geben: Die drei Gebote „1. Liebe Gott“, „2. Liebe Dich selbst“ und „3. Liebe die Anderen“, finden auf dem Bierdeckel Platz und sollen auch bei Bier, Wein und Kneipenatmosphäre nicht vergessen werden. Die Aktion erscheint provokant, will aber laut EKHN Glaubensimpulse geben und zu Bibel-Gesprächen unabhängig vom Aufenthaltsort anregen: Zum Beispiel bei einem kühlen Hellen über die Kernfragen des christlichen Glaubens. 

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Aber passt die ganze Bibel auf einen Bierdeckel? Ist das nicht schon Gotteslästerung? Pfarrer Steffen Held sagt: „Nein, kurz und knackig heißt ja nicht falsch.“ Es sei eine Kunst, das Entscheidende herauszuarbeiten, ohne es inhaltlich zu vereinfachen. „Die Botschaft der Liebe Gottes als zentrale Botschaft der Bibel in den Mittelpunkt zu rücken, halte ich für passend“, sagt der Pfarrer. Über klare Aussagen könne man diskutieren, sie auch ablehnen. „Das halte ich auf die Bibel bezogen für angemessener, als dass sie einem egal ist.“

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