Weil Frauchen ihm keine Ohrmarken verpassen will

Dreieicher Behörden-Zoff um Ziegenbock Paulchen 

Annemarie Gräser mit Paulchen. Die 77-Jährige weigert sich, dem Ziegenbock mit zwei Ohrmarken kennzeichnen zu lassen. Jetzt macht das Veterinäramt ernst. Foto: kb

Dreieich - Annemarie Gräser und ihr Ziegenbock sind ein Herz und eine Seele. Doch um Paulchen tobt ein irrer Behördenstreit. Weil er keine Ohrmarken trägt, will das Veterinäramt jetzt hart durchgreifen. Von Kristina Bräutigam

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Annemarie Gräser und Paulchen sind ein Herz und eine Seele. 2011 bekam sie den drei Monate alten Ziegenbock geschenkt, um über ihren verstorbenen Hund hinwegzukommen. Seitdem sind die Rentnerin aus Dreieich-Götzenhain und Paulchen unzertrennlich. „Wenn wir durch den Ort spazieren gehen, brauche ich nicht mal eine Leine. Paulchen hört wie ein Hund“, sagt Annemarie Gräser. 

Es könnte ein glückliches, unbeschwertes Tierleben sein. Doch um den Ziegenbock tobt ein erbitterter Streit mit dem Veterinäramt des Kreises Offenbach. Im Visier: Paulchens Ohren. Laut EU-Verordnung müssen alle Schafe und Ziegen mit Ohrmarken gekennzeichnet sein, damit die Herkunft des Tieres zurückverfolgt und im Seuchenfall einer Ausbreitung entgegengewirkt werden kann.

Doch Paulchen trägt keine Marken in den Ohren, sondern nur eine an seinem Halsband. Aber die zählt laut Veterinäramt nicht. „Die Kennzeichnung darf sich nicht von einem auf ein anderes Tier übertragen lassen“, erklärt Kordula Egenolf, Sprecherin des Kreises Offenbach. Da das Veterinäramt lediglich ausführende Behörde sei, gebe es keine Möglichkeit, bestehende Gesetze und Verordnungen zu umgehen.

Fotos: Ziegenbock Paulchen sorgt in Dreieich für Behörden-Ärger

Annemarie Gräser bleibt stur. Sie will ihrem Paulchen keine Ohrmarke verpassen lassen. Kurz nach der Geburt sei das Durchstechen der Ohren vielleicht keine große Sache gewesen, sagt die 77-Jährige, die zum damaligen Zeitpunkt nichts von der Kennzeichnungspflicht gewusst haben will. „Aber jetzt, wo die Ohren fest und knorpelig sind, das wäre Tierquälerei. Wer weiß, ob mein Paulchen den Eingriff ohne Komplikationen übersteht“.

Veterinäramt will durchgreifen

Das Veterinäramt hat jetzt genug von der bockigen Rentnerin: Nachdem Mitarbeiter Annemarie Gräser viermal kontrolliert und auf die Kennzeichnungspflicht hingewiesen haben, droht der 77-Jährigen nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren samt saftiger Geldstrafe sowie die Zwangskennzeichnung des Ziegenbocks.

Die Rentnerin versteht die Welt nicht mehr. „Mein Paulchen hat doch eine Marke, ist gechipt und geimpft. Und er ist doch weder ein Herden- noch ein Zuchttier, sondern ein Haustier.“ Spielt keine Rolle, sagt das Veterinäramt: Die Kennzeichnungspflicht gelte für jede Ziege – egal ob das Tier von einem landwirtschaftliche Betrieb, einer Zuchtanlage oder wie Paulchen aus einer privaten Hobbyhaltung kommt. Annemarie Gräser überlegt, sich einen Anwalt zu nehmen. Es gehe ihr ums Prinzip, sagt die Rentnerin. „Mein Paul lebt hier bei mir, in seinem Stall. Seine Ohren bleiben heil.“

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