Neues Café in Hanau beschäftigt psychisch Kranke

Behinderte in der Gastronomie? In Rhein-Main klappt's!

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„Werden überrannt“: Projektleiter Hans-Peter Kunz im Café überm Fluss in Hanau. Sieben Menschen mit psychischer Erkrankung arbeiten hier. 

Region Rhein-Main - Vor zwei Monaten hat das „Café überm Fluss“ in Hanau eröffnet. Das Besondere: Psychisch Kranke arbeiten in Küche und Service. Der Erfolg ist sensationell, das Café ist täglich ausgebucht. Und auch in anderen Städten funktioniert die Kombi Inklusion und Gastro. Von Kristina Bräutigam

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Wenn das Café überm Fluss in Hanau morgens um 9.30 Uhr öffnet, stehen die ersten Gäste schon vor der Tür. Besonders begehrt: Die Plätze auf der Terrasse, direkt über der Kinzig. „Wir haben gehofft, dass unser Café angenommen wird. Aber das es so krachend gut läuft, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Projektleiter Hans-Peter Kunz. Das Café überm Fluss in der historischen Herrnmühle ist kein gewöhnlicher Betrieb. In dem Café, das vom Hanauer Verein LebensGestaltung betrieben wird, arbeiten Menschen mit psychischer Erkrankung in Küche und Service, unterstützt von Angestellten.

„Unser Anspruch ist es, ein professionelles Café zu betreiben und unseren Klienten eine Chance zu geben, so etwas wie einem normalem Job nachzugehen“, erklärt Kunz. Er ist überzeugt: Menschen mit Handicap können mehr als Kartons falten und Kugelschreiber zusammenschrauben. Auf dem ersten Arbeitsmarkt hätten die meisten seiner Klienten keine Chance. Im Café dürfen sie selbst entscheiden, wie viel sie schaffen. „Natürlich muss sich das Café am Ende des Tages tragen. Aber wir dürfen unsere Klienten nicht verlieren. Das ist ein schmaler Grat, aber wir gehen ihn“, sagt Kunz. 

Gäste haben keine Berührungsängste

Dass Gäste Berührungsängste haben, sei bislang nicht vorgekommen. Nur einmal habe ein Gast wissen wollen, ob die Bedienung psychisch krank oder gesund gewesen sei. Hans-Peter Kunz hat die Frage nicht beantwortet. „Es geht darum, ob sich ein Kunde wohl fühlt oder nicht. Alles andere ist unerheblich“. 

Wie gut Behinderung und Gastronomie harmonieren, zeigen auch andere Beispiele im Rhein-Main-Gebiet: Im Bistro der Oberurseler Werkstätten  arbeiten zwölf Frauen und Männer, darunter psychisch Kranke, körperlich Behinderte und Menschen mit Lernbehinderung. Seit Mai bieten sie auch ein Frühstück zum Mitnehmen (www.bistro-mein-frühstück.de) an, dass der Kunde im Voraus individuell zusammenstellen kann. 

Auch das Café Basaglia (www.cafebasaglia.de) vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten hat Erfolg. Bis zu zwölf Menschen mit chronisch-psychischen Krankheiten arbeiten hier. Dass die Angestellten keine Profi-Servicekräfte sind, stört die Kunden nicht. Im Gegenteil: „Alle haben Verständnis, wenn es mal ein bisschen länger dauert“, sagt Gruppenleiterin Birgit Eilbacher.  Neben dem leckeren Essen kommen die Kunden vor allem wegen des Bio-Kaffees, dessen Bohnen aus der eigenen Rösterei Basaglia kommen. 

Weitere Beispiele sind das Waldcafé und das Café Frieda der Werkstätten Hainbachtal (www.werkstaetten-hainbachtal.info) in Offenbach oder das Klostercafé Seligenstadt (www.klostercafe-seligenstadt.de), in dem elf Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz gefunden haben.

Mit gegenseitiger Rücksichtnahme profitieren beide Seiten von den Inklusions-Projekten, ist sich Hans-Peter Kunz vom Café überm Fluss sicher. Letzte Zweifel seien ohnehin spätestens nach dem hausgemachten Kuchen gegessen. Infos unter www.herrnmuehle-hanau.de

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