Ernte-Einbußen von 60 Prozent

Bauern klagen: Erdbeeren und Spargel leiden unter Aprilwetter

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Bauer Hansgeorg Münch mit Erdbeeren, die im Tunnel gewachsen sind. Auf seinem neun Hektar großen Freilandacker wächst noch nichts. Schuld ist das kalte Aprilwetter.

Region Rhein-Main - Endlich strahlt wieder die Sonne. Doch wegen des miesen Wetters im April zittern die Bauern in der Region um ihre Ernte. Die Erdbeersaison startet später, die Spargelerträge sind dramatisch zurückgegangen. Von Kristina Bräutigam

Beim Blick auf seine Erdbeerpflanzen bekommt Hansgeorg Münch keine gute Laune: Einige Blüten sind braun, die Blätter ebenfalls, von Rot keine spur. „Hier tut sich seit drei Wochen gar nix“, sagt der Chef des Erdbeerhofs Münch in Groß-Umstadt. Schuld ist das miese Aprilwetter. Viel Regen, Nachtfrost, kaum Sonne sind Gift für die süßen Früchte. Etwa zehn Prozent der Pflanzen sind erfroren, schätzt Hansgeorg Münch. Weil er einen Tunnel hat, in dem er geschützt anbauen kann, gibt es zumindest ein paar Schälchen Erdbeeren im Hofladen. Auf Freiland-Erdbeeren müssen die Kunden aber noch fünf Wochen warten. „Die Saison wird später starten. Wir können’s nicht ändern“, sagt Hansgeorg Münch. Das traditionelle Erdbeerfest an Pfingsten hat die Familie abgeblasen.

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Noch dramatischer steht es um den Spargel. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Erträge zurückgegangen. „Je kälter der Boden, desto schlechter treibt er aus“, erklärt der Landwirt. In der letzten Woche gab es so wenig weiße Stängel, dass die Münchs ihre Verkaufsstände schließen mussten; auch Supermärkte und Gastronomen, die der Familienbetrieb seit vielen Jahren beliefert, mussten vertröstet werden. „Die Leute sind heiß auf Spargel. Aber was sollen wir machen? Spargel gibt es nicht aus der Fabrik, wir können ihn uns nicht aus den Rippen schneiden“, sagt Hansgeorg Münch. Auch andere Landwirte stehen unter Druck: „Hessenweit wird sich der Erntebeginn verzögern und es wird deutlich weniger Ertrag geben“, bestätigt Rudolf Schäfer vom Vorstand Landesverband Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege (LOGL). Zwar müsse der Verbraucher lernen, Rücksicht auf die Natur zu nehmen und begreifen, dass diese nicht zu beeinflussen ist.

Bauern hoffen trotzdem

 „Aber für Betriebe, die vom Saisongeschäft leben, ist die Lage tatsächlich dramatisch.“ Immerhin: Das warme Wetter seit Anfang der Woche macht den Bauern Hoffnung, dass Erdbeeren und Spargel einen Gang zulegen und das Geschäft nicht ganz verloren ist. Im Juni sollen auch die neun Hektar Land von Hansgeorg Münch rot leuchten. „Vorher braucht hier niemand ans Pflücken denken“.

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