Banker flüchten aus London in die Mainmetropole

Oh no! Der Brexit lässt die Mieten in Frankfurt steigen

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Auch die Deutsche Bank könnte rund 8000 Mitarbeiter von London nach Frankfurt verlagern.

Frankfurt - Finanzinstitute mit Sitz in London könnten nach dem Brexit ihre Zelte abbrechen und tausende Banker nach Frankfurt schicken. Für das Mietpreisniveau hätte das fatale Folgen. Denn die Wohnungssuchenden sind zahlungskräftig. Von Franziska Jäger

Mehr als 10.000 Arbeitsplätze, so schätzt die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, könnten nach dem Brexit von London nach Frankfurt verlagert werden. „Für Frankfurt würde das eine deutliche Aufwertung bedeuten“, sagt Rolf Janßen. Der Geschäftsführer des Mieterschutzvereins Frankfurt hat sich allerdings auch Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn tausende Banker in der Stadt auf Wohnungssuche gehen: „Auf das Mietpreisniveau hätte das nicht unerhebliche Auswirkungen.“

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Die Masse an Wohnungssuchenden aufzufangen, sagt Janßen, sei für Frankfurt nicht das vorrangige Problem. Wohl aber, dass es sich um keine heterogene Gruppe handele. „Die Bankangestellten werden vor allem im hochpreisigen Segment auf Wohnungssuche gehen“, sagt Janßen. Schließlich gebe es für die Bänker noch einen Mietzuschuss vom Arbeitgeber, der bis zu 1800 Euro betragen könne. Wenn dann etliche Verträge zu hohen Mietpreisen abgeschlossen werden, steigt der Mietspiegel. Aufgrund der hohen Nachfrage würde zudem noch mehr Wohnraum auf hohem Preisniveau errichtet.

Noch kann über die Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union nur spekuliert werden. „Dass aber bald tausende Banker zum Arbeiten nach Frankfurt kommen, halte ich für durchaus denkbar“, sagt Janßen. Experten erwarten innerhalb der nächsten Jahre eine langsame, schrittweise Verlagerung der in London ansässigen Banken an andere Standorte. Denn um innerhalb der EU Dienstleistungen anbieten zu können, brauchen sie rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Frankfurt hat da nach Einschätzung der Experten gute Karten, nicht zuletzt durch den Sitz der Europäischen Zentralbank und der guten Infrastruktur. Auch die Deutsche Bank würde laut Chef John Cryan auf lange Sicht ihre Geschäfte und rund 8000 Mitarbeiter nach Frankfurt verlagern.

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Entschieden ist noch nichts. Zwei Jahre, schätzt Cryan, könnten die Verhandlungen über das künftige Verhältnis Großbritanniens zur EU andauern, in dieser Übergangszeit ändere sich für die Banken erst einmal nichts.

Die Zeit müsse auch die Politik nutzen, um sich auf preistreibende Auswirkungen auf dem Frankfurter Immobilienmarkt einzustellen, sagt Janßen. Eine Maßnahme könne sein, den Mietspiegel nicht schon nach vier Jahren neu zu erstellen, sondern mehr Jahre in die Berechnungen mit einfließen zu lassen. „Außerdem sollte die Nachfrage nicht dazu verleiten, verstärkt in den Bau hochpreisiger Wohnungen zu investieren. Sonst bleiben die normalen Mieter auf der Strecke.“ Die müssten schon jetzt oft die Hälfte ihres Einkommens in die Miete stecken.

„Das ist eine Entwicklung, die so nicht weitergehen kann“, sagt Janßen, „es müssen Weichen gestellt werden, damit Otto Normalverbraucher sich weiterhin Wohnungen leisten kann.“

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