Europas Geldhäuser taumeln

Dirk Müller: Für Banken und Sparer wird es noch schlimmer kommen

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Dunkle Wolken über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Experten warnen vor einer drohenden Bankenpleite und möglichen Strafzinsen für Sparer.

Region Rhein-Main – Stellenstreichungen, alte Geschäftsmodelle, Niedrigzinswelle: Deutschlands Banken stehen weiter unter massivem Druck. Experten warnen vor einer Pleitenserie und Strafzinsen für Sparer. Von Dirk Beutel

Europas Banken stecken in der Krise. Allen voran die beiden größten deutschen Geldhäuser. Vor allem der massive Stellenabbau bei der Deutschen Bank und der Commerzbank hat für breite Aufmerksamkeit gesorgt. Dazu kommen die anhaltende Niedrigzinsphase, veraltete Geschäftsmodelle und im Falle der Deutschen Bank auch noch eine Millionenstrafe aus den USA wegen windiger Hypotheken-Deals. Tiefpunkt bislang: Der Sturz der Deutschen Bank-Aktie erstmals unter die Marke von zehn Euro.

Es herrscht schon jetzt ein Kampf ums Überleben

Eine äußerst bedrohliche Situation findet Finanz- und Börsenexperte Dirk Müller: „Das Bankensystem in Europa steht allgemein unter größter Anspannung. Allein schon die Diskussion. Denn die wichtigste Währung einer Bank ist Vertrauen und wenn das die Investoren verlieren und ihre Konten räumen, kann das eine Pleite auslösen.“ Von einer drohenden Finanzkrise wie 2008 will man aber in der Bankenmetropole Frankfurt nichts wissen. Dabei herrsche längst ein Kampf ums Überleben: „Es gibt in Deutschland zu viele Banken. Volks- und Sparkassen bedienen den Massenmarkt, einige wenige kümmern sich um das Spitzensegment und das internationale Investmentgeschäft. Irgendwo dazwischen versuchen sich Deutsche Bank und Commerzbank zu quetschen und schaffen es nicht, ein eigenes Geschäftsmodell zu generieren“, sagt Müller.

Schon jetzt würden viele Filialen geschlossen werden, da sie wegen der Digitalisierung überflüssig geworden seien. Nun müssten die Geldhäuser selbst zusammenrücken. „Fusionen können helfen, Kosten zu senken, ein Allheilmittel sind sie allerdings nicht“, sagte vor einigen Tagen der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld. Insbesondere den Stellenabbau der beiden größten Banken sieht Müller kritisch: „Ich wüsste von keiner Bank, die sich plötzlich neu erfunden hätte. Vielmehr läuten solche Sparmaßnahmen den Niedergang ein. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die deutsche Regierung die Deutsche Bank fallenlassen wird, dazu ist sie international viel zu relevant.“

Die Banken brauchen dringend Kapital

Doch was bedeuten diese Entwicklungen für den privaten Bankkunden? Müller: „Das Ende der Fahnenstange bei den Einsparungen ist noch nicht erreicht. Die Banken brauchen Kapital, aber durch Stellenstreichungen fallen Geschäftssparten weg. Das sorgt für weitere Unruhe und Verunsicherung.“ Gerade bei den Sparern. Denn die wissen nicht, was sie mit ihrem Geld auf der Bank machen sollen. „Bei der momentanen Entwicklung sind sogar Negativzinsen für die Geldanlagen privater Sparer vorstellbar“, sagt Jörg Schädtler, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft für Bankkunden. Die rät zu mehr Risikobereitschaft bei der Kapitalanlagestrategie: „Langfristig gesehen ist es besser, ein gewisses Verlustrisiko in Kauf zu nehmen, wenn eine Gewinnmöglichkeit da ist, die ja gerade beim Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto kaum mehr vorhanden ist.“

Dass sich viele Sparer dank günstiger Kredite auf Immobilien setzen, hält Schädtler für brenzlig: „Die Zinsen können nicht ewig im Keller bleiben. Die Wende wird kommen. Und Immobilien, die teuer gekauft wurden, könnten dann in der Anschlussfinanzierung nicht mehr einen Hypothekenzins von einem oder eineinhalb kosten, sondern acht oder neun Prozent. Das könnte zum Riesen-Problem werden. Die Bank aber macht ihr Geschäft, so oder so.“

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