Viele Stellen in Rhein-Main unbesetzt

Rhein-Main: Bäcker finden keinen Nachwuchs mehr

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Andreas Schmitt, Geschäftsführer der Bäckerei und Konditorei Café Ernst, mit Konditoren-Azubi Vanessa Ganczer.

Region Rhein-Main - Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend Nachwuchs. Besonders der Bäckerinnungsverband schlägt Alarm: 100 Bäcker- und 900 Verkaufs-Azubis fehlen derzeit in Hessen. Schuld ist das miese Image. Zu Unrecht, sagt Geschäftsführer Stefan Körber. Von Kristina Bräutigam

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Stefan Körber sorgt sich um seine Zunft. „Dem Bäckerhandwerk geht der Nachwuchs aus“, sagt der Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Hessen. Auch im Rhein-Main-Gebiet bleiben in diesem Jahr wieder viele Lehrstellen unbesetzt: Im Kreis Offenbach fehlen sieben Bäcker- und Konditoren- sowie acht Bäckereifachverkäufer-Azubis, in Frankfurt sind es zehn Bäcker- und Konditoren sowie zehn Verkaufsazubis. Im Main- und Hochtaunus konnten zwölf Lehrstellen für Bäcker und Konditoren nicht besetzt werden, weitere 15 Stellen für Bäckereifachverkäufer sind noch offen. Schon jetzt müssen Bäckereien dicht machen, weil der Nachwuchs fehlt, warnt Stefan Körber. „Spätestens in 20 Jahren haben wir ein richtiges Problem. Dann sind viele Bäckermeister zu alt und es gibt niemanden, der ihren Betrieb übernimmt.“

Schuld am Nachwuchsmangel der Branche ist laut Bäckerinnungs-Geschäftsführer das schlechte Image. „Die Leute denken an den Bäcker, der mitten in der Nacht aufsteht, 50-Kilo-Mehlsäcke herumschleppt, und am Ende des Monats einen Hungerlohn bekommt. Aber das ist Unsinn“. Zwar gehören das frühe Aufstehen und die Arbeit am Wochenende zum Beruf dazu. Dafür gebe es aber steuerfreie Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge, sagt Körber. „Und selbst kleine Betriebe haben mittlerweile technisch aufgerüstet“.

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Ein weiteres Problem seien die fehlenden Grundkenntnisse vieler Bewerber. „Viele beherrschen nicht einmal die Grundrechenarten. Aber die braucht man in der Backstube, genauso wie handwerkliches Geschick und im Service ein gepflegtes Äußeres“. Wer das mitbringe, dem biete der Job vielfältige Karrierechancen – vom Berufschullehrer bis zum Chef des eigenen Betriebs. „Aber solange wir die Hälfte eines Jahrgangs an die Universitäten verlieren und Eltern ihre Kinder vorm Handwerk warnen, frei nach dem Motto 'Da verdienst du eh nix', dann sehe ich schwarz. Und zwar für das gesamte Handwerk“.

Auch Andreas Schmitt, Geschäftsführer des Café Ernst in Neu-Isenburg, kennt die Problematik. 250 Mitarbeiter beschäftigt der Familienbetrieb, darunter acht Auszubildende. „Für die Konditorenausbildung bekommen wir massig Bewerbungen, damit verbinden viele Kreativität. Für Bäcker und vor allem Verkäufer sind es deutlich weniger“, sagt der 42-Jährige. Vier Lehrstellen für Bäckereifachverkäufer hatte Schmitt frei. Drei Bewerber hatte er zunächst auch gefunden. Übrig geblieben ist einer. „Die Quote der Abbrecher ist leider hoch“, sagt Schmitt. Schuld seien meist falsche Vorstellungen, mangelnde Reife und Eltern, die ihr Kind nicht zum Durchhalten animieren. 

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Dass die Auszubildenden heute weniger qualifiziert seien als früher, verneint der Bäckerei-Chef. „Es gibt Bewerber, die Probleme mit den Grundrechenarten haben. Aber die gab es zu Zeiten meines Vaters und Großvaters auch schon.“ Andreas Schmitt ist optimistisch, dass seine Branche vom aktuellen Boom um regionale, traditionell hergestellte Produkte profitiert. Mehr Wertschätzung, mehr Nachwuchs, so die Hoffnung des Geschäftsführers. Für ihn ist Bäcker und Konditor ein toller Job. „Am Ende des Tages sieht man, was man mit seinen Händen geschaffen hat. Das ist ein sehr gutes Gefühl“, sagt der 42-Jährige. Er rät allen Interessierten, einfach in einer Bäckerei nachzufragen. Manchmal helfe schon ein kurzes Praktikum um später große Brötchen zu backen.

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