Miese Bezahlung ist schuld

Bademeister fehlen: Diesen Job will keiner machen

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Viel Verantwortung: Bademeister Josef Uwe Baumann im Hallenbad Groß-Zimmern. Ab 20. Mai wird er im Freibad Dieburg Dienst schieben.

Region Rhein-Main - Zum Start der Freibadsaison fehlen in vielen Städten und Kommunen Bademeister. Rund 300 Stellen sind in Hessen unbesetzt. Kein Wunder, sagt der Verband. Die Bezahlung ist schlecht, die Verantwortung gewaltig. Von Kristina Bräutigam

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Viele Freibäder in der Rhein-Main-Region sind Anfang Mai in die Saison gestartet, andere öffnen in den nächsten Wochen. In einigen Städten und Kommunen wäre die Freibadsaison jedoch fast ins Wasser gefallen. Der Grund: Es fehlt Fachpersonal. „In Hessen sind mehr als 300 Stellen unbesetzt“, schätzt Horst Lothar Knötig, Vorsitzender des Hessischen Landesverbandes der Schwimmmeister.

Schlechte Bezahlung und die Arbeitszeiten am Wochenende und an Feiertagen seien die Hauptgründe für den Nachwuchsmangel. Durchschnittlich 2100 Euro brutto bekommt ein ausgelernter Fachangestellter für Bäderbetriebe, so die korrekte Bezeichnung des Ausbildungsberufs. „Für das Geld stellt sich heute kein junger Mensch mehr an den Beckenrand und trägt die Verantwortung für hunderte Menschenleben“, sagt Knötig. 

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Wie werde ich...? Bademeister

Ein weiteres Problem: Der Job des Schwimmmeisters ist in den vergangenen 50 Jahren immer anspruchsvoller geworden, Wartung der Technik, Auswerten von Wasserproben, Instandsetzungsarbeiten, die Bestimmung des richtigen Chlorgehalts und PH-Werts sind Pflicht. „Die meisten Leute denken, wir sitzen den ganzen Tag auf unserem Stühlchen und gucken den Damen hinterher. Aber der Job ist hart“, sagt Josef Uwe Baumann, Bademeister im Hallenbad Groß-Zimmern. Ab dem 20. Mai wird er als Zusatzkraft im Freibad Dieburg eingesetzt sein. Das bedeutet: Sechs-Tage-Woche, Schicht- und Wochenenddienst, an heißen Spitzentagen bis zu 2000 Badegäste in drei Becken, Menschen mit Insektenstichen und Hitzschlag, Sprungturm-Vandalen, verärgerte Rentner. 

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„Natürlich passen wir in erster Linie auf, dass niemand ertrinkt. Aber wir müssen auch Psychologen sein. Wer kein Einfühlungsvermögen mitbringt, ist hier fehl am Platz“, sagt Baumann, der als Quereinsteiger zum Job kam. Für die anstehende Hallenbadsaison soll der Familienvater Verstärkung bekommen, die Gemeinde Groß-Zimmern sucht bereits eine Fachkraft für Bäderbetriebe. Andere Städte werben Schwimmmeister aus den Nachbarkommunen ab oder versuchen über Zeitarbeitsfirmen zumindest Rettungsschwimmer für die Freibadsaison zu finden.

Langfristig sei dies keine Lösung gegen den Fachkräftemangel, sagt Landesverbandsvorsitzender Horst Lothar Knötig. „Wir brauchen qualifiziertes Personal. Aber so lange die Städte nicht angemessen bezahlen, sehe ich schwarz.“

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