Anti-Konsum: Fünf Tage Nahrung für kleines Geld 

Anders leben: Essen und Trinken für unter drei Euro am Tag

+
Nur drei Euro stehen Janine Drusche pro Tag zur Verfügung.

Region Rhein-Main – In unserer Reihe „Anders leben“ geht es im Teil eins um günstige Ernährung. Der Versuch: Fünf Tage für unter drei Euro am Tag satt zu werden und dabei möglichst ausgewogen essen. Redakteurin Janine Drusche hat’s probiert. Von Janine Drusche

Lesen Sie dazu auch:
Darum geht's in der Sommerserie

Fairer Handel: Einkauf mit gutem Gewissen nimmt zu

Repair Cafés: Kampf gegen Müll und leere Geldbeutel

Bei meinem Selbsttest geht’s um Verzicht: Dem Massen-Konsum entsagen, sich auf die wesentlichen Nahrungsmittel beschränken und den für uns so selbstverständlichen Supermarkt schätzen lernen. Das Budget für ausgelassenes Einkaufen hat nämlich nicht jeder. In vielen Ländern gibt es nicht einmal Supermärkte. Ich möchte zeigen, wie gut es uns geht: Deshalb werde ich fünf Tage jeweils drei Euro im Portemonnaie haben. Davon muss ich satt werden, am liebsten in Bio-Qualität.

Tag eins: Eine Flasche Wasser für 19 Cent plus Pfand bildet die Grundlage. Nach dem Einkauf – neun Scheiben Brot, Kräuterfrischkäse, eine Stange Lauch, eine Banane, eine Tomate und ein Kirschquark für insgesamt 2,44 Euro – gibt es ein verspätetes Frühstück: Eineinhalb Brote mit Frischkäse und Tomate – nicht bio, das war nicht drin. 

Mit Kochschule und Linienbus: So geht Paris-Urlaub günstig

Ich bin satt, aber habe noch Appetit. Während der Schreibtischarbeit bekomme ich Lust auf etwas Süßes. Also esse ich Banane und Quark. Danach kann ich mir nichts Süßes mehr leisten, denn es musste erst einmal die Grundlage Brot gekauft werden. Während abends meine schwangere Freundin leckere Rühreier isst, kann ich meinen Lauch nur in Frischkäse andünsten und dazu Brot essen. Wenn ich doch nur Salz hätte. Und wie das mit der Psychologie so ist: Natürlich habe ich bis zum Schlafengehen Lust auf Schokolade – nur weil ich sie nicht habe. Und auch das Wasser geht zu Neige. Zum Glück kann ich morgen neues kaufen. Ausgaben: 2,88 Euro. Rest: 0,12 Euro.

Endlich Salz zum Würzen

Tag zwei: Ich habe noch Brot, Frischkäse und den Rest Lauch übrig, plus stolze zwölf Cent. Die Reste gibt’s zum späten Frühstück. In der Mittagspause stiefele ich los, um Nudeln, Thunfisch – in Öl, zum Anbraten – gehackte Tomaten und Salz zu kaufen. Da ich von gestern die zwölf Cent übrig habe, reicht mein Budget sogar für eine Tafel Trauben-Nuss-Schokolade für 59 Cent. Das sieht doch schon viel besser aus als am Vortag. 

Das Auge austricksen: Heimwerker-Tipps für kleine Räume

Die Thunfisch-Nudeln schmecken auch okay. Außerdem bleibt viel übrig, so dass ich morgen eigentlich schon ausgesorgt habe. Das Einzige, was immer noch hinten runter fällt, ist meine Bio-Einstellung. Denn dafür reichen die drei Euro pro Tag bisher nicht aus, wo ich noch Grundlagen schaffen muss. Dafür finde ich zufällig an der Discounter-Kasse 20 Cent beim Kauf einer zweiten Flasche Wasser. Ausgaben: 3,03 Euro. Rest: 0,28 Euro.

Von Tag zu Tag mehr Befriedigung 

Tag drei: Es wird von Tag zu Tag leichter, ja sogar befriedigender mit drei Euro auszukommen: Den Rest Thunfisch vom vorherigen Abendessen gibt’s zum Frühstück aufs Brot, abends wieder Nudeln. Schokolade und Wasser habe ich noch. Ich kann mir zu Mittag also Bio-Jagdwurst, einen Krautsalat, eine zweite Flasche Wasser und einen Schokopudding leisten. Und davon bleibt einiges für den nächsten Tag übrig. Gesamtausgaben: 3,11 Euro. Rest: 0,17 Euro.

Mit Olivenöl und Nagellack: Reparaturtipps für Böden

Tag vier: So langsam gewöhne ich mich daran, habe mir eine Grundlage geschaffen, von der ich zehren kann: Brot, Nudeln, Krautsalat und Schoki sind noch da. Das Budget kann ich also heute mit vollen Händen rauswerfen: Ein Fleischkäsebrötchen vom Supermarkt für 1,50 gibt’s zur Hälfte zum späten Frühstück. Den Rest mit Krautsalat zu Mittag. Dazwischen esse ich einen Schoko-Riegel und zum Abendbrot gibt es wieder einmal Nudeln. Ein Apfel ist auch drin – und zwei Flaschen Wasser. Da eine Pfandflasche zurückgeht, sind die Gesamtausgaben: 3,16 Euro. Rest: 0,01 Euro.

Fotos: Redakteurin im Selbsttest  

Prioritäten setzen 

Tag fünf: Heute Abend endet der Versuch, also 1,50 Euro Budget. Es gibt Reste: Brot, Wurst, Krautsalat, Maxiking-Schokoriegel, einen fertigen Salat, Wasser. Ausgaben: 1,48 Euro. Rest: 0,03 Euro.

Lila im Osten, Orange im Westen - Ideen für den Balkon

Fazit: Man kann mit drei Euro am Tag für Lebensmittel auskommen: Nicht ausgewogen, nicht schön. Bio-Produkte sind selten drin, außer man plant mit 15 Euro für fünf Tage und täglich mit drei Euro. Süßes, leckere Getränke oder Alkohol sind ebenfalls Luxus. Auch Obst, Gemüse oder Salat sind rar gesät, wenn man satt werden will. Es müssen Prioritäten gesetzt werden, ob man gesund, befriedigend oder sättigend essen will. Ich habe mein Ziel erreicht und bin dankbar, dass ich beim Einkauf nicht mehr jeden Cent umdrehen muss.

Das könnte Sie auch interessieren: Designer Radames Eger schneidert für Obdachlose

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare