Andreas D.: Emotionslos nach dem Mord an den Nachbarn

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Eingerahmt von seinen beiden Verteidigern: Der Angeklagte Andreas D. Foto (Archiv): jule

Darmstadt – Seit zwei Monaten steht Andreas D. vor Gericht. Der Babenhäuser soll das Nachbar-Ehepaar erschossen und versucht haben, auch die behinderte Tochter zu töten. Während der 41-Jährige schweigt, haben am Montag Ex-Kollegen des Angeklagten ausgesagt – und nicht alle hatten  Gutes zu sagen. Von Julia Renner

Dunkler Anzug, dunkle Augenringe, ausdrucksloser Blick: Andreas D. sieht aus wie beim Prozessauftakt im Februar (Mehr im Internet unter www.extratipp.com). Auch im Zuschauersaal hat sich nicht viel verändert. Noch immer ist das Interesse groß, noch immer sitzt die Frau des Angeklagten stets in der ersten Reihe.

Am Montag waren Kollegen des Babenhäusers geladen, der als Einkäufer in einer Baufirma arbeitete. Ein Wort nutzten sie alle, wenn der Vorsitzende Richter wissen wollte, was der Angeklagte für ein Mensch sei: Ruhig. Vorstellen könne sich in der Firma niemand, dass er die Morde begangen habe, sagte einer. „Wir glauben das alle nicht.“

Am Montag nach dem Mord – das Ehepaar Toll war an einem Wochenende erschossen worden – hätten sie gefragt: „Ihr wart doch Nachbarn, hast du nix gehört?“ Nein, habe Andreas D. geantwortet. Dass er oft mit Ohrstöpseln geschlafen habe, um den Lärm aus dem Nachbarhaus fernzuhalten, wussten die Kollegen. Mit einigen habe er über die immer wiederkehrenden, merkwürdigen Geräusche und Schreie der Familie Toll gesprochen. Rudolf K. berichtete dem Gericht etwas, „das ihm schon lange auf der Seele brennt“. Am Montag nach dem Mord, der Angeklagte war einer der ersten am Arbeitsplatz, habe er D. mit einem blauen Müllsack gesehen, etwa halb voll. Dem Kollegen kam das seltsam vor. Den Sack habe er danach nie wieder gesehen. Das Gericht interessierte sich jedoch kaum für diese Beobachtung.

Wenig schockiert über Tat

Sehr distanziert äußerte sich eine andere Kollegin. Ob sie sich vorstellen könne, dass D. die Tat begangen habe, wollte der Richter wissen. Während die anderen Kollegen auf diese Frage hin stets den Kopf schüttelten und verneinten, sagte die Zeugin: „Ich kann es nicht beurteilen, ob er es war.“ Gewundert habe sie sich, dass D. beim Gespräch über die getötete Familie „wenig schockiert“ gewesen sei. Und fügte hinzu: „Das soll keine Wertung sein, schließlich geht jeder mit solchen Sachen anders um.“ Ein anderer Kollege sprach davon, dass Andreas D. „emotionslos“ über die Morde gesprochen habe.

Fortgesetzt wird der Prozess am Mittwoch, 27. April, um neun Uhr in Saal drei des Landgerichts.

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