In der EXTRA TIPP Sommerserie geht’s heute um mehr Bewegung

Anders leben - Teil 4: 10.000 Schritte am Tag trotz Bürojob

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10.000 Schritte am Tag müssen doch zu schaffen sein. Redakteurin Sandra Klauß hat’s ausprobiert.

Region Rhein-Main – In unserer Reihe „Anders leben“ hat Online-Redakteurin Sandra Klauß vier Wochen jeden Tag mindestens 10.000 Schritte gemacht. Gerade Menschen, die acht Stunden pro Tag im Büro sitzen, sollten diesen Ausgleich schaffen. Aber ist das überhaupt machbar? Von Sandra Klauß

Die Kollegen sehnen den Feierabend herbei, ich dagegen mein persönliches Feuerwerk. In blau, grün und rot explodieren die Raketen und rieseln in kleinen Pixeln über das Display an meinem Handgelenk. Damit ich das Spektakel nicht verpasse, kündigt es sich mit einem leichten Vibrieren an. Schrittziel für diesen Tag erreicht. Das muss gefeiert werden. Wenn auch nur digital. Mein Hausarzt hat mir 10.000 Schritte pro Tag als Ausgleich zu meinem Bürojob ans Herz gelegt – „zur Vorbeugung von chronischen Krankheiten, für mehr Fitness und mehr Wohlbefinden“. Auch im Internet kursiert diese magische Zahl. Allein Google spuckt mir zu diesem Suchbegriff 394.000 Ergebnisse aus.

Der Wächter über meine Schritte: Die Smartwatch Vivoactive. 

Als ich mir meine Smartwatch vor ein paar Wochen kaufte, war die Idee zu unserer „Anders leben“-Reihe noch gar nicht geboren. Ich war nur neugierig, wie viel ich mich eigentlich wirklich bewege. Der integrierte Schrittzähler erfasst unter anderem meine Bewegungen und ermittelt die zurückgelegte Distanz. Aufstehen, arbeiten, abends kurz einkaufen, dann nach Hause. Ich komme auf etwa 5000 Schritte; wenn ich am Wochenende ausnahmsweise einen Tag nur auf der Couch lümmle sind es noch nicht mal 3000. Da geht noch was. Herausforderung angenommen. Mein Projekt für „Anders leben“ kann starten.

Als erste Amtshandlung ziehe ich jeden Morgen die Smartwatch an, noch bevor ich das Bett verlasse. Ich will keinen Schritt ungezählt lassen. Zehn sind’s bis ins Bad, 15 bis in die Küche, zum Auto kommen später nochmal 57 dazu. Bis dahin zeigt die Uhr aber meistens schon einige hundert Schritte mehr an. Während des Zähneputzens wirbele ich zur Musik aus dem Radio durch Bad und Flur. Auch Tanzschritte zählen. So macht’s Spaß.

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In der Redaktion verzichte ich auf den täglichen Gang mit den Kollegen in die Kantine. Ich ernte wissende, teilweise auch mitleidige Blicke. Es ist kein Geheimnis, warum ich nicht mitkomme. Ich lege stattdessen etwas ein, was meine Kollegin „bewegte Mittagspause“ nennt. Ich gehe täglich eine halbe Stunde spazieren und esse später am Schreibtisch. Die Anzeige auf meiner Uhr belohnt mich allein dafür mit fast 3500 zusätzlichen Zähl-Schritten.

Die Kollegen sehen mich jetzt öfters

Die Kollegen bekommen mich ab sofort auch öfter zu Gesicht. Ich telefoniere weniger mit ihnen, schreibe seltener E-Mails und rufe nicht mehr quer durchs Großraumbüro. „Aufstehen und hingehen“ lautet jetzt die Devise. Auch wenn das nur 20 Schritte sind. Jede Bewegung ist gut. Außerdem klärt sich vieles schneller, wenn man sich direkt unterhält. „Läuft bei dir!“, kommentiert eine Kollegin. Recht hat sie. Manchmal sogar mehr, als mir lieb ist.

Auch das Auto will helfen - und streikt. 

Wie an Tag vier meines Experiments. Ich erhalte unerwartete Unterstützung. Mein Auto streikt. Während ich abends eine halbe Stunde auf den Abschleppdienst warte, laufe ich die Straße auf und ab. Fast ist mir, als höre ich meinen Schrittzähler leise jubeln, während mein Geldbeutel im Gedanken an die Werkstattrechnung vor sich hin wimmert. Alles hat Vor- und Nachteile. Meine Smartwatch zeigt abends 15.297 Schritte an.

Am nächsten Tag fahre ich mit S-Bahn und Bus in die Redaktion und auf gleiche Weise auch in die Werkstatt, um mein Auto zu holen. Ich steige eine Station früher aus und laufe die restliche Strecke. Es wird mein bewegungsreichster Tag mit über 17.000 Schritten. Den Rekord habe ich mir – wortwörtlich – teuer erarbeitet. Ich werfe meinem Auto einen bösen Blick zu und stecke die Rechnung für die Reperatur rein. Nach Feierabend müssen meine Mitbewohner manchmal als Trainingspartner herhalten, wenn die ersehnte Feuerwerk-Anzeige bislang ausgeblieben ist. Ein gemeinsamer Abendspaziergang entspannt und gibt Schritte. Außerdem ist es eine wunderbare Gelegenheit, sich mal wieder richtig zu unterhalten.

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In der zweiten Woche habe ich mich so an die Smartwatch an meinem Handgelenk gewöhnt, dass ich sie oft gar nicht mehr bewusst wahrnehme. Wenn ich zu lange ruhig sitze, bringt sie sich deshalb selbst in Erinnerung und vibriert. „Los“ steht im Display. Die nette Variante von „Bekomm’ deinen Hintern wieder hoch“. Wenn ich mich jetzt mindestens eine Minute bewege, blinkt sie zufrieden und löscht den Inaktivitäts-Status. 

Mit Humor geht alles einfacher

Dreimal rettet mich dieses Vibrieren abends davor, mein 10.000-Schritte-Ziel nicht zu erreichen. Ich war mit den Gedanken nach Feierabend ganz woanders. Zum Rausgehen habe ich keine Lust mehr. Ich schalte den Fernseher ein. Während auf dem Bildschirm eine Sitcom flimmert, laufe ich um den Wohnzimmertisch. Das ist auch eine Variante, die noch fehlenden Schritte zu sammeln. Mein Mitbewohner kommt rein und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Er weiß sofort, was los ist. Ich ziehe eine Grimasse und stapfe demonstrativ schneller um den Tisch. Wir müssen beide Lachen.

Nach vier Wochen habe ich zwar das „Anders Leben“-Experiment erfolgreich hinter mich gebracht, die 10.000 Schritte und ich sind aber noch nicht fertig miteinander. Die Bewegung hat mir wirklich gut getan, sogar die Waage zeigt zweieinhalb Kilo weniger an. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, war es gar nicht so schwer, mehr Bewegung in meinen Alltag einzubauen. Hier ein paar Schritte mehr, da mal ein kleiner Gang. Das summiert sich.

Mit zunehmender Schrittzahl ist auch meine Laune gestiegen. Oft lag das aber auch an den Nebeneffekten: Ich habe auf meinen Spaziergängen neue Ecken entdeckt, die frische Luft genossen, nett geplaudert. Ich lauf’ weiter.

Und hier geht‘s zu Teil drei der Sommerreihe: "Freiheit für die Füße"

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