EXTRA TIPP-Sommerserie: Sieben Tage die gleichen Klamotten

Serien-Ende „Anders Leben“: Täglich dunkle Jeans und weißes Top

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Welches Top wird’s heute: Weiß, weiß oder doch weiß? Volontärin Katrin Greschner hat´s einfach bei der Klamottenauswahl.

Region Rhein-Main –Der Schrank ist voll und trotzdem gibt’s nichts anzuziehen: Ein alltägliches Problem, das besonders Frauen kennen. Was passiert, wenn man eine Woche das Gleiche trägt, hat EXTRA TIPP-Volontärin Katrin Greschner im letzten Teil unserer Sommer-Serie „Anders leben“ getestet. Von Katrin Greschner

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Ich suche den Eingang der Moschee, die eröffnet werden soll. Ich laufe planlos an weißen Partyzelten vorbei. Um mich herum vorwurfsvolle Blicke komplett verhüllter Frauen: „Sie müssen durch den Männereingang“. Ich fühle mich unwohl, mein Top bedeckt nicht einmal die Schultern. Normalerweise vermeide ich es, unpassend gekleidet zu sein. Erst recht in der Kirche. Der Kalif, das religiöse Oberhaupt, wirft mir finstere Blicke zu. Aber vielleicht guckt er auch immer so. Im Zelt bin ich umzingelt von festlich angezogenen Menschen. Neben mir ein Pressekollege in kurzer Hose und braunem Shirt. Zumindest er gibt mir das Gefühl, nicht als Einzige unpassend gekleidet zu sein.

Genau wie ich verbringt die europäische Durchschnitts-Frau laut Umfragen täglich 15 Minuten vor dem Kleiderschrank. Doch für eine Woche soll mit dieser Zeitverschwendung Schluss sein: Weißes Spaghetti-Top, dunkelblaue Jeans und schwarze Ballerinas. Dazu Perlenohrringe, eine Halskette und eine blau-weiß gestreifte Handtasche – mein Outfit für sieben Tage.

Auch am nächsten Tag bin ich unzufrieden mit meinem Outfit. Mir fehlt Farbe, und eine Jacke. Es ist kalt. Ich flüchte ins Auto und stelle die Heizung an. Kaum im Büro angekommen, wird gelüftet. Ich friere erneut, aber halte durch. Zumindest beim Mittagsspaziergang ist es sonnig und es scheint vorerst, als hätte ich mich doch für das richtige Outfit entschieden. Aber bald wird mir warm in langen Jeans und ich sehne mich nach offenen Schuhen.

Am Abend koche ich Suppe, aber ohne Schürze. Darauf folgt meine Lieblings-Soap. Aber auch die gemütliche Jogginghose bleibt mir verwehrt und so sitze ich kerzengrade auf der Couch. Neidisch betrachte ich die Outfits der Darsteller. Shopping-Laune kommt auf. Doch Einkaufen ist verboten, denn dazu müsste ich etwas anprobieren und das ist tabu. Ich habe keine Lust auf den Umtausch und verdränge den Gedanken.

Mein Schrank schreit mich an: „Öffne mich!“

Nach ein paar Tagen vermisse ich den Inhalt meines Schrankes. Immer öfter kommen mir meine Sommerkleider in den Sinn, die ich in letzter Zeit viel zu selten tragen konnte. Mein Schrank schreit mich an: „Öffne mich!“ Ich kann widerstehen. Zumindest vorerst, denn für ein Gruppenfoto auf der Arbeit ziehe ich ausnahmsweise eine dunkelblaue Bluse über. Ich fühle mich wohl im schicken Oberteil. Gleich danach werde ich jedoch ermahnt, das gute Stück wieder abzulegen. Ich merke: Für verschiedene Anlässe braucht man auch verschiedene Outfits.

Immer wieder mache ich mir Gedanken darüber, ob anderen Menschen mein Einheitslook auffällt. Mein Freund merkt zumindest nichts – Männer eben. Zu seiner Verteidigung hat er wenig zu sagen. Einzig mit: „Du siehst immer gut aus, egal was du trägst“, versucht er es. Nur die ungewöhnliche Menge an weißer Wäsche sorgt für Beachtung: „Das sind aber viele weiße Tops“. „Ja, warum wohl?“, denke ich.

Korrekt gekleidet - Ökologisch und fair shoppen

Am Wochenende geht’s ins Stadion zum Summer Game zwischen Frankfurt und Kassel. Im Internet wird angekündigt: Handtaschen, größer als A4, sind verboten. Ich betrachte meine Tasche. Wird schon gehen, muss ja. Sportlich bin ich nicht gekleidet, aber ein Trikot gehört sowieso nicht zu meinem Schrank-Inventar. Ich merke schnell: Die blaue Jeans ist bei 30 Grad wieder mal ungünstig. Der Fußmarsch zum Stadion verläuft schleppend. Am Sonntag ist es nicht kühler, im Gegenteil. Die Sonne knallt auf meinen Balkon und ich flüchte nach drinnen. Am liebsten hätte ich mich im Schwimmbad abgekühlt, aber auch das ist tabu.

Soll ich den Spagat in Jeans wagen?

Am letzten Tag in Einheitskleidung verspüre ich Vorfreude. Endlich wieder tragen, was ich will. Auf dem Weg zur Arbeit liegt eine schwarze Handtasche neben dem Bürgersteig. Sehr merkwürdig. Aber ich bin mir sicher, nicht halluziniert zu haben. In der Redaktion schweife ich öfter ab. Ich überlege mir Outfits, die ich am nächsten Tag tragen könnte und denke wieder an meine Sommerkleider. Ein Graus wäre dieses Experiment sicher auch für das „greise Modesternchen“ Iris Apfel, die kürzlich ihren 95. feierte. 

Am Abend steht die letzte Herausforderung an: Das Garde-Training. Mein Coach blickt mich entgeistert an, als ich in Jeans meine Aufwärm-Runden laufe. Um Knöchelbrüchen vorzubeugen ziehe ich die Ballerinas aus. Die Mädels sind verwirrt. Ich überlege: Spagat in Jeans? Könnte schwierig werden. Ich weiche doch lieber auf Leggins aus. Aber auch die vier neuerstandenen Sport-Tops kommen nicht zum Einsatz. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Im Anschluss treffen sich die Mädels auf einer Feier im Garten. Es wird kälter und sie fragen mich: „Ist dir nicht kalt?“ Ich erkläre mein „Anders leben“-Experiment. Sie raten mir zu schummeln: „Merkt doch keiner“. Aber ich halte durch. Ob die Ü-50-Modebloggerin Renate Zott, über die der EXTRA TIPP kürzlich berichtete, auch durchgehalten hätte?

Eins ist nach dieser Woche klar: Für die nächste Zeit werden sämtliche weiße Tops und die Ballerinas in die hinterste Ecke des Kleiderschranks verbannt. Für alle Anlässe ein Outfit – unmöglich. In der vergangenen Woche habe ich selten Zeit gewonnen. Viel eher habe ich sie an anderer Stelle vertrödelt. Durch das Shoppingverbot habe ich vielleicht Geld gespart, aber auf längere Dauer hätte ich die monotone Kleidung nicht mehr ausgehalten, denn ich liebe die Abwechslung und vor allem bunte Farben.

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