Areal mit 36 Tagfalter-Arten

Auf der Suche nach Schmetterlingen am Großen Feldberg

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Der Schmetterling wird nach einer kurzen Begutachtung gleich wieder freigelassen.

Schmitten - Alfred Westenberger kämpft sein Leben lang für die Schmetterlinge. Insbesondere eine Wiese unterhalb des Großen Feldberges mit 36 Tagfalter-Arten hat es ihm angetan. Dort sorgt er für den Aufkauf des Areals für den Naturschutz. Von Axel Grysczyk

Alfred Westenberger begutachtet einen Schmetterling und lässt ihn wieder frei.

Alfred Westenberger streunt durch die Reifenberger Wiese gleich neben dem Hotel Weilquelle unweit des Großen Feldberges. Das Gras mit dem vereinzelten Blumen – dem Rotklee, der Weißen Waldhyazinthe oder dem Großen Sauerampfer – reicht ihm bis an die Knie. Sein Blick wandert entlang der Gräser, bei den violett oder blau blühenden Pflanzen bleibt er länger mit dem Blick hängen. Plötzlich schnellt sein Zeigefinger nach vorne: „Da, ein kleiner Fuchs!“ Nur kurze Zeit später bricht er seinen Satz ab, dreht den Kopf, denn der 69-Jährige hat ein Weißbindiges Wiesenvögelchen entdeckt.

Der Trampelpfad auf der Wiese in dem Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet führt bergab in Richtung Reifenberg. Unzählige Male ist er den Weg schon bergab gelaufen, immer auf der Suche nach Schmetterlingen. An einem Tag hat er einmal 22 Arten festgestellt. Seit 1972 pilgert er auf die Magerwiese. Zunächst war er weiter in Richtung Hotel Rotes Kreuz aktiv. Dann wurde das dortige Areal zum Naturschutzgebiet. Westenberger zieht es weiter in Richtung Weilquelle. Dort wird er auf den Reifenberger Wiesen auf der Suche nach vielen Schmetterlings-Arten fündig. Der Beginn einer innigen Beziehung.

Auf der Suche nach Schmetterlingen am Großen Feldberg

Der Star auf der Wiese ist der Lilagold Feuerfalter. Er verändert seine Flügelfarbe mit der Sonneneinstrahlung. Für diesen Blick gibt Westenberger alles.Als der ehemalige Verwaltungsbeamte am vergangenen Donnerstag am späten Vormittag über die 5,5 Hektar Wiese streunt, findet er ihn nicht. Die Zeit sei gut. Schmetterlinge fliegen erst ab elf Uhr, erst dann ist genug Sonne da. Aber der Regen in den vergangenen Wochen hat dafür gesorgt, dass die Schmetterlinge wohl erst ein wenig später im Jahr fliegen. Dafür erkennt er unzählige Grünwidderchen, Kleiner Feuerfalter und viele mehr. Er erkennt, ob es ein Männchen oder Weibchen ist oder ob sie frisch geschlüpft sind. Sein Wissen ist unerschöpflich. Zwei Bücher hat er über die heimische Schmetterlingswelt geschrieben. Doch ab 2005 wollte er mehr. Diese Schmetterlingswelt für die Nachwelt erhalten.

Schmetterlingen für immer eine Heimat geben

Ein Grünwidderchen beackert eine Blüte.

Von 2005 bis 2010 erfasste er alle Falter und stellte fest, dass es auf dem Areal 36 Tagfalter-Arten gibt. Dann bemerkte er, dass viele Schmetterlinge keine Überlebenschance haben, weil viel zu früh im Sommer die Wiese komplett gemäht wird. Nachdem er das Regierungspräsidium und die Obere Natuschutzbehörde überzeugt hatte, wird jetzt frühstens Anfang August gemäht. Damit nicht genug. Vor rund zwei Jahren hat er den Verein Naturefund aus Wiesbaden für seine Schmetterlings-Wiese begeistern können. 

Geschäftsführerin Katja Wiese sagte zu, Grundstücke aus dem Areal aufzukaufen und sie anschließend dem Naturschutz zur Verfügung zu stellen. Westenberger: „Das Problem ist, dass es 27 Eigentümer gibt, teilweise Erbengemeinschaften, die weltweit verstreut sind.“ Westenberger ist beharrlich. 2500 Quadratmeter sind bereits aufgekauft, zwei Grundstücke sind schon beim Notar, drei weitere „ sind in der Mache.“ Ziel sei es, mindestens die Hälfte des Areals aufzukaufen. Dann hätten die Schmetterlinge für immer eine Heimat.

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Fotos: Die Preisverleihung der Citoyenne 2016

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