Zwischen Schmerzen und Selbstbehandlung

Albtraum Zahnarzt: Wenn die Angst gefährlich wird

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Auf dem Behandlungsstuhl fühlen sich viele Patienten ausgeliefert.

Region Rhein-Main – Herzrasen, Schweißausbrüche, Panikattacken: Aus Angst vor dem Zahnarzt nehmen Betroffene die schlimmsten Schmerzen in Kauf. Dabei sind viele Zahnärzte im Rhein-Main-Gebiet auf solche Fälle spezialisiert. Von Dirk Beutel

Panik und Aufregung gehören zum Alltag in Zahnarzt-Praxen. Wenn die Angst vor Bohrer, Sauger und Spritzen aber extreme Ausmaße annimmt, werden sogar die schlimmsten Schmerzen in Kauf genommen, um einen Besuch beim Zahnarzt zu vermeiden. Das kann gravierende Folgen für die Gesundheit haben: Chronische Entzündungen am Zahnfleisch an der Zahnwurzel, Parodontose, vereiterte Kiefer, bis hin zum Zahnverlust und ausstrahlenden Schmerzen. Nicht selten bedroht die Keimbelastung im Mund den ganzen Körper.

Wer eine auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisierte Praxis sucht, kann die Zahnarztsuche auf www.lzkh.de nutzen oder die kostenlose Beratung der Landeszahnärztekammer Hessen unter  (069) 427275169 anwählen

Der Leidensdruck ist sogar so groß, dass die Betroffenen ihre Zähne mit der Nagelfeile behandeln oder abgebrochene Zähne mit Sekundenkleber ankleben. „Die Extremfälle suchen selbst bei stärksten Schmerzen keine Praxis mehr auf“, sagt Michael Frank, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen anlässlich des morgigen Tages der Zahngesundheit. Doch mittlerweile gibt es eine Reihe von Zahnärzten, die sich auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert haben. So wie die Praxis von Octavia Rosner und ihrer Tochter Gloria Förster in Offenbach. Einige ihrer Patienten waren zum Teil seit Jahrzehnten nicht bei einem Zahnarzt, einige noch nie.

Es darf keine Überraschungen geben

„Zu den Schmerzen kommt noch eine gehörige Portion Schamgefühl vor dem Zahnarzt obendrauf“, sagt Gloria Förster. „Dabei sind sich die Patienten nicht im Klaren darüber, dass Zahnärzte in der Regel schon alles gesehen haben.“ Das Wichtigste bei Angst-Patienten: Vertrauen und Einfühlungsvermögen. „Es darf keine Überraschungen geben. Wenn das nicht vorhanden ist, kommt der Patient nicht wieder“, sagt der Frankfurter Zahnarzt Giesbert Schulz-Freywald. Deshalb müsse man sich viel Zeit für das erste Gespräch nehmen. „Die anschließenden Behandlungen werden dann in mehreren Schritten gemacht“, sagt Förster. Entscheidend dabei sei, dass man immer auf die Bedürfnisse des Patienten eingeht.

Eltern haben Vorbildfunktion für ihre Kinder

„Oft entstehen solche Ängste durch schlechte Schmerz-Erfahrungen“, sagt Steffani Janko, Zahnmedizinerin am Frankfurter Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. „In Kombination mit dem Gefühl des Ausgeliefert-Seins kann das für den Betroffenen zur Katastrophe werden.“ Den Ursprung für diese panischen Ängste finden sich meist in der Kindheit: „Da ist es an den Eltern, dass sie den Zahnarztbesuch weder verteufeln noch von negativen Erlebnissen erzählen“, sagt Förster. Denn: Nicht nur Technik und Anästhesie haben sich verbessert, auch die Zahnärzte selbst gehen sensibler mit dem Thema um, allen voran die Spezialisten. Schulz-Freywald: „Angst vor dem Zahnarzt muss heute niemand mehr haben“

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