Fußgänger rufen zum Kampf auf

„Radfahrern auf Fußwegen nicht aus dem Weg gehen!“

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Viele Fahrradfahrer wirken rücksichtslos, wenn sie plötzlich von hinten angefahren kommen oder nur knapp an Fußgängern vorbei rauschen.

Region Rhein-Main  Radfahrer verursachen durch Unachtsamkeit immer wieder Unfälle im Straßenverkehr. Die ständigen Regelverstöße ärgern Bernd Irrgang, Vorsitzender des Bundes der Fußgänger in Frankfurt: Er hat nun genug und ruft zum Kampf für die Fußgängerwege auf. Von Janine Drusche

„Die Fahrradfahrer werden immer rücksichtsloser: 90 Prozent missachten auf der Straße die Verkehrsregeln“, ärgert sich Bernd Irrgang, Bundesvorsitzender des Bundes der Fußgänger in Frankfurt. „Wenn sich Autofahrer so verhalten würden, müsste man den Pkw-Verkehr verbieten.“ Im Frühjahr berichtet die Polizei im Rhein-Main-Gebiet wieder vermehrt von Unfällen und Schäden, verursacht durch Fahrradfahrer. Laut Polizei radeln immer wieder Personen umher, ohne sich um die Verkehrsregeln zu scheren – und das, obwohl sie sich im Straßenverkehr befinden. So habe Mitte Mai beispielsweise ein Radfahrer in Friedrichsdorf eine rote Ampel ignoriert, sei gegen ein Auto gefahren und habe daran einen Schaden von 5000 Euro verursacht. In Frankfurt Niederrad schlängelte sich ein Jugendlicher im Straßenverkehr mit dem Rad abwechselnd zwischen Autos und dem Gehweg entlang. Als er plötzlich wieder auf die Straße abbog, sei er – selbst verschuldet – mit einem Auto zusammengeprallt. Er verbrachte seinen 17. Geburtstag im Krankenhaus.

Irrgang hat nun die Nase voll von dem rücksichtslosen Verhalten: „Radfahrer genießen Narrenfreiheit: Das Ordnungsamt und die Polizei sind angehalten, nicht zu streng zu sein, da jeder Fahrradfahrer hilft, die Feinstaubwerte zu senken.“ Jetzt reicht es dem Vorsitzenden, es müsse sich endlich etwas ändern, sagt Irrgang und ruft Fußgänger dazu auf, ihre „letzten freien“ Gehwege, zu verteidigen.

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„Fußgänger sollten sich nicht schmal machen, wenn jemand auf dem Fahrrad auftaucht und drängelt. Es heißt immer, man müsse sich arrangieren, aber das stimmt nicht. Wir müssen auf unsere Gehwege pochen – und Fahrradfahrern nicht aus dem Weg gehen!“ Der Bund der Fußgänger propagiert seit 20 Jahren eine Kennzeichen-Pflicht für Fahrräder sowie eine Registrierung beim Kauf des Drahtesels. So könnte der Missbrauch der Verkehrsregeln geahndet und bestraft werden. Irrgang sagt außerdem: „Wenn mehr Leute bei unverschämten Radfahrern Anzeige gegen unbekannt erstatten würden, dann müsste die Polizei irgendwann mal handeln. Es kann nicht sein, dass die Fahrradfahrer ihren Frust, weil sie von Autos von der Straße gedrängt werden, an Fußgängern auslassen und pausenlos die Regeln brechen.“

Auch Olaf Behnel vom ADAC Hessen-Thüringen beobachtet oft, dass Radfahrer gegen die Einbahnstraße oder über rote Ampeln fahren und das zu Unfällen führt. „Das passiert immer wieder“, sagt er.

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Das gehe, laut Irrgang, so weit, dass sich manche ältere Leute nicht mehr vor die Tür trauen: „Weil Fahrradfahrer so rücksichtslos auf den Bürgersteigen fahren, die Menschen vom Weg abdrängen und sie erschrecken oder aus dem Nichts angesaust kommen.“

Währenddessen sieht Torsten Willner vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Frankfurt das Problem im mangelnden Platz. Die Aufteilung der Verkehrsflächen sei unfair, der Radfahrer in der Praxis kein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Die Ausweisung von mehr Radwegen würde, so Willner, das Problem minimieren. Unterdessen „arbeiten wir auch mit Fußgängerverbänden zusammen und werben für gegenseitige Rücksichtnahme.“

Lesen sie dazu auch den Kommentar von Janine Drusche


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