Der zweijährige „Boy Collins“ macht Tierphysiotherapeutin Anke Kutscha einige Sorgen. Das englische Vollblut hat eine Schwellung am rechten Vorderbein. Kutscha packt zwei Blutegel aus und setzt sie an der Stelle an. Die beiden Blutegel beißen gleich an, saugen Blut und sorgen gleichzeitig durch ihren Speichel für eine baldige Wundheilung.
Markus Münch hält während der etwa halbstündigen Behandlung das Pferd still. Mit seinem Tor 1996 hielt er Bayer Leverkusen in der Ersten Fußball-Bundesliga. Mit Panathinaikos Athen spielte er in der Champions League und feierte dort Pokalsieg und Meisterschaft. Heute züchtet und trainiert der ehemalige Fußballprofi Rennpferde und besitzt seit knapp zwei Jahren einen Pferderennstall. Das sei aber nichts ungewöhnliches. Auch Werder Bremens Manager Klaus Allofs und Stürmer Claudio Pizzaro besitzen Rennpferde.
Ein Trainer, aber kein guter Reiter
Die Arbeit und das tägliche Training ist für Münch eine echte Erfüllung. Auch wenn ihn das Zockerimage in Deutschland etwas stört. Das ist in England und Frankreich anders. Natürlich gehöre das Wetten dazu, doch der Sport dürfe nicht darunter leiden, sondern solle vielmehr ein Familienereignis sein, mit etwas mehr Fernsehpräsenz. Dass etwa im vergangenen Jahr ein deutsches Pferd eines der wichtigsten Pferderennen, den Prix de l'Arc de Triomphe, gewonnen habe, habe hierzulande niemand mitbekommen.
Mit dem 1. April startet die Saison auf der Galopprennbahn in Frankfurt, in deren unmittelbarer Nähe Münchs Rennstall mit 27 Boxen und elf Pferden seinen Sitz hat. Noch sei es für seine Vollblüter aber zu früh. Sie werden ihre Wettkämpfe wahrscheinlich erst ab Mai bekommen.
Fußball beobachtet Münch weiterhin, zumindest privat: „Vor allem die Champions- League-Spiele schaue ich mir gerne an“. Bundesligapartien sind nicht mehr so wichtig für ihn. Trotzdem schlägt sein Herz für Bayern München. Auch wenn es im aktuellen Kampf um die Meisterschaft geht, wo Borussia Dortmund die Nase vorn hat: „Ich bin zwar neutral, aber mir ist rot immer noch lieber als gelb.“


© dbZwei Blutegel behandeln die Schwellung bei Profirennpferd „Boy Collins“.

















