Diplom-Ingenieur Sönke Ohls möchte Schülern frühzeitig Berührungsängste vor der Technik nehmen

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    • 19.05.12
    • RheinMain
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Lückenschluss mit Baukasten

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Region Rhein-Main – Der großen Lücke zwischen Schule und Berufspraxis hat Sönke Ohls den Kampf angesagt. Der Diplom-Ingenieur hält ehrenamtlich Vorträge in Gymnasien und versucht bei Grundschülern gar nicht erst die Angst vor der Technik entstehen zu lassen. Von Norman Körtge

Sönke Ohls lässt sich von Jana und Luca erklären, wie ihre aus Fischertechnik-Teilen konstruierte Wäscheschleuder-Vorrichtung funktioniert.

© nkö

Sönke Ohls lässt sich von Jana und Luca erklären, wie ihre aus Fischertechnik-Teilen konstruierte Wäscheschleuder-Vorrichtung funktioniert.

Namensschilder basteln ist selbst für die Zwölftklässler der Feldbergschule in Oberursel gar nicht so einfach – vor allem unter den kritischen Augen von Sönke Ohls. Denn nur ein Blatt Papier falten ist bei dem Diplom-Ingenieur nicht drin. Sie müssen schon stabil sein und dürfen auch bei Belastung nicht einknicken. Um zu zeigen, wie es mit ausgeklügelten Mitteln gelingt, hat Ohls für jeden Schüler ein Bastelset mitgebracht, aus dem Schritt für Schritt ein Profi-Schild entsteht. „So demonstriere ich auf einfache Art die Arbeit eines Ingenieurs, der ein Produkt plant, das anschließend in die Serienproduktion geht“, erzählt Ohls, der bei Opel in Rüsselsheim als Gruppenleiter im Quality Engineering verantwortlich ist für die Anlieferungsqualität der elektrischen und elektronischen Fahrzeugkomponenten. Damit verdient der 34-Jährige sein Geld.

Ein Professor der Fahrzeugtechnik überzeugte auch Ohls in der Schule

Gänzlich ehrenamtlich ist sein 90-minütiger Auftritt im Namen des VDI-Arbeitskreises „Jugend & Technik“ an der Feldbergschule, um einen Einblick in ein technisches Berufsleben zu geben, was den meisten Lehrern so nicht möglich ist. „Ich bin sehr gerne Ingenieur“, erzählt Ohls, der nicht weiß, was für einen Beruf er ergriffen hätte, wenn nicht vor vielen Jahren ein engagierter Professor der Fahrzeugtechnik zu ihm ins Gymnasium gekommen wäre, und ihm aufgezeigt hätte, was man mit so einem Studium alles machen kann. „Ab da wusste ich, was ich werden will. Das gab mir als Jugendlicher eine Richtung, ein Ziel“, erinnert er sich. So studierte Ohls nach seinem Abi an der FH in Frankfurt Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik und entwickelte im Rahmen seiner Diplomarbeit bei Mazda Software für ein Motorsteuergerät, bevor er schließlich bei Opel in Rüsselsheim als Projektmanager in der Motorsteuergeräteentwicklung anfing.

Er will für Traumjob begeistern

„Viele Menschen scheuen sich Technik und Naturwissenschaft durch Ausprobieren zu entdecken“, hat der Ingenieur beobachtet. Nun hofft Ohls, dass durch sein Ehrenamt der Funke bei den Schülern ebenfalls zündet und sie ihren Traumjob finden – vielleicht sogar selbst Ingenieur werden und den immer wieder beklagten Fachkräftemangel reduzieren. Und der Findungsprozess sollte früh anfangen. „Es kann doch nicht sein, dass man 13 Jahre in die Schule geht und dann in wenigen Tagen entscheidet, welchen Beruf man ergreifen möchte“, meint Ohls. Um Schüler möglichst früh für Technik zu interessieren und gar nicht erst Berührungsängste aufkommen zu lassen, verleiht VDI-Mann Ohls Fischertechnik-Baukästen an Schulen.

Zu den ersten, die dieses kostenlose Angebot ausprobierten, gehört die Klasse 4a der Carl-Orff-Schule in Rodgau. Stolz präsentieren die Schüler die Funktion ihrer zusammengesteckten Kräne, Schwenkbrücken, solarbetriebenen Radfahrer und Mini-Haustüren mit Alarmanlagen. Heraussticht die aus Wellen, Zahnrädern und Steckverbindungen zusammen gebaute und von einem Elektromotor angetriebene Wäscheschleuder von Jana und Luca. Nicht, weil sie zum Befestigen der Puppenkleider Haarklämmerchen benutzt haben, sondern weil sie ihre Freiluft-Wäscheschleuder ohne vorgegeben Bauplan nach eigener Vorstellung konstruierten. „Wir hatten die Idee und haben ausprobiert, bis es funktionierte“, erzählt Jana.

Schulleiterin und Lehrerin Sabine Döring ist froh, dass sie mit den Baukästen im Sachunterricht den Sprung ins kalte Wasser gewagt hat. „Die Entwicklung war enorm“, berichtet sie von der Teamarbeit. Gegenseitig halfen sich ihre Schüler weiter und tauschten Ideen aus. „Das hätte ich mit Tafelanschriften nicht erreicht“, meint Döring. Besonders freut es sie, dass lernschwache Schüler beim Ausprobieren und Tüfteln richtig in dieser Arbeit aufgegangen sind.

„Können wir die Baukästen behalten?“, fragen gleich mehrere Schüler. Eine Frage, die Sönke Ohls verneinen muss, schließlich sollen auch andere Schüler die Technik ausprobieren. Ihn freut diese Nachfrage aber ungemein: Zeigt sie doch, dass die Zehn- und Elfjährigen offensichtlich Feuer und Flamme für Technik sind. Sein Funke hat gezündet.

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