Hochtaunuskreis Modellregion Integration: Fall-Managerin Özge Erkaner im Interview

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    • 31.03.12
    • RheinMain
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Taunus – Der Hochtaunuskreis ist seit 2010 Modellregion Integration. Eines der Projekte ist das Case-Management, das von Diplompädagogin Özge Erkaner koordiniert wird. Die 28-Jährige betreut 31 Familien mit Migrationshintergrund, die Hartz IV beziehen. Ein Ziel: Jugendlichen Perspektiven geben. Von Norman Körtge

Özge Erkaner an ihrem Arbeitsplatz in der Kreisverwaltung in Bad Homburg. Oft ist sie allerdings bei Familien im Hochtaunuskreis zu Gast. nkö

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Özge Erkaner an ihrem Arbeitsplatz in der Kreisverwaltung in Bad Homburg. Oft ist sie allerdings bei Familien im Hochtaunuskreis zu Gast.

Insgesamt sind es 190 Personen, die Erkaner betreut – vom Baby bis zum über 60-Jährigen. Im Einsatz ist sie in Friedrichsdorf, Oberursel, Steinbach, Neu-Anspach.

Was genau ist das Neue an Ihrem Projekt?

Dass es von der Verwaltung ausgeht und nicht von einem freien Träger. Es ist ein freiwilliges und ganzheitliches Angebot für die komplette Familie, bei dem ich zu den Menschen gehe. Ich bin Familienberaterin, Sozialpädagogin und Anwältin zugleich.

Hat es Ihnen dabei geholfen, dass Sie selber einen Migrationshintergrund haben?

Auf jeden Fall. Das war sehr hilfreich. ‚Sie ist eine von uns‘ denken viele. Und als Muslimin kenne ich auch die kulturellen Hintergründe besser.

Können Sie deshalb auch eher mit den Leuten Klartext reden?

Ja. Ich spreche ganz offen aber rücksichtsvoll an, wenn zum Beispiel der Mann nicht will, dass seine Frau arbeiten geht. Oder dass ein Kopftuch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hinderlich sein kann.

Was sind dabei Ihre Argumente?

Zum Beispiel kann man für die Frau einen Arbeitsplatz suchen, mit dem der Mann keine Probleme hat. Etwa was mit Kindern. Und ich sage auch, dass man religiös sein kann, ohne am Arbeitsplatz ein Kopftuch zu tragen.

Woran sind Ihre Klienten bislang gescheitert?

Zum einen sind es Sprachprobleme, zum anderen oft auch Unkenntnis über Strukturen und Angebote.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Manche gehen nicht zu einem Elternabend. Nicht weil sie desinteressiert sind, sondern weil sie Angst haben. Sie können sich eventuell nicht richtig ausdrücken und haben die Befürchtung, dass etwas Schlechtes über ihr Kind gesagt wird. Dann fühlen sie sich in ihrer Ehre verletzt.

Ein Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen aus Hartz IV-Familien Perspektiven zu geben, damit sie später nicht selbst zu Hilfsempfängern werden. Wie ist ihre Vorgehensweise?

Nach einem Gespräch stehen die Eltern dem wohlwollend gegenüber. Sie wollen das Beste für ihr Kind, dass es eine gute Schulbildung bekommt und später vielleicht studiert. Dann führe ich Einzel-Gespräche mit den Jugendlichen. Das Wichtigste: Sie müssen es selbst wollen.

Woran lassen sich Erfolge messen?

Ich erstelle mit allen Förderpläne, in denen vereinbart ist, auf welchen Wegen das Ziel erreicht werden kann: Ob Schulabschluss, Lehrstellensuche oder ein Arbeitsplatz. Fünf Familien beziehen bereits kein Hartz IV mehr.

Ist es ein Modell für ganz Deutschland?

Das werden wir nach Beendigung des Projektes Ende 2013 analysieren. Wie der zuständige Dezernent, Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Müsse, gesagt hat, haben wird die Hoffnung, dass wir am Anfang mehr investieren müssen, es sich am Ende aber durch weniger Hartz IV-Empfänger auszahlt.

 

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