Frankreichs Wahlkämpfer inspirieren die Werbebranche. Vor allem im Internet toben sich die Kreativen aus, die mit Wortwitz und Charme die Versprechen der Politiker ummünzen. Vom Käsehersteller über Autovermieter bis zum Dessous-Produzenten reicht die Spanne der Firmen, die in ihren Anzeigen und Werbespots die Kampagnen der Kandidaten parodieren.
Unterhosen- statt Macht-Wechsel
Versprochen - gebrochen: Die bekanntesten Wahllügen
Noch einen Schritt weiter als der Slip-Hersteller mit seinem Unterhosen-Dreier-Set in den Landesfarben Blau-Rot-Weiß gehen ein Käsehersteller und eine Reinigungsmittelfirma. Eine rote Kuh mit baumelnden Käse-Ohrringen grinst in Wahlkampfpose hinter einem Rednerpult, daneben der Spruch „Und wenn Sie die Partei wählen, die darüber lacht?“. In der Werbung der Käsemarke „La vache qui rit“ ist ihr Marken-Tier „Präsidentschaftskandidatin“. Als groß angelegten Werbecoup kündigte die Käse-Firma Bel Ende Februar auf der französischen Landwirtschaftsmesse ihre „Kandidatur“ an.
Wie in der echten Politik hat die fiktive „Partei, die darüber lacht“ sogar ein Wahlprogramm. Auf der Facebook-Seite der Marke lassen sich Fotos der Kandidaten-Kuh im Stil des offiziellen Präsidentenfotos betrachten.
Für Konkurrenz unter den fiktiven Kandidaten sorgt die Reinigungsmittel-Firma Briochin. Ihr „Präsidentschaftskandidat“ heißt - wie sollte es anders sein - Jacques Briochin und ist das Markenzeichen der Firma. In Anzeigen wird er mit dem Wahlspruch gepriesen: „Dieser Mann hat nicht bis zum (Wahl-)Jahr 2012 gewartet, um das Markenzeichen ,Made in France' zur Priorität zu machen.“ Die Werbung bezieht sich auf die patriotischen Untertöne der Wahlkämpfer, die im Zeitalter der Globalisierung wieder verstärkt auf Nationales setzen wollen.
Die Skepsis mancher Franzosen hinsichtlich von Wahlkampfversprechen nimmt die Online-Supermarktkette houra.fr aufs Korn. „Endlich ein Kandidat, der seine Versprechen hält“ heißt es dort. Erst Fotos von Mitarbeitern klären darüber auf, dass damit eine pünktliche Lieferung gemeint ist. Die politische Richtungsentscheidung bei der Wahl thematisiert die Autovermietungsfirma Sixt: Sie klärt Sarkozy und Hollande darüber auf, dass ihre Mietwagen genauso gut rechts wie links fahren können.
dpa


© dpaDas Plakat zu Sarkozy-Herausforderer François Hollande: Anstatt "Der Wechsel ist jetzt", ruft die Marke zum Wechsel der Unterhose auf.



























